Thüringische Landeszeitung (Eichsfeld)

Mödlareuth oder Mallorca

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In Bayern und Hessen wird am Sonntag ein neuer Landtag gewählt. Sowohl CSU als auch CDU liegen deutlich in Front. Während in beiden Ländern stabile Mehrheiten möglich sind, ist man davon in Thüringen weit entfernt: Die vom Verfassung­sschutz als rechtsextr­emistisch eingestuft­e AfD würde laut Umfragen ein Jahr vor der Wahl stärkste Kraft. Mit Abstand folgen Linke und CDU. Die SPD hält sich zweistelli­g. Die Grünen schaffen gerade so die Fünf-Prozent-Hürde, woran die FDP scheitern könnte.

Daran glaubt Thomas Kemmerich nicht. Der FDP-Landeschef kann ob guter persönlich­er Umfragewer­te vor Kraft kaum in seinen Cowboystie­feln laufen. Er geht davon aus, dass er die Thüringer FDP nach oben ziehen wird.

In Hessen steckt die FDP im ähnlichen Umfragekel­ler. Vielleicht hat deshalb der Spitzenkan­didat kurzzeitig sein Heil in Bayern gesucht. Dort tauchten im Münchner Speckgürte­l großformat­ige Plakate von ihm auf. Dass das Missgeschi­ck zunächst niemand bemerkte, könnte auf die Bekannthei­t des Bewerbers schließen lassen.

Am 1. September 2024 wird übrigens nicht nur in Thüringen, sondern auch in Sachsen das Parlament neu bestimmt. Für den Fall, dass Kemmerich den benachbart­en Liberalen auch noch helfen will, könnte er sich ja mit dem örtlichen Plakatekle­ber kurzschlie­ßen.

An einer Stelle, wo man sie nicht vermutet hätte, tauchte auch Alice Weidel auf. Die AfD-Bundes- und Bundestags­fraktionsc­hefin sagte am Tag der Deutschen Einheit einen Termin im thüringisc­h-bayerische­n Grenzort Mödlareuth ab. Schuld daran sei ein „sicherheit­srelevante­r Vorfall“, so ein AfD-Vertreter. Weidel und ihre Familie seien wegen Anschlagsg­efahr an einen sicheren Ort verbracht worden. „Sie darf nicht aus diesem Safehouse raus, sie muss untergetau­cht bleiben bis auf Weiteres“, sagte ein Sprecher. Weidel selbst meldete sich per Video: „Ich würde nichts lieber tun, als heute bei euch zu sein, aber ich kann es leider nicht.“

Dumm nur, dass Weidel am 3. Oktober aber doch noch gesichtet wurde. Allerdings weder in Mödlareuth noch in einem Safehouse. Dafür in einem Strandcafé auf Mallorca.

Dass sie die Balearenin­sel den beiden anderen Örtlichkei­ten vorzog, ist menschlich nachvollzi­ehbar. Und mal eine Veranstalt­ung zu schwänzen, ist auch kein Weltunterg­ang. Man sollte sich nur nicht dabei erwischen lassen.

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Elmar Otto über politische Grenzgänge­r

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