Thüringer Allgemeine (Gotha)

Es gibt neue Hinweise zur Mutter

Das 2019 in Geschwenda tot aufgefunde­nes Baby gibt noch immer Rätsel auf. Polizei bittet um weitere Hinweise

- Von Maria Hochberg

Geschwenda. Drei Jahre sind vergangen, seit in einem Waldstück bei Geschwenda der leblose Körper eines Säuglings gefunden wurde. Noch immer haben die kriminalpo­lizeiliche­n Ermittlung­en keine Erkenntnis­se zur Identität des Kindes oder der Eltern ergeben. Jüngste Ergebnisse einer Knochenunt­ersuchung des Leichnams geben jedoch erstmals Informatio­nen zu Herkunft und Lebensumst­änden der Mutter. Die Polizei erhofft sich nun neue Hinweise aus der Bevölkerun­g.

Am 20. April 2019 hatten Spaziergän­ger die sterbliche­n Überreste des Babys entdeckt. Die Kripo der Landespoli­zeiinspekt­ion Gotha bildete die Arbeitsgru­ppe „Baby“. Bis zu sieben Ermittler gingen jedem Hinweis nach, überprüfte­n jede Spur, befragten Zeugen, veranlasst­en Gutachten, um etwas über das Kind und vor allem seine Mutter herauszufi­nden -- jedoch ohne Erfolg.

Es ist ein Fall, der auch die Ermittler an ihre emotionale­n Grenzen bringt: „Das Bild des toten Säuglings hat sich auch bei erfahrenen Ermittlern tief eingebrann­t“, sagt Jens Büchner, der das Kommissari­at

„Leib und Leben“der Kriminalpo­lizeiinspe­ktion Gotha leitet. „Es ist uns ein tiefes Bedürfnis, diesem Kind eine Identität zu geben, seine Geschichte zu erzählen und die Gründe zu ermitteln, warum es augenschei­nlich keine Chance hatte, ein Leben zu leben.“

Eine rechtsmedi­zinische Untersuchu­ng ergab, dass das Baby zwischen dem 3. und 12. Dezember 2018 abgelegt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war es etwa eine Woche alt. Die Kriminalis­ten vermuten, dass es zwischen Mutter und Kind eine emotionale Bindung gegeben hat: „Es trug eine Windel, Babykleidu­ng, war in eine Damenbluse eingewicke­lt und muss auch gestillt worden sein“, sagt Büchner.

Die Todesursac­he des Mädchens – darauf deutet der rosafarben­e Strampler hin – konnte nicht festgestel­lt werden. Es ist unklar, ob ein Verbrechen oder ein Unglücksfa­ll vorliegt. Die Kriminalpo­lizeiinspe­ktion Gotha ermittelt zusammen mit der Staatsanwa­ltschaft Erfurt wegen Totschlags, „doch was wirklich passiert ist, können uns nur die Eltern oder andere beteiligte Personen sagen“, gibt der leitende Ermittler Lars Fabig zu bedenken.

Neue Erkenntnis­se zur Mutter ergab nun eine Isotopenun­tersuchung der Knochenstr­uktur des Kindes. „Daraus lässt sich ableiten, wo die Mutter lebte und wie sie sich ernährte“, erklärt Fabig. Demnach muss sie vor der Schwangers­chaft im nordamerik­anischen Raum gelebt und sich während der Schwangers­chaft in der Gegend um Geschwenda aufgehalte­n haben. Sie stammt aus Mitteleuro­pa, ist vermutlich Deutsche.

Aufgrund der Nähe des Fundortes des toten Babys zum Pendlerpar­kplatz der Autobahn 71 bestehe allerdings auch die Möglichkei­t, dass das Kind bei einem Zwischenst­opp auf dem nahe gelegenen Rastplatz abgelegt wurde und die Eltern aus einer anderen Region Deutschlan­ds stammen.

Am Freitag, 29. April, um 14 Uhr soll das unbekannte Baby auf dem Friedhof in Geschwenda bestattet werden. „Es hat eine würdige Beerdigung verdient“, macht Fabig deutlich und bittet die Bevölkerun­g weiterhin um Mithilfe.

Hinweise zur Identität des Kinder oder der Mutter nimmt jede Polizeidie­nststelle auch anonym entgegen

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