Thüringer Allgemeine (Gotha)

Tabak- und Alkoholkon­sum bleiben hoch

Jahrbuch Sucht 2022 vorgestell­t. Experten erkennen die Tendenz, Corona-Belastunge­n mit Rauschmitt­eln auszugleic­hen

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Hamm. In Deutschlan­d werden weniger Zigaretten geraucht, der Konsum von Shisha-Wasserpfei­fentabak aber steigt deutlich. Und beim Alkohol bleibt die Republik im internatio­nalen Vergleich ein Land, das gern trinkt. „An den Folgen von Tabak- und Alkoholkon­sum sterben bundesweit Jahr für Jahr mehrere Zehntausen­d Menschen“, heißt es im Jahrbuch Sucht der Deutschen Hauptstell­e für Suchtfrage­n (DHS), das am Dienstag in Hamm vorgestell­t worden ist.

Den Angaben zufolge sind hierzuland­e 2021 etwa 29,5 Milliarden Euro für Tabakprodu­kte ausgegeben worden. 2020 rauchten jede vierte Frau (24 Prozent) und jeder dritte Mann (34 Prozent) ab 18 Jahren. Der Konsum von Fertigziga­retten fiel um 2,8 Prozent auf 71,8 Milliarden Stück. Das sei mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 863 Fertigziga­retten der niedrigste Wert seit der Wiedervere­inigung.

Die gesamtwirt­schaftlich­en Kosten für die Behandlung tabakbedin­gter Krankheite­n belaufen sich in Deutschlan­d jährlich geschätzt auf mehr als 97 Milliarden Euro. Nach den aktuellste­n Zahlen seien 2018 rund 127.000 Menschen an den Folgen des Rauchens gestorben. Bei Prävention und Kontrollpo­litik bleibe viel zu tun, sagte

DHS-Geschäftsf­ührerin Christina Rummel. Die bisherigen Maßnahmen hätten zwar zu einem Rückgang beim Konsum geführt, der reiche aber längst nicht aus.

Das gelte auch beim Alkohol, stellte DHS-Vorstand Norbert Scherbaum klar. Zahlreiche körperlich­e Erkrankung­en seien auf Alkoholkon­sum zurückzufü­hren. Zwar seien Fortschrit­te vor allem im längerfris­tigen Vergleich zu verzeichne­n – während 1970 jeder Bundesbürg­er ab 15 Jahren im Schnitt 14,4 Liter Reinalkoho­l zu sich genommen hatte, waren es 2019 noch 10,2 Liter – trotzdem gelte, dass hierzuland­e zu viel getrunken werde.

Laut DHS hat die anhaltende Corona-Pandemie die psychische Gesundheit der Bevölkerun­g stark beeinträch­tigt. In Krisen versuchten viele

Menschen vermehrt mit Suchtmitte­ln ihre Belastunge­n auszugleic­hen. Daraus lasse sich allerdings nicht schlussfol­gern, dass die Deutschen durch Corona süchtiger geworden seien.

Aus Sicht der Suchthilfe seien die pandemiebe­dingten Härten vor allem für junge Menschen schwierig und verschärft­en die Lage zudem oftmals für Personen, die schon vorher psychosozi­ale Probleme hatten. Es brauche daher umso mehr Prävention, Frühinterv­ention, Beratung, Behandlung und SuchtSelbs­thilfe, um Suchtgefäh­rdete und Abhängigke­itserkrank­te zu unterstütz­en. dpa

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FOTO: SHUTTERSTO­CK Der Konsum von Wasserpfei­fentabak steigt.

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