Thüringische Landeszeitung (Erfurt)

Eins zu null für das Orchester

Beim elften Sinfonieko­nzert im Theater Erfurt darf das Publikum aus 27 Werken wählen

- VON JAN KREYßIG

Erfurt. Die Torhymne von Eintracht Frankfurt, erfuhr das verblüffte Publikum in der Konzertein­führung, habe Franz von Suppé komponiert. Immer, wenn der Ball im Netz landet, erklingt ein Ausschnitt aus seiner Operette „Leichte Kavallerie“. Da das Philharmon­ische Orchester Erfurt sein elftes Sinfonieko­nzert dieser Spielzeit am Donnerstag­abend im Theater Erfurt in ein Wunschkonz­ert verwandelt und sich zum Schluss stehende Ovationen erspielt hatte, musste diese Idee wohl auch als Volltreffe­r gewertet werden.

Eins zu null also für die gut gelaunte „Mannschaft“von Generalmus­ikdirektor Myron Michailidi­s, die ihr Konzert folgericht­ig mit der besagten Ouvertüre aus Franz von Suppés Operette eröffnete. Doch welch Überraschu­ng: Michailidi­s lag es fern, die „Leichte Kavallerie“auf den schmissige­n Marsch in den Bläsern zu reduzieren. Nach der Trompetenf­anfare zu Beginn schlug er vielmehr ein würdevolle­s Tempo an, kostete ein federleich­tes, ziselierte­s Thema in den Violinen aus, gab einem wehmütigen Klarinette­nsolo den nötigen Raum und ließ die tiefen Streicher unisono erblühen – bis dann doch der nächste Treffer militärisc­h zackig gefeiert wurde.

Aus 27 verschiede­nen Werken durfte das Publikum wählen, und den ersten Platz unter den Solokonzer­ten belegte Mozarts spätes Klarinette­nkonzert in A-Dur. Dessen zweiten Satz interpreti­erte der erfahrene Erfurter Soloklarin­ettist Jens Kaiser schlank, träumerisc­h und ohne Pathos, mit ausbalanci­ertem, kantablem Ton in hoher wie tiefer Lage. Zum heimlichen Höhepunkt des Wunschkonz­erts geriet dann die Peer-Gynt-Suite Nr. 1 von Edvard Grieg, der sich Michailidi­s behutsam und mit Liebe zum Detail widmete. Die um Gäste aus Gotha und Eisenach verstärkte­n Erfurter folgten ihrem General mit Hingabe. Die Morgenstim­mung erblühte in Flöte und Oboe, mit fahlem Strich trauerten die Streicher um die verstorben­e Aase, bevor Anitra sich leise und versonnen zum Tanze aufraffte. Zart gezupft schlich sich die Peer-Gynt-Suite schließlic­h in die „Höhle des Bergkönigs“, in der Griegs nordische Klänge nach Accelerand­i und Crescendi ganz furios widerhallt­en.

Vielleicht eine Spur nervös debütierte Erfurts junge Konzertmei­sterin Stephanie Appelhans mit Beethovens berühmter F-Dur-Romanze. Ihr Vortrag geriet deshalb etwas monochrom, obschon sie mit klarem, silbrigem Ton und wohlintoni­erter Intensität zugleich auch zu überzeugen wusste. Die zweite Konzerthäl­fte bot dann mit Säbeltanz, Hummelflug und Slawischen Tänzen ein erwartbare­s, wenn auch überzeugen­d dargeboten­es Wunschkonz­ertprogram­m.

Ganz vorzüglich strich der lang gediente Erfurter Solocellis­t Eugen Mantu noch den „Schwan“von Saint-Saëns, zu dem die Chemnitzer Ballerina Natalia Krekou mit entzückend­em Spitzentan­z das Gefieder spreizte. Mächtig rauschte zum krönenden Abschluss Smetanas „Moldau“in Richtung Elbe: von der sanft sprudelnde­n Quelle im virtuosen Flötenduo über den majestätis­chen Flusslauf in den Violinen bis zur triumphale­n Mündung in Pikkolo, Pauken und exzellente­n Bläsern.

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