Co­ro­na-kri­se und die Fol­gen

Thüringer Allgemeine (Ilmenau) - - Ilm-kreis -

Da­nach wird nichts so sein wie vor­her! – So oder ähn­lich lau­te­ten in den ver­gan­ge­nen Wo­chen und Mo­na­ten öf­fent­li­che Äu­ße­run­gen in Be­zug auf die Co­ro­napan­de­mie. Ge­fühlt ist sie wie ein Blitz über uns her­ein­ge­bro­chen und hat das in­di­vi­du­el­le, das fa­mi­liä­re, das wirt­schaft­li­che, tou­ris­ti­sche und kul­tu­rel­le Le­ben mit ei­nem Schlag ver­än­dert.

Die Er­schüt­te­run­gen mach­ten auch vor den Kir­chen und Re­li­gi­ons­ge­mein­schaf­ten nicht Halt, son­dern tra­fen ins Mark. Ein­ge­spiel­te All­tags­rou­ti­nen wa­ren eben­so wie her­aus­ra­gen­de Er­eig­nis­se im pri­va­ten und öf­fent­li­chen

Be­reich plötz­lich Ma­ku­la­tur. Vor al­lem das Ge­fühl ei­ner dif­fu­sen Be­dro­hung, die über­all lau­er­te und meist doch nicht ein­trat, präg­te das Er­le­ben. Et­was tief un­ten in der See­le und dem Le­bens­ver­ständ­nis Ver­senk­tes wur­de be­wusst: Al­les kann schief­ge­hen, zu­min­dest aber ganz an­ders kom­men als er­war­tet und ge­wünscht. Nichts hat ei­ne au­to­ma­ti­sche Er­folgs­ga­ran­tie.

Weil sich vie­les nicht mehr auf brei­te Schul­tern ver­tei­len ließ, wur­de die Last auf den ei­ge­nen Schul­tern zent­ner­schwer. Und wie im­mer wur­den in die­sen Si­tua­tio­nen Schul­di­ge ge­sucht. Men­schen konn­ten ein­an­der zur Ge­fahr wer­den. In der Co­ro­na-kri­se war nichts wie vor­her! Zu­min­dest seit dem Kriegs­en­de.

Ge­ra­de des­halb stel­len sich die Wün­sche die­sem Satz ent­ge­gen. Sehn­süch­tig wird das En­de der Ein­schrän­kun­gen, die Rück­kehr in das Ge­wohn­te und Ver­trau­te er­war­tet. Schu­le, Be­ruf, Fa­mi­lie und Frei­zeit sol­len wie­der so selbst­ver­ständ­lich sein wie vor­her. Und vie­les ist zum Glück wie­der wie vor­her. Oder doch nicht?

Die Un­be­schwert­heit und Sorg­lo­sig­keit will nicht zu­rück­keh­ren. Be­red­tes Bei­spiel da­für ist der Ur­laub auf dem Bal­kon. Das hat Kon­se­quen­zen für vie­le Wirt­schafts­zwei­ge

und vor al­lem die Kul­tur­schaf­fen­den. Es ist nicht wie vor­her. Sind wir al­so ohn­mäch­tig dem Co­ro­na-ge­sche­hen aus­ge­lie­fert? Das muss nicht sein! Denn die Al­ter­na­tiv­lo­sig­keit des „nicht wie vor­her“, kann ei­nen dop­pel­ten Aus­gang neh­men. Sie kann in die Ohn­macht und Hilf­lo­sig­keit fort­schrei­ben. Die Kri­se näh­me dann ei­nen im­mer schlim­me­ren Ver­lauf.

Nicht wie vor­her ist aber auch ei­ne an­de­re Er­fah­rung der Co­ro­nazeit! Mit dem Ver­lust der All­tags­rou­ti­nen ent­deck­ten wir hin­ter dem Selbst­ver­ständ­li­chen die Ge­sich­ter der Hil­fe und des Bei­stands. Sie be­geg­nen in den Su­per­märk­ten,

Kran­ken­häu­sern, Pfle­ge­diens­ten, den Liebs­ten und Nach­barn. Wor­te und Ges­ten des Dan­kes er­lang­ten ei­ne Be­deu­tung, die be­reits ver­ges­sen schien und nun neu da ist. Ge­mein­sa­me Be­trof­fen­heit er­leich­tert sol­che Ent­de­ckun­gen. Per­sön­li­che Auf­merk­sam­keit und re­spekt­vol­ler Um­gang wer­den sol­che Er­fah­run­gen für Kom­men­des fort­schrei­ben.

Ähn­lich ist es mit vie­len gu­ten schöp­fe­ri­schen Ide­en des Brü­cken­baus zwi­schen den Men­schen, vor al­lem zwi­schen Jung und Alt.

Nicht nur Not schweißt zu­sam­men, Groß­mut und Dank­bar­keit auch.

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