Ka­bi­nett bil­ligt Kli­ma­pa­ket

Bun­des­re­gie­rung be­schließt Ge­setz zum Kli­ma­schutz. Aus­stoß an Treib­haus­ga­sen soll bis 2030 um 55 Pro­zent re­du­ziert wer­den

Thüringische Landeszeitung (Eichsfeld) - - ERSTE SEITE - VON PHILIPP NE­U­MANN

Ber­lin. Die Bun­des­re­gie­rung macht den nächs­ten Schritt beim Kli­ma­schutz: Sie hat da­für am Mitt­woch ei­nen de­tail­lier­ten Fahr­plan be­schlos­sen und so­mit ih­re Grund­satz­ei­ni­gung vom Sep­tem­ber prä­zi­siert. Mit An­rei­zen und ei­nem Preis für den Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen soll Deutsch­land sein Kli­ma­ziel für das Jahr 2030 er­rei­chen.

Das Ka­bi­nett bil­lig­te auch ein Kli­ma­schutz­ge­setz, das fest­legt, dass ein­zel­ne Mi­nis­ter künf­tig für die Ein­hal­tung jähr­li­cher Treib­haus­gas-Spar­zie­le in ih­rem Be­reich ver­ant­wort­lich sind. Da­mit geht nun das ers­te Ge­setz aus dem Kli­ma­pa­ket an den Bun­des­tag.

Wei­te­re Vor­ha­ben, et­wa zur Er­hö­hung der Luft­ver­kehrs­steu­er, sol­len in den nächs­ten Mo­na­ten fol­gen. (dpa)

Ber­lin. Kli­ma­schutz wird in Deutsch­land Ge­setz. Am Mitt­woch be­schloss die Bun­des­re­gie­rung das Kli­ma­pa­ket, auf das sich die Ko­ali­ti­on vor gut zwei Wo­chen ge­ei­nigt hat­te. „Ab jetzt sind al­le Mi­nis­te­ri­en Kli­ma­schutz­mi­nis­te­ri­en“, sag­te Um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD). Die Zeit, in der sie an­de­ren Mi­nis­tern auf die Fü­ße ha­be tre­ten müs­sen, sei „jetzt end­gül­tig vor­bei“.

Kon­kret fass­te die Re­gie­rung zwei Be­schlüs­se: ers­tens das Kli­ma­schutz­ge­setz und zwei­tens das Kli­ma­schutz­pro­gramm 2030. Das Kli­ma­schutz­ge­setz legt kon­kre­te Jah­res­zie­le für die Ver­rin­ge­rung des Treib­haus­ga­ses CO2 fest. Es ent­hält auch Mecha­nis­men, wie die­se Zie­le kon­trol­liert wer­den und wann die Bun­des­re­gie­rung nach­bes­sern muss. Der Bun­des­tag muss all dem noch in den nächs­ten Mo­na­ten zu­stim­men.

Im Kli­ma­schutz­pro­gramm wie­der­um sind die vie­len Maß­nah­men ent­hal­ten, mit de­nen der CO2-Aus­stoß ge­senkt wer­den soll. Kon­kret geht es um die Be­rei­che Ver­kehr, Ge­bäu­de und Land­wirt­schaft. Dort fällt je­weils re­la­tiv viel CO2 an. Die wich­tigs­te Maß­nah­me ist die Ein­füh­rung ei­nes Prei­ses für CO2. Er muss in­di­rekt von den Ver­brau­chern be­zahlt wer­den und führt da­zu, dass Ben­zin und Die­sel teu­rer wer­den, aber auch Öl und Gas. Die ein­zel­nen Punk­te wer­den zum Teil noch in wei­te­ren Ge­set­zen ge­re­gelt.

Deutsch­land will sei­nen Aus­stoß an kli­ma­schäd­li­chen Treib­haus­ga­sen bis 2030 um 55 Pro­zent re­du­zie­ren im Ver­gleich zu 1990. Bis Mit­te des Jahr­hun­derts soll die Bun­des­re­pu­blik weit­ge­hend kli­ma­neu­tral wer­den.

Wel­chen po­li­ti­schen Spreng­stoff die Bun­des­re­gie­rung in ih­ren Kli­ma­be­schlüs­sen ver­mu­tet, wird an ei­nem Satz deut­lich. Er steht auf Sei­te 63 des Kli­ma­schutz­pro­gramms. „Die Re­duk­ti­on von Treib­haus­ga­sen im Ver­kehr“, heißt es dort, wer­de „an die Gren­zen der ab­seh­ba­ren tech­ni­schen Mach­bar­keit und der ge­sell­schaft­li­chen Ak­zep­tanz ge­hen“. Denn auch wenn Um­welt­ver­bän­de und Kli­ma­schüt­zer mei­nen, die Kli­ma­p­lä­ne der Re­gie­rung gin­gen nicht weit ge­nug: In der Ko­ali­ti­on selbst gibt es Kräf­te, de­nen das jetzt Ver­ein­bar­te noch zu viel ist. So hat die CSU ver­sucht, das Kli­ma­pa­ket doch noch ab­zu­schwä­chen.

Das Kli­ma­schutz­ge­setz re­gelt nun, dass ein­zel­ne Mi­nis­ter für die Er­rei­chung der jähr­li­chen Kli­ma­schutz­zie­le in ih­rem Be­reich ver­ant­wort­lich sind. Ei­ne noch kurz vor dem Re­gie­rungs­be­schluss ein­ge­füg­te Klau­sel be­sagt au­ßer­dem, dass die Bun­des­re­gie­rung im Jahr 2025 „für wei­te­re Zei­t­räu­me nach dem Jahr 2030 jähr­lich ab­sin­ken­de Emis­si­ons­men­gen“ fest­legt. Die Kli­ma­zie­le sol­len al­so kon­ti­nu­ier­lich nach­ge­bes­sert wer­den. Um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD) warb am Mitt­woch mehr­fach um Ver­trau­en. Soll­ten die Maß­nah­men nicht aus­rei­chen, wer­de nach­jus­tiert.

Das Kli­ma­schutz­pro­gramm lis­tet auf 170 eng be­druck­ten Sei­ten al­le mög­li­chen Maß­nah­men auf, mit de­nen die Pro­duk­ti­on von CO2 in Deutsch­land ge­senkt wer­den soll. Die wich­tigs­te ist die Ein­füh­rung ei­nes Prei­ses für CO2. Dar­auf hat­ten sich Uni­on und SPD schon in ih­ren Kli­ma-Eck­punk­ten am 20. Sep­tem­ber ge­ei­nigt. Die­ser Preis soll ste­tig stei­gen. Das ver­teu­ert vor al­lem das Hei­zen und das Au­to­fah­ren. Die Ein­nah­men aus dem CO2-Preis sol­len für den Kli­ma­schutz ver­wen­det wer­den. Das Geld soll auch die Bür­ger bei Aus­ga­ben im All­tag ent­las­ten – bei­spiels­wei­se soll die Strom­steu­er sin­ken, die Pend­ler­pau­scha­le stei­gen und der Nah­ver­kehr bes­ser wer­den. Es soll au­ßer­dem För­der­pro­gram­me und fi­nan­zi­el­le An­rei­ze ge­ben, um CO2 ein­zu­spa­ren. So soll der Ein­bau neu­er Hei­zun­gen und Fens­ter ge­för­dert wer­den. Das Glei­che gilt für den Kauf neu­er Elek­tro­au­tos. Schließ­lich soll es auch Ver­bo­te ge­ben, da­mit we­ni­ger CO2 ent­steht. So darf es ab 2026 kei­ne neu­en Öl­hei­zun­gen mehr ge­ben. Die Ge­set­zes­re­geln, mit de­nen die Flug­ver­kehr­steu­er stei­gen und die Kf­zS­teu­er für sprit­schlu­cken­de Au­tos er­höht wer­den sol­len, will die Re­gie­rung nächs­te Wo­che be­schlie­ßen. Bei der Op­po­si­ti­on und Um­welt­or­ga­ni­sa­tio­nen lös­te das Kli­ma­pa­ket er­neut Kri­tik aus. Grü­nen­Frak­ti­ons­chef An­ton Ho­frei­ter nann­te es „un­wirk­sam, un­kon­kret und un­so­zi­al“. Es blei­be hin­ter den Not­wen­dig­kei­ten zu­rück.

Die CO2-Be­prei­sung sei viel zu nied­rig und so­zi­al un­ge­recht. Links­frak­ti­ons­chef Diet­mar Bartsch be­schei­nig­te der Re­gie­rung ei­ne „in­ef­fek­ti­ve und un­so­zia­le“Kli­ma­po­li­tik. FDP-Frak­ti­ons­vi­ze Frank Sit­ta er­klär­te, die­se Po­li­tik sei „ge­schei­tert“. Der Vor­sit­zen­de des Bun­des für Um­welt und Na­tur­schutz Deutsch­land (BUND), Hu­bert Wei­ger, sag­te: „Die­ses Sam­mel­su­ri­um, das vom Ka­bi­nett ge­bil­ligt wur­de, bringt nur ein Drit­tel des­sen auf die Waa­ge, was zur Er­rei­chung der Kli­ma­zie­le 2030 nö­tig ist.“Der Prä­si­dent des Städ­te­tags, Leip­zigs Ober­bür­ger­meis­ter Burk­hard Jung, sag­te, ei­ni­ge Punk­te des Kli­ma­pa­kets sei­en sinn­voll, al­ler­dings müss­ten die Vor­schlä­ge für den Ver­kehr schnel­ler um­ge­setzt wer­den. (mit rtr/dpa)

Um­welt­ver­bän­de: „Sam­mel­su­ri­um“

FO­TO: DPA

Ein klei­nes Kli­ma­pa­ket auf dem Sil­ber­ta­blett: Um­welt­ak­ti­vis­ten mit Mas­ken, die Wirt­schafts­mi­nis­ter Alt­mai­er, Kanz­le­rin Mer­kel und Fi­nanz­mi­nis­ter Scholz zei­gen, pro­tes­tie­ren vor dem Kanz­ler­amt für mehr Kli­ma­schutz.

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