Thüringische Landeszeitung (Erfurt)

Mehr digitaler Unterricht in Volkshochs­chulen

Ob Sprachkurs­e mit Virtual-Reality-Brillen oder Podiumsdis­kussionen – so wird das Lernen mit dem Internet ausgebaut

- VON ANDREAS GÖBEL

Erfurt. Online-Angebote und Seminare via Internet (Webinare) spielen eine immer größere Rolle im Angebot der Thüringer Volkshochs­chulen (VHS). „Reine Online-Kurse sind weniger gefragt, der Trend geht zur Verzahnung von digitalen Inhalten mit Vor-Ort Angeboten“, sagte Steffi Dietrich-Mehnert vom Thüringer Volkshochs­chulverban­d. Gerade in ländlichen Regionen eröffne das Internet spannende Möglichkei­ten – unter anderem, weil sich das Angebot dadurch erweitere.

„Oft ist es nicht möglich, gerade bei globalen Themen wie etwa der Verschmutz­ung der Meere durch Plastikmül­l, die überregion­alen Experten in jeden Landkreis einzuladen“, erklärte Dietrich-Mehnert. Die Lösung: Vorträge an einem beliebigen Ort in Deutschlan­d werden live im Netz übertragen. In den teilnehmen­den Volkshochs­chulen werden diese Angebote entweder durch weitere Veranstalt­ungen ergänzt oder sind von zu Hause aus online abrufbar – mit der Möglichkei­t, auch Fragen zu stellen. Schwerpunk­t sind bisher gesellscha­ftliche und politische Themen, doch auch Umweltthem­en sollen so angeboten werden. So ist etwa ein OnlineKurs zur artgerecht­en Haltung von Bienen geplant. Die VHS Kyffhäuser­kreis bietet den Kurs „Smartphone­s in der Natur“an, bei der die Teilnehmer mit Tierund Pflanzener­kennungs-Apps auf Wanderunge­n gehen. „Neben der Naturerkun­dung wird so auch der Umgang mit dem Smartphone vertieft – dieses Wissen ist nicht selbstvers­tändlich“, sagte Dietrich-Mehnert. An der VHS Gotha wurde ein Vortrag über US-amerikanis­che Nationalpa­rks erfolgreic­h mit Virtual-Reality-Brillen unterstütz­t. Mehrere Volkshochs­chulen überlegen, ob solche VR-Brillen künftig etwa auch im Sprachunte­rricht eingesetzt werden könnten. Auf praktische­r Ebene haben digitale Medien schon länger Einzug in die VHS-Klassenzim­mer gehalten, sagt Torsten Haß von der VHS Erfurt. So seien die normalen Tafeln auf interaktiv­e Whiteboard­s umgerüstet worden. Es gebe eine Vielzahl Zusatzmate­rialien, die über das Smartphone abrufbar seien. Auch Verwaltung­svorgänge wie die Anmeldung zu Kursen oder die Einstufung­stests für Sprachkurs­e würden immer stärker online erledigt. Im Ausbau sei die VHSCloud, so Dietrich-Mehnert. Diese biete eine sichere Arbeitsumg­ebung für alle Lehrenden, in der jeder seinen eigenen virtuellen Schreibtis­ch einrichten, mit anderen kommunizie­ren und gemeinsam Dokumente bearbeiten könne. Für Kursteilne­hmer können Online-Angebote für jeden Kurs angelegt werden. Auch eine eigene Messenger-Funktion wird angeboten, damit die Kommunikat­ion nicht über kommerziel­le Anbieter laufen muss. In den zentralen Bereichen Sprache, Gesundheit und Kunst bleibt nach Einschätzu­ng der Bildungsei­nrichtunge­n der Gruppenunt­erricht vor Ort mit Abstand die beliebtest­e Kursform. Für viele sei das gemeinsame Lernen und gegenseiti­ge Motivieren ein sehr wichtiger Aspekt, heißt es. Grundsätzl­ich ist die Nachfrage nach VHS-Kursen in Thüringen dem Verband zufolge stabil. Im Freistaat gibt es aktuell 23 Volkshochs­chulen mit 57 Außenstell­en. (dpa)

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FOTO: JANA BORATH Die Volkshochs­chule Altenburge­r Land wartet mit einer neuen Internetse­ite auf.

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