„Licht­ke­gel er­öff­nen neu­es Le­ben“

Horst Sproß­mann, Spre­cher von Thü­rin­gen­forst, ant­wor­tet auf ak­tu­el­le Fra­gen zum Wald­ster­ben. „Mi­schen. mi­schen, mi­schen“, lau­tet die De­vi­se

Thüringer Allgemeine (Ilmenau) - - Thüringen -

Wie hoch war der Scha­den 2019 und wie hoch ist er be­reits im jet­zi­gen Jahr?

Zwei Mil­lio­nen Fest­me­ter Na­del­holz wa­ren in Thü­rin­gen dem Bor­ken­kä­fer zum Op­fer ge­fal­len – zur Hälf­te im Staats­wald und im Be­treu­ungs­wald. Hin­zu ka­men Tro­cken­schä­den von rund ei­ner Mil­li­on Fest­me­ter an der Bu­che und wei­te­ren Laub­höl­zern. Dies ent­spricht bei der Fich­te 4 bis 5 Mil­lio­nen Bäu­men, bei der Bu­che et­wa 500.000. In die­sem Jahr sind bis zum 31. Mai wei­te­re 690.000 Fest­me­ter Buch­dru­cker-schad­holz hin­zu­ge­kom­men.

Kann sich der Wald von al­lein re­ge­ne­rie­ren?

Grund­sätz­lich ver­fügt das Öko­sys­tem Wald über ein be­acht­li­ches na­tür­li­ches Re­ge­ne­ra­ti­ons­ver­mö­gen. Al­ler­dings wirkt dies nur über lan­ge Zei­t­räu­me. Man kann hier von Jahr­zehn­ten vi­el­leicht so­gar Jahr­hun­der­ten spre­chen. In die­sen Pha­sen er­füllt der ge­schä­dig­te Wald nur sehr be­schränkt sei­ne wich­ti­gen Nutz-, Schutz- und Er­ho­lungs­funk­tio­nen.

Wie wirkt sich das Baum­ster­ben auf die Tier­welt aus?

Ent­ste­hungs-, Ent­wick­lungs- und Abst­er­be­vor­gän­ge sind stets vor­han­de­ne Pha­sen im na­tür­li­chen Kreis­lauf­sys­tem Wald. So stel­len ab­ge­stor­be­ne Fich­ten und Bu­chen ei­ner­seits ei­nen Bio­mas­se­ver­lust dar, an­de­rer­seits sind die da­mit ent­ste­hen­den Licht­ke­gel Aus­gangs­punkt für neu­es Le­ben.

Wel­che neu­en Baum­ar­ten sind ge­gen Tro­cken­heit re­sis­tent?

Un­ter den hei­mi­schen Ar­ten sind das bei­spiels­wei­se die Trau­be­n­ei­che, der Feld­a­horn, die Flat­te­rul­me, die Wil­d­obstar­ten, der Spei­er­ling, die Els­bee­re oder die Weiß­tan­ne, wo­bei in­ner­halb der Ar­ten auch Un­ter­schie­de fest­zu­stel­len sind. So er­tra­gen man­che Bu­chen die Tro­cken­heit bes­ser als an­de­re Bu­chen. Hier liegt ein noch gro­ßes For­schungs­feld. Thü­rin­gen­forst ex­pe­ri­men­tiert au­ßer­dem mit „neu­en“Baum­ar­ten. Über 100 Jah­re An­bau­er­fah­rung gibt es et­wa mit der Dou­gla­sie,

Hem­lock­tan­ne, Schwarz­kie­fer, Nuss­baum und der Ro­tei­che, vie­le aus den USA. Seit Jah­ren sam­melt Thü­rin­gen­forst auf ei­nem Ver­suchs­feld Er­fah­run­gen mit der Tür­ki­schen Tan­ne, der Li­ba­non-ze­der oder der Ori­ent-bu­che.

Wel­che Maß­nah­men sind für die Wald-ret­tung nö­tig?

Kurz­fris­tig die Sa­nie­rung der Schad­flä­chen so­wie de­ren Auf­fors­tung. Mit­tel- bis lang­fris­tig ist der Wal­d­um­bau das Ge­bot, das be­deu­tet mi­schen, mi­schen, mi­schen. Bei der Si­che­rung der Mul­ti­funk­tio­na­li­tät des Wal­des steht die Kli­ma­schutz­wir­kung im Vor­der­grund. Denn nicht nur ste­hen­des Holz bin­det Koh­len­di­oxid.

Ist der An­bau von Süd­früch­ten, von Apri­ko­sen- oder Nek­ta­ri­nen­bäu­men, an­ge­dacht?

Nein. Die Forst­wirt­schaft in Thü­rin­gen setzt im We­sent­li­chen auf hei­mi­sche Wald­baum­ar­ten.

Wie hoch fällt die staat­li­che Un­ter­stüt­zung aus?

Thü­rin­gen­forst er­hält jähr­lich je­weils vier Mil­lio­nen Eu­ro zu­sätz­li­che Haus­halts­mit­tel. Die Mit­tel­be­reit­stel­lung 2021 und 2022 er­folgt aber nur, wenn die schwie­ri­ge Si­tua­ti­on an­hält. Zu­sätz­lich wird im Land­tag ein Ge­set­zes­ent­wurf dis­ku­tiert, der wei­te­re 11 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr für den Wal­d­um­bau hin zu kli­ma­resi­li­en­ten Wäl­dern bis 2036 vor­sieht.

FO­TO: HAN­NO MÜL­LER

Horst Sproß­mann vom Thü­rin­gen­forst zur Vi­si­te im Er­fur­ter Stei­ger.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.