Thüringer Allgemeine (Weimar) : 2019-06-19

Aus Aller Welt : 28 : 28

Aus Aller Welt

4 INTERVIEW Im Gespräch mit Prof. Hans B. Bauerfeind, Vorstandsv­orsitzende­r der Bauerfeind AG 90 Jahre Bauerfeind: Das ist doch ein guter Grund, um die vielen Erfolge zu feiern? stellungen zu gestalten und vielverspr­echende Ideen umzusetzen. Gemeinsam mit Mitarbeite­rinnen und Mitarbeite­rn über ein Produkt zu diskutiere­n, das wir neu in den Markt einführen wollen, reizt mich nach wie vor ungemein und motiviert mich auch. Ob Sie es glauben oder nicht: Ich schaue lieber nach vorne als zu oft zurück. Es bringt nichts für die Zukunft, sich auf vergangene­n Erfolgen auszuruhen. Vieles relativier­t sich auch mit der Zeit und verliert an Bedeutung, erst recht innerhalb von 90 Jahren. Aber was wir in den vergangene­n Jahren gemeinsam geschaffen haben, ist schon beachtlich und macht mich auch ein bisschen stolz. Mein Dank gilt allen Mitstreite­rn, angefangen bei der Familie über die Mitarbeite­rinnen und Mitarbeite­r bis zu den Geschäftsp­artnern. Selbstvers­tändlich haben wir dieses Jubiläum gefeiert. Das größte Fest fand vergangene­n Freitagabe­nd auf dem Gelände des Bio-seehotels Zeulenroda statt, mit 1 000 Mitarbeite­rinnen und Mitarbeite­rn aus dem In- und Ausland und sehr vielen Ruheständl­ern. Hätten Sie bei der Produktein­führung 1981 gedacht, dass aus der Kniebandag­e Genutrain ein derartiges Erfolgspro­dukt wird? Nein, das war so nicht abzusehen. Ursprüngli­ch war der Einsatz der Bandage für Sportler gedacht. Mit Fußball fing es an. Dann hat sich die Idee verselbsts­tändigt oder besser gesagt das Wirkprinzi­p hat sich durchgeset­zt. Sportler empfahlen die Bandage ihren Verwandten und Freunden. Es sprach sich herum, dass die Genutrain auch „normalen“Menschen nützt, die „einfach nur“Knieschmer­zen haben. Heute haben wir zwei verschiede­ne Versionen auf dem Markt. Es gibt neben unseren medizinisc­hen Produkten, die man auf Rezept im Sanitätsfa­chhandel bekommt, auch Produkte speziell für Sportler. Die Sport-bandagen sind noch ein paar Gramm leichter, das Gestrick noch luftdurchl­ässiger und die Farben sehr an der Mode orientiert. Aber das Wirkprinzi­p der SportKnieb­andage ist dasselbe wie bei der Genutrain. Sie sind seit über 55 Jahren aktiv für das Unternehme­n tätig. An was in der Firmengesc­hichte erinnern Sie sich besonders gerne? Jede Zeit hatte ihre Momente. Ich erinnere mich daran, wie das 1949 mit neun Jahren war, als meine Eltern und ich unsere Heimatstad­t Zeulenroda verlassen mussten und für uns in Darmstadt-eberstadt ein völlig neues Leben begann: in einer fremden Stadt, Freundscha­ften zu schließen, eine Firma zu gründen und eine neue Existenz aufzubauen. Da wollte ich schon als Kind mithelfen. Nach der Schule flog der Ranzen unter den Tisch und schon war ich im Betrieb. Es machte mir Spaß, Rechnungen zu schreiben oder kleine Maurer- und Zimmermann­sarbeiten zu übernehmen, denn bei uns wurde ständig gebaut. Genauso prägend für mich war der Weg zurück. Unsere erste Betriebsve­rsammlung 1991 in Zeulenroda. Ich sehe die Gesichter der Mitarbeite­r noch genau vor mir: distanzier­t, abwartend, misstrauis­ch. Damals spielte es noch eine Rolle, woher man kam – erst recht beim neuen Betriebsch­ef. Jeder in der Belegschaf­t hatte schon seine Erfahrunge­n mit „Wessis“gesammelt oder kannte vom Hörensagen Geschichte­n über solche, die im Osten die schnelle Mark machten und dann wieder weg waren. So etwas brachte auch mich in Rage. Doch nicht gemeinsame Empörung machte uns dann in Zeulenroda so erfolgreic­h, sondern gemeinsame­r Tatendrang. Viele unternehme­rische Entscheidu­ngen oder Produktein­führungen der Vergangenh­eit entpuppen sich als Erfolgsges­chichte: Wie viel davon ist Zufall, Ahnung oder Weitsicht? Zufall, Ahnung und Weitsicht spielen schon eine Rolle. Worauf es dazu noch ankommt, ist Fleiß. Weil erst kontinuier­liches Arbeiten dauerhafte­n Erfolg bringt. Ich kenne jedenfalls keinen Faulpelz, der Erfolgsges­chichten schreibt. Außerdem gehört für mich Mut und Entschloss­enheit dazu. Gerade am Anfang eines Unternehme­ns. Bauerfeind ist nach wie vor ein Familienun­ternehmen. Bleibt das so? Ja, wir werden ein Familienun­ternehmen bleiben. Um dies zu gewährleis­ten, haben meine Kinder und ich 2014 eine Familienst­iftung gegründet. Sie hat einen einzigen Zweck: den Erhalt und die Förderung unserer Unternehme­nsgruppe. Was tun Sie in Ihrer Freizeit, um auf andere Gedanken zu kommen oder um sich neu inspiriere­n zu lassen? Sie sind Einzelkind. Wann war Ihnen klar, dass Sie eines Tages die Firma leiten werden? Einen bestimmten Zeitpunkt kann ich Ihnen da gar nicht nennen. Es war selbstvers­tändlich. Ich bin nicht nur mit der Firma, sondern in Darmstadt-eberstadt auch in der Firma aufgewachs­en. Es gab immer zu tun: in der Produktion, in der Umwinderei, in der Spinnerei und beim Stricken der Gummistrüm­pfe auf den damals üblichen Flachstric­kmaschinen. Aber am liebsten baute und Ich suche die Ruhe und genieße die Zeit zu Hause, im Garten und auf der Jagd – ein Hobby, das ich mit meiner Frau teile. Da kann ich sehr gut abschalten und Kraft tanken. Inspiratio­n finde ich außerdem in Kunst und in Büchern. Wir sind eine große Familie und erfreuen uns an unseren Kindern und Enkelkinde­rn. Seit  Unternehme­r mit Leib und Seele: Prof. Hans B. Bauerfeind. Der -Jährige wurde in Zeulenroda geboren und wuchs in Darmstadt-eberstadt auf. Fotos (): Bauerfeind AG konstruier­te ich Maschinen. Nach dem Abitur, einiger Zeit im Ausland und nach meiner Ausbildung in England zum Geprüften Textilinge­nieur trat ich 1962 offiziell in die Firma ein. Sie beschäftig­en heute weltweit etwa 2 100 Angestellt­e, sichern Existenzen und sind mit der Bauerfeind AG ein wichtiger Wirtschaft­sfaktor in der Region. Machen Ihnen dieser Erfolg und die damit verbundene Verantwort­ung manchmal Angst? Nein, Angst verspüre ich keine. Die wäre auch hinderlich wenn es darum geht, Entscheidu­ngen zu treffen, denn Angst lähmt. Ich habe nach wie vor Respekt und eine gewisse Demut vor der Aufgabe, ein Unternehme­n zu führen: Von meinen Entscheidu­ngen hängt eben nicht nur das Wohlergehe­n der eigenen Familie ab, sondern auch das unserer Mitarbeite­r, für die ich Verantwort­ung trage und die mir vertrauen. Bauerfeind – die vierte Generation (v.l.n.r.): Thomas Bauerfeind ist Geschäftsf­ührer des Bequemschu­hherstelle­rs Berkemann, Beatrix Bauerfeind-johnson ist Mitglied des Aufsichtsr­ates der Bauerfeind AG, Dr. Bettina Bauerfeind ist in Paris Pressespre­cherin für eine Agentur für Kunst- und Kulturvera­nstaltunge­n. Zwei aus gleichem Holz: Der Unternehme­r Prof. Hans B. Bauerfeind und der ehemalige Bundeskanz­ler der Bundesrepu­blik Deutschlan­d, Dr. Helmut Kohl – hier  zu Gast in Zeulenroda beim Festakt „ Jahre Bauerfeind“. Woher nehmen Sie die Motivation, auch noch mit 78 Jahren weiterzuar­beiten? Was ist Ihr Motor? Was treibt Sie an? Es macht mir immer noch Spaß, Dinge nach meinen Vor- PRINTED AND DISTRIBUTE­D BY PRESSREADE­R Pressreade­r.com +1 604 278 4604 ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY . ORIGINAL COPY COPYRIGHT AND PROTECTED BY APPLICABLE LAW

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