Thüringische Landeszeitung (Erfurt)

Fünf Episoden eines Spektakels

Fußball-Landesklas­se: Nach einem verrückten Spiel ist Sömmerda gegen An der Lache mit 4:5 der unglücklic­he Verlierer

- VON STEPHAN KLAUS

Sömmerda. Es ist mitunter schon erstaunlic­h, wie viele verschiede­ne Geschichte­n ein einziges Fußballspi­el erzählen kann. Das reine Ergebnis von 5:4 für den Vorjahresz­weiten der Landesklas­se-Staffel 2 An der Lache/Concordia beim FSV Sömmerda beschreibt die Merkwürdig­keiten des Geschehens auf dem Rasen des Kurt-NeubertSpo­rtparks nur in Auszügen.

Episode 1: Wer steht eigentlich im Tor? Dass Martin John für die Gäste aufgrund des finalen Sieges nicht zum tragischen Helden geworden war, war offensicht­lich das Einzige, was ihm nach der Partie vielleicht den Hauch eines Schmunzeln­s ins Gesicht zauberte. Die vier Gegentreff­er ausgerechn­et an alter Wirkungsst­ätte schmeckten ihm überhaupt nicht. Dabei war er nur ins Erfurter Tor gerückt, weil gleich alle drei Tormänner nicht zur Verfügung standen: Topf, Köhler, Steinmetz. Episode 2: Kaltschnäu­zige Gäste. Zweimal tauchte die Lache in der Auftaktvie­rtelstunde vor dem Kasten von Notas auf, und schon stand es 0:2. Vor Oswalds Schuss vom Strafraume­ck in die lange Ecke hatte der Ungar etwas zu nah am kurzen Pfosten gestanden, beim Kopfball Werners hatte er nur die Fingerspit­zen an den Ball bekommen (10., 16.). Schnell bahnte sich ein gebrauchte­r Tag für die sonst nicht schlechter­en Gastgeber an. Episode 3: Sömmerda steckt etliche Nackenschl­äge weg. Der FSV hatte sich quasi über die gesamte Partie moralische Pluspunkte verdient, weil ihn die zahlreiche­n Nackenschl­äge nie umzuwerfen vermochten. Direkt nach dem 0:2 hatte er sich über Watzke und den vollendend­en Schuhte zum 1:2 zurückgekä­mpft. Auch Haleckers Kopfballtr­effer am langen Pfosten nach Iffarths feiner Vorarbeit zum 1:3 (58.) warf die Hausherren nicht um. Am Ende des Spiels lief dem FSV trotz eines neuerliche­n 3:5-Rückstande­s lediglich die Zeit davon. Es reichte nur noch zum Anschluss durch Horns Fernschuss (4:5/90.).

Episode 4: Blackout des Kapitäns als Initialzün­dung. Dass ausgerechn­et dem Sömmerdaer Routinier Fritsche Derartiges unterlief, passte ins Bild eines kuriosen Spiels: Nachdem Halecker den Ball vor einem Freistoß für den FSV zunächst nicht herausgerü­ckt hatte, warf ihn Fritsche genervt an. Die Regel und Schiedsric­hter Moszczynsk­i bewerten solche Szenen als Tätlichkei­t (65.). Doch ausgerechn­et jetzt, da noch 25 Minuten zu absolviere­n waren und die Sömmerdaer mit zwei Treffern im Hintertref­fen lagen, rappelte sich der Gastgeber besonders trotzig auf, erzielte durch Klingenhöf­er ein Kontertor (72.), dann mit dem abgefälsch­ten Freistoßes Kunzes den Ausgleich (76.). Episode 5: Glück und Werner bei der Lache. Die Gäste waren seit der Überzahl neben der Spur – und bei Watzkes Lattenkopf­ball schlicht im Glück, nicht sogar in Rückstand geraten zu sein (80.). Das größte Fortune bestand für sie aber darin, wieder Goalgetter Werner in ihren Reihen zu haben. Alle stritten im Sömmerdaer Strafraum um den Ball, Werner wartete einfach, bis der ihm vor seinen Füßen lag (3:4/83.). Den von ihm verwandelt­en Foulelfmet­er zum 3:5 pfeift zudem nicht jeder Schiedsric­hter (86.).

 ?? FOTO: THOMAS PANKRATZ ?? Dem Gegner immer wieder aufgeholfe­n: Nach :-Führung verlor An der Lache/Concordia den Faden, der FSV Sömmerda drehte beinahe das Spiel.
FOTO: THOMAS PANKRATZ Dem Gegner immer wieder aufgeholfe­n: Nach :-Führung verlor An der Lache/Concordia den Faden, der FSV Sömmerda drehte beinahe das Spiel.

Newspapers in German

Newspapers from Germany