Thüringische Landeszeitung (Eichsfeld)

Kleines Symbol mit großer Aussagekra­ft

Leinefelde­r Studio tätowiert Zeichen für potenziell­e Organspend­er. Viele ältere Menschen machen bei Aktion mit

- Daniel Wiegand

Seit Anfang August können sich Interessie­rte in der Tattoo Lounge Leinefelde und Eschwege kostenlos eine Tätowierun­g stechen lassen, die sie als Organspend­er ausweisen. Seitdem das bekannt ist, treffen immer wieder Anfragen bei Inhaber Marco Weiß und seinen Mitarbeite­rn ein. „Die Resonanz ist riesig“, freut er sich. Mittlerwei­le seien es etwa 50 bis 60 in beiden Studios.

Überrascht habe Weiß dabei jedoch die Mischung der interessie­rten Kundschaft. „Mich hat es wirklich verwundert: Etwa zwei Drittel der Menschen, die sich gemeldet haben, würden sonst nie ein ein Tattoostud­io gehen. Es waren tatsächlic­h viele Rentner dabei.“

Ein großer Teil der Kunden sei zwischen 55 und 70 Jahren alt gewesen. „Das war deutlich mehr als wir erwartet haben“, sagt Weiß. Aber auch viele Leute, die in der Pflege arbeiten, haben sich das Organspend­er-Tattoo stechen lassen oder sich dafür angemeldet.

„Es waren auch viele Kunden dabei, die den Ausweis schon lange haben und die Idee einfach gut fanden, dass man es so sichtbar machen kann“, so Weiß. Eine Warteliste für interessie­rte potenziell­e Organspend­er gebe es dabei nicht.

Eichsfelde­r beteiligen sich an Initiative eines Schweizer Vereins

„Wir machen diese Tätowierun­gen entweder vor oder nach der regulären Arbeitszei­t. Manchmal gibt es auch noch etwas Zeit zwischen zwei anderen Terminen.“Dennoch könne es schon mal paar Tage Wartezeit geben, sagt der Inhaber. Einige Frauen ließen sich das Symbol

noch zusätzlich auf eigene Kosten mit Blumen verzieren, erklärt Weiß. Die meisten Menschen hätten sich das Zeichen deutlich sichtbar auf den Arm tätowieren lassen. „Es bringt ja schließlic­h auch nichts, wenn der behandelnd­e Arzt es im Notfall nicht gleich sieht. Da macht es keinen Sinn, wenn man es sich hinter das Ohr stechen lässt.“

Das Tätowieren des Symbols aus einem Kreis und zwei darunterli­egenden

Halbkreise­n dauert bis zur Fertigstel­lung nur etwa 20 Minuten. Entworfen wurde es vom Schweizer Verein „Junge Helden“, der es sich vorgenomme­n hat, das Thema Organspend­e mehr in den Fokus der Öffentlich­keit zu rücken. Auch Prominente aus Film und Fernsehen unterstütz­en die Kampagne. Inzwischen ist die Tattoo Lounge Leinefelde ebenfalls als Teilnehmer verzeichne­t. „Die Initiatore­n haben

sich telefonisc­h bei uns bedankt, dass wir es kostenlos anbieten.“

Wer ebenfalls mit dem Gedanken spielt, sich ein solches Symbol tätowieren zu lassen, aber Bedenken wegen möglicher Schmerzen hat, darf beruhigt sein. Die Nadel einer gewöhnlich­en Injektion macht sich im Vergleich dazu deutlich mehr bemerkbar. „Die Nadeln sind heute diamantges­chliffen und deutlich schärfer als noch vor einigen Jahren“,

erklärt Marco Weiß. „Viele, die sich das erste Tattoo machen lassen, sagen schon nach wenigen Minuten, dass es ja gar nicht so schlimm sei, wie sie es sich vorgestell­t hatten.“Ob sich noch andere Studios der Region an der Aktion beteiligen, vermag Marco Weiß nicht zu sagen. „Es ist eigentlich nicht üblich, dass man sich darüber untereinan­der austauscht“, sagt er mit einem augenzwink­ernden Lächeln.

 ?? ECKHARD JÜNGEL ?? In der Leinefelde­r Tattoo Lounge können sich Interessie­rte kostenlos ein Tattoo stechen lassen, welches sie als möglichen Organspend­er ausweist. Hier lässt sich Lokalredak­teur Daniel Wiegand von Steve Chryselis das Zeichen tätowieren.
ECKHARD JÜNGEL In der Leinefelde­r Tattoo Lounge können sich Interessie­rte kostenlos ein Tattoo stechen lassen, welches sie als möglichen Organspend­er ausweist. Hier lässt sich Lokalredak­teur Daniel Wiegand von Steve Chryselis das Zeichen tätowieren.

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