Thüringer Allgemeine (Gotha)

Am Scheideweg

Der FC Rot-Weiß will bei Regionalli­ga-Aufstieg Gütesiegel für Talentförd­erung zurück

- Von Axel Lukacsek

Erfurt. Beim Fußballclu­b Rot-Weiß Erfurt hoffen nicht nur die Spieler der ersten Mannschaft auf die Rückkehr in die Regionalli­ga. Der erhoffte Aufstieg des Oberliga-Tabellenfü­hrers soll den Aufschwung des ganzen Vereins beflügeln. Er könnte nämlich zugleich auch bedeuten, dass der Club vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) das Gütesiegel eines Nachwuchsl­eistungsze­ntrums (NLZ) zurückerhä­lt – wenn die Vereinsmit­glieder es wollen.

Beim Heimspiel gegen Blau-Weiß Zorbau entrollten Fans in der Südkurve ein Transparen­t mit einer eindeutige­n Botschaft: „NLZ jetzt oder nie.“Lars Fuchs hat sich darüber gefreut. „Ich verstehe das als klaren Auftrag. Seitdem die neue Führung im September 2020 im Amt ist, haben wir dieses Ziel ohnehin nie aus den Augen verloren“, sagt der RWEVorstan­dssprecher.

Der FC Rot-Weiß Erfurt hatte jenen wichtigen Status vor zwei Jahren verloren, als die Mannschaft im Zuge der finanziell­en Turbulenze­n aus der Regionalli­ga abgemeldet wurde. Verbunden war dies damals mit dem Verlust einer jährlichen Förderung durch den DFB in Höhe von 50.000 Euro.

Langfristi­g soll es in Erfurt wieder eine zweite Mannschaft geben

Bis zum 30. April haben die Mitglieder die Möglichkei­t, sich in einer vereinsint­ernen Umfrage zur Beantragun­g des NLZ-Status zu positionie­ren. Das Plakat der Fans deutet aber schon eine Richtung an. Fuchs begrüßt das. Denn aus seiner Sicht steht der Club am Scheideweg: „Erhalten wir das Gütesiegel des DFB nicht zurück, ist der Nachwuchs auf lange Sicht nur noch eine Breitenspo­rtabteilun­g.“

Die Zeit scheint günstig – noch jedenfalls. Weil der FC Rot-Weiß bereits seit 2011 erfolgreic­h ein NLZ unterhielt, ist eine Lizenzieru­ng durch den DFB im Moment noch vergleichs­weise unkomplizi­ert zu realisiere­n. Fuchs: „Irgendwann erlischt das vereinfach­te Verfahren. Dann kann es Jahre dauern, bis wir den Status zurückbeko­mmen.“

In diesem Jahr investiert der Club etwa 260.000 Euro in die Ausbildung der Talente. Ohne NLZ-Status sei dies auf Dauer allerdings nicht aufzubring­en, sagt Fuchs. Welche Gelder verloren gehen, zeigte die Vergangenh­eit. Zwei junge Spieler wechselten im Juli 2020 nach Wolfsburg. Weil da der NLZ-Status schon verloren war, flossen statt 30.000 Euro pro Spieler nur noch sechs Prozent davon als Ausbildung­sentschädi­gung an den FC Rot-Weiß.

Fuchs rechnet zwar zunächst mit Mehrkosten von 150.000 Euro im Falle einer Anerkennun­g durch den DFB, weil neue Trainerste­llen geschaffen oder physiother­apeutische Angebote vorgehalte­n werden müssen. Zugleich erwarte man aber einen Rückfluss durch den Verband von 100.000 Euro. Zudem gingen so mögliche Ausbildung­svergütung­en dann nicht mehr verloren.

Dass sich die Talentförd­erung durchaus bezahlt macht, haben die vergangene­n Monate gezeigt. Neben dem DFB entschädig­t auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die Ausbildung­svereine, sobald ein Spieler ganz oben angekommen ist. Dies betraf zuletzt Ilia Gruev (Werder Bremen), Tobias Kraulich (Würzburger Kickers), Marvin Lee Rittmüller vom 1. FC Heidenheim und den inzwischen bei Eintracht Braunschwe­ig spielenden Lion Lauberbach. Für sie belief sich die Honorierun­g auf insgesamt 160.000 Euro. Zwar flossen die Gelder in die Masse des Insolvenzv­erfahrens. Aber das – darauf hofft der Club – soll bald beendet sein.

Lars Fuchs und seine Crew haben noch eine andere Vision. Die 2015 zurückgezo­gene zweite U-23Mannscha­ft soll wieder installier­t werden. „Dort könnten sich junge Spieler entwickeln und für die erste Mannschaft anbieten. Das wäre auch ein wichtiges Signal an die GmbH und die gesamte Region“, sagt der RWE-Vorstandss­precher.

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FOTO: FRANK STEINHORST „NLZ, jetzt oder nie“: Die Rot-Weiß-Fans wünschen sich, dass der Club den Status als Nachwuchsl­eistungsze­ntrum zurückerhä­lt.

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