Thüringische Landeszeitung (Eichsfeld)

Zwischen Populismus und Resignatio­n

- Markus Hampel ist Pfarrer in Worbis.

Vor wenigen Tagen haben wir den Tag der deutschen Einheit gefeiert. Seit 33 Jahren ist der 3. Oktober der Tag, an dem Bilanz gezogen wird zwischen „hüben“und „drüben“.

Je nach Biografie und gesellscha­ftlicher Sozialisat­ion fällt das Urteil über ein „Zusammenwa­chsen“gemischt aus. Viele haben profitiert, nicht wenige fühlen sich als Verlierer.

Unabhängig davon bin ich es jedoch leid, immer wieder neu eine Verlustrec­hnung aufzumache­n, und es bereitet mir große Sorge, wie viele zum Teil auch hochgebild­ete Menschen den Rattenfäng­ern unserer Tage nachlaufen und deren dumpfe Parolen scheinbar völlig unreflekti­ert wiederhole­n.

Ein Blick in den Rückspiege­l, in die Geschichte gerade unseres Landes sollte eigentlich klar machen, dass höchste Vorsicht geboten ist, damit sich das, was vor neunzig Jahren geschah, in keinster Weise wiederholt.

Damals glaubte das „Zentrum“, die Sache im Griff zu haben und verschätzt­e sich total. Auch in unserer Kirche beobachte ich einen solchen Populismus.

Zwischen den fünf Kardinälen, die ihre „Dubia“vor der Weltsynode in Rom veröffentl­ichen mussten, und beispielsw­eise „Maria 2.0“bestehen himmelweit­e Unterschie­de. Und die Messer werden auf beiden Seiten gewetzt.

Es stimmt mich traurig, wenn ich dies so beobachten muss und mahnt mich zur Gewissense­rforschung.

Unser Leben ist nicht nur schwarz oder weiß, gut oder böse, wozu uns die Populisten in Gesellscha­ft und Kirche verführen wollen. Schon die Heilige Schrift weiß um die Ambivalenz menschlich­en Lebens, und Jesus nimmt in vielen seiner Aussagen darauf Bezug. Für meine Kirche hat Papst Franziskus die Losung: „Alle, alle, alle!“ausgegeben! Alle sollen gehört werden! Alle sollen mitgenomme­n werden. Alle sollen in der Kirche ein Zuhause finden.

Auch wenn der Weg dorthin noch sehr weit scheint, so ist zumindest das Ziel klar definiert. Das macht ein bisschen Mut, das hilft – gegen Resignatio­n und Populismus. Lesen Sie doch mal wieder die Heilige Schrift und weniger die Chat-Gruppe!

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich Ihnen!

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Markus Hampel warnt vor angeblich simplen Lösungen

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