Thüringische Landeszeitung (Eichsfeld)

Eichsfelde­r helfen einer Schule in Sihor

Indienpate­nschaftskr­eis versucht seit 28 Jahren, Not für die Menschen in einem Bundesstaa­t zu lindern

- Silvana Tismer

Kirchworbi­s. Wenn der Indienpate­nschaftskr­eis zusammenko­mmt, dann ist das immer etwas Besonderes. Jetzt haben sich die Mitglieder zu ihrem diesjährig­en Sommerfest getroffen. Dabei geht es aber nicht nur ums Feiern, sondern vielmehr darum, Bilanz zu ziehen und sich neue Aufgaben zu stellen.

Reinhard Salzmann ist der Vorsitzend­e der Vereinigun­g. Natürlich gehört zu dem christlich geprägten Verein dazu, dass ein Fest nicht ohne einen feierliche­n Gottesdien­st auskommen kann. Salzmann konnte Mitglieder des Kreises aus dem gesamten Eichsfeld, aber aus Nordhausen aus Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenbur­g begrüßen.

Die Tagestempe­raturen sind enorm angestiege­n und erreichen im März bis Mai um 46 Grad Celsius. Darunter leiden insbesonde­re die Ärmsten der Armen. Reinhard Salzmann über die Verschärfu­ng der klimatisch­en Lage im indischen Bundesstaa­t Gujarat

Gemeinsam feierten sie mit Father Stanly Joseph aus Indien, Pfarrer Hubert Müller vom Kerbschen Berg und dem Kooperator der Pfarrei Worbis, Father Stanly Etwuga, dessen Wurzeln in Nigeria liegen. „Familie Kramer aus Breitenwor­bis hat uns noch mit einem Lied über den Patenschaf­tskreis überrascht“, zeigt sich Salzmann gerührt. Das habe nicht nur die Gottesdien­stteilnehm­er überrascht, sondern die Messe bereichert.

Gesellscha­ftliche und klimatisch­e Lage in Indien hat sich verschärft

Danach trafen sich alle zum gemeinsame­n Abendessen und Austausch über den aktuellen Stand in den Projekten in Indien und in Äthiopien. Der Kreis unterstütz­t seit 28 Jahren die Schule in Sihor im Bundesstaa­t Gujarat im Nordwesten Indiens. Father Stanly Joseph berichtete über die aktuelle Situation in der Schule, aber auch im Land und die Folgen des Klimawande­ls für die Menschen vor Ort. „Die Schule kümmert sich schwerpunk­tmäßig um die Armen und die unteren

Kasten und kann durch die Internate auch gute Schulbildu­ng denen anbieten, die sonst keine Chance haben“, weiß Reinhard Salzmann. Die indische Gesellscha­ft habe sich in den letzten Jahren sehr verändert und ist in den zurücklieg­enden 20 Jahren um 200 bis 300 Millionen Menschen gewachsen. „Indien strebt eine führende Rolle in der Weltpoliti­k an und fördert einen Hindunatio­nalismus, hat aber große Probleme und Spannungen zwischen den einzelnen Religionsg­emeinschaf­ten und eine immer größer werdende Zahl an von Armut betroffene­n Bürgern.“

Die Situation der Christen, die bereits seit 60 nach Christi in Indien ansässig sind, werde immer schwierige­r. „Die Rechte der Minderheit­en sind im Allgemeine­n stark beeinträch­tigt“,

sagt der Kirchworbi­ser. „Durch den Klimawande­l ausgelöst, nehmen Naturkatas­trophen wie Dürren und Überschwem­mungen immer mehr zu.“Die Tagestempe­raturen seien enorm angestiege­n und erreichen im März bis Mai bereits um die 46 Grad Celsius. „Darunter leiden insbesonde­re die Ärmsten der Armen.“

Unabhängig davon bemühe sich die katholisch­e Kirche intensiv um Hilfe und Unterstütz­ung. In die Schule in Sihor, die vom Patenschaf­tskreis unterstütz­t wird, gehen aktuell über 700 Schüler. In den Internaten können rund 350 Kinder ein zu Hause auf Zeit erfahren. Die kleine Stadt zählt um die 60.000 Einwohner. Father Stanly Joseph bat die Paten, auch weiter für die Kinder und die Schule Geld zu

spenden, denn ohne die finanziell­e Unterstütz­ung durch den Patenschaf­tskreis wäre ein Schulbesuc­h für viele Kinder und Jugendlich­e nicht möglich.

Eichsfelde­r Projekte in Äthiopien durch Kriegsfolg­en beeinträch­tigt

Die Situation in den Projekten in Äthiopien wiederum sei noch immer von den Folgen des Krieges 2020 bis 2022 beeinträch­tigt, muss Reinhard Salzmann konstatier­en. Die eritreisch­e Armee halte noch immer Teile Tigrays besetzt, und auch amharische Milizen würden einzelne Gebiete bedrohen. „Unsere Schule in Aire konnte wieder öffnen, aber auf die Öffnung des Kindergart­ens in Alamata warten wir noch immer.“Als Überraschu­ngsgast sorgte am Abend der Chef des

Worbiser Edeka-Marktes, Andre Glahn, für Freude unter den Paten. Er hatte einen Scheck über 730 Euro dabei. Das Geld wurde als Spende im Getränkema­rkt gesammelt. Mit dieser Summe könne man in den beiden von Armut geprägten Ländern viel anfangen, hieß es.

Jetzt blickt der Indienpate­nschaftskr­eis auf zwei Ereignisse voraus, die sich nicht ganz so weit wie in Indien oder Äthiopien abspielen. Nächstes Jahr hoffen die Kirchworbi­ser auf einen Besuch von Bischof Tesfaselas­si aus Äthiopien, der zum Katholiken­tag nach Erfurt kommen wird. Und ein Jahr später, 2025, feiert der Indienpate­nschaftskr­eis sein 30-jähriges Bestehen. „Dann soll dieses Jubiläum auch besonders gefeiert werden“, sagt Reinhard Salzmann.

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ECKHARD JÜNGEL Reinhard Salzmann vom Indien-Patenschaf­tskreis Kirchworbi­s weiß, wie es im Bundesstaa­t Gujarat und in Äthiopien zugeht.
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REINHARD SALZMANN (2) Beim Treffen des Indienpate­nschaftskr­eises wurde auch ein Gottesdien­st gefeiert.
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Wie es um die Projekte in Indien und Äthiopien steht, das erfuhren die Paten beim Treffen aus erster Hand.

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