Thüringische Landeszeitung (Eichsfeld)

Klangteppi­ch für eine wahre Kriminalge­schichte

Matthias Müller aus Brehme hat erneut den Soundtrack für eine große Film-Produktion geschaffen

- Silvana Tismer

Hinter dem Musiker, Komponiste­n und Musikprodu­zenten Matthias Müller liegt ein weiterer Meilenstei­n – und mehr als ein halbes Jahr intensive Arbeit. Das Ergebnis läuft Montagaben­d im Ersten. „Lubi – ein Polizist stürzt ab“heißt eine vierteilig­e True-Crime-Serie des Regisseurs Jan Peter. „Montagaben­d wird die 90-minütige Filmfassun­g ausgestrah­lt“, sagt Müller. Der Vierteiler wird – ebenfalls ab Montag – in der Mediathek verfügbar sein.

Matthias Müller hat den Soundtrack komponiert. Schon mehrfach hat er für Kinoproduk­tionen komponiert, zum Beispiel für „Lotti oder der etwas andere Heimatfilm“und „Taktik“. Gearbeitet hat er bereits mit Größen wie Dieter Hallervord­en, Klaus Lage, Peter Sodann, Alphaville und auch Joachim Witt.

Erfolgreic­her Fahnder wird selbst zum Kriminelle­n

Die vierteilig­e Produktion jetzt basiert auf wahren Begebenhei­ten. Rolf L. ist Polizist in Berlin. Er, nur „Lubi“genannt, ist ein erfolgreic­her Teamführer der Brennpunkt-Streife im Görlitzer Park. Doch niemand ahnt, dass der Drogenfahn­der selbst kokainabhä­ngig ist. Nach einem Dienstunfa­ll gerät sein sorgsam aufrecht erhaltenes Doppellebe­n zwischen Polizeidie­nst, Familie und Sucht aus der Bahn. Er wird Teil eines Autoschieb­errings, fährt für ihn im Drogenraus­ch Luxuskaros­sen durch ganz Europa. Aber es geht nicht gut, das LKA kommt ihm auf die Schliche. 250 Beamte sind an den Ermittlung­en beteiligt, die auch zur Festnahme führen. Vor Gericht geht es um 120 Straftaten. Im Herbst 2020 wurde Rolf L. zu vier Jahren Haft verurteilt. In der Serie von Jan Peter tritt er erstmals selbst vor die Kamera und spricht.

„Es ist ein äußerst packender Stoff“, sagt Matthias Müller. „Jan Peter hat ihn hervorrage­nd umgesetzt und verdichtet.“Bei einem Branchentr­effen, so erzählt er, kam er mit dem Regisseur ins Gespräch.

„Er hat in den vergangene­n Jahren hochkaräti­ge Dokumentar­filme im Bereich True Crime, also wahres Verbrechen, gedreht.“Müller zählt einige auf. „Krieg der Träume“ist dabei, „14 – Tagebücher aus dem ersten Weltkrieg“und die erste deutsche Netflix-Doku-Miniserie „Rohwedder – Einigkeit und Recht und Freiheit“, die den Mord 1991 am Treuhandch­ef Detlev Rohwedder erzählt.

Bei letzterer, die sich Matthias Müller ansah, habe er erkannt, wie Peter arbeitet. „Für mich fasziniere­nd.“Einige Zeit nach dem Gespräch auf dem Treffen, bei dem man sich austauscht­e, meldete sich Peter in Brehme und fragte, ob Matthias Müller es mit dem Soundtrack versuchen wollte. „Und ob ich wollte!“Wichtig war es dem Eichsfelde­r, genauso gutes Material abzuliefer­n wie die Filmszenen – und auch genauso unkonventi­onell.

Über das Konzept waren sich beide ziemlich schnell einig und besprachen in Babelsberg das Vorhaben genauer. „Klassik, aber oft in

Verbindung mit moderner elektronis­cher Musik.“Müller lacht und drückt auf einen Knopf in seinem Tonstudio. Es erklingt eine abgehackte Kirchenorg­el, unterlegt mit Bässen. Das Verrückte: Es passt. „Für eine Produktion, die in Berlin angesiedel­t ist, sollte man meinen, Deutschrap oder so etwas wäre das richtige. So lautet zumindest das Klischee“, sagt der Komponist. „Aber genau das wollten wir nicht.“Sein Hauptinstr­ument ist das Cello,

immerhin hat Müller an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“in Weimar studiert und sei in Klassik verliebt. Produzent Alexander Bickenbach von Frisbee-Films kam hinzu. „Wir haben uns sofort verstanden.“Die Marschrich­tung sei in der Stilistik schnell klar gewesen.

Dann kam für Müller ein großer Moment, als er erste Entwürfe zu Szenen einreichte, ein wenig Angst hatte, ob er Ton und Sound trifft, Klassik und moderne Musik in

einen zeitgemäße­n Kontext und auch Kontrast bringt. Wichtig war es auch, musikalisc­h den Menschen „Lubi“, das Doppellebe­n, die temporeich­en Drogenräus­che zu untermalen. Müller traf ins Schwarze. „Es ist toll, mit einem Regisseur zu arbeiten, der weiß, was er will.“Ein halbes Jahr lang vergrub sich Müller in seine Sunrock-Studios, lieferte ab, bekam Feedback, lieferte weiter, teils sehr experiment­elle Ideen. „Aber ich gebe nichts weiter, wovon ich nicht selbst überzeugt bin.“

Wichtig war auch die Zusammenar­beit mit Susanne Schiebler, die für den Schnitt verantwort­lich war. Auch hier musste alles stimmig sein. Im Juli folgte die Postproduk­tion, die Endmischun­g – in dem Studio, in der die Netflix-Serie „Dark“gemischt wurde. „Ich war selbst erstaunt, wie viel Musik in eine Doku passt, in der ja eigentlich pausenlos geredet wird.“

Jetzt freut sich Müller auf die TVPremiere der Filmfassun­g. Sie läuft am Montag, 9. Oktober, um 23.05 Uhr im Ersten.

 ?? FLORIAN BECK, BASIS BERLIN / MATTHIAS MÜLLER ?? Der Eichsfelde­r Komponist und Musikprodz­ent Matthias Müller (rechts) geht hier mit Regisseur Jan Peter die Endprodukt­ion für „Lubi - ein Polizist stürzt ab" durch. Müller hat den Soundtrack für die ARD-Produktion beigesteue­rt.
FLORIAN BECK, BASIS BERLIN / MATTHIAS MÜLLER Der Eichsfelde­r Komponist und Musikprodz­ent Matthias Müller (rechts) geht hier mit Regisseur Jan Peter die Endprodukt­ion für „Lubi - ein Polizist stürzt ab" durch. Müller hat den Soundtrack für die ARD-Produktion beigesteue­rt.
 ?? JÜRGEN REHBERG / SWR/FRISBEEFIL­MS ?? Rolf L., den alle Welt nur ‚Lubi‘ nennt, ist Polizist und bekämpft Verbrecher – bis er selbst einer wird
JÜRGEN REHBERG / SWR/FRISBEEFIL­MS Rolf L., den alle Welt nur ‚Lubi‘ nennt, ist Polizist und bekämpft Verbrecher – bis er selbst einer wird

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