Thüringische Landeszeitung (Erfurt)

Kater kontra Gockel – gelungene Premiere bei den Domstufens­pielen für Kinder

Am Samstag wurde „Pettersson und Findus und der Hahn im Korb“als Kinderoper erstaufgef­ührt. Ganz stark: Leonor Amaral und Julian Freibott

- VON MICHAEL KELLER

Erfurt. Ein intrigante­s Kätzchen, ein selbstverl­iebter Gockel, drei verliebte Hühner und mittendrin ein in sich selbst ruhender Waldschrat – das sind im wesentlich­en die handelnden Akteure des herrlich witzigen Stückes „Pettersson und Findus und der Hahn im Korb“, das am Samstagnac­hmittag Premiere bei den Domstufenf­estspielen für Kinder hatte. Und das am Ende viel Beifall bekam, weil sich das Publikum 70 Minuten lang wirklich sehr amüsiert hatte. Im Mittelpunk­t des Geschehens: ein Hahn, der eigentlich in den Suppentopf wandern soll, aber von Pettersson vor dem rasenden Gustavsson gerettet wird. Sehr zum Unmut von Kater Findus, dem das Gekrähe des sich gockelhaft aufpluster­nden Federviehs gehörig auf die Nerven geht, sodass er eine List ersinnt, um mit einer Lüge den Schreihhal­s vom Hof zu bekommen und damit wieder jene Ruhe herzustell­en, die man als Katze halt so liebt. Was aber so gar nicht im Sinne der Hühner Prillan, Stina-Fina und Henriette ist, die froh waren, endlich das amouröse Gegenstück aus der Hühnerwelt im Stall zu haben.

Es entspinnt sich eine turbulente Handlung vor dem mit leibevolle­n Details versehenen Bühnenbild. Eine Handlung, die von ausgesproc­hen sing- und spielstark­en Akteuren getragen wird. Allen voran der dandyhafte Caruso, der sich pausenlos eitel spreizt. Wunderbar gespielt und gesungen von Julian Freibott. Der in der grazilen Portugiesi­n Leonor Amaral, die dem „katzigsten, schmusigst­en, weißesten, clownigste­n, mumpsigste­n, schlumpfig­sten Kater Findus“mit ausdruckss­tarker Mimik und Gestik ein Gesicht gibt, ein bezaubernd­es Gegenstück findet. Wie die zwei sich fetzen, mit Worten und Gesang, das hat schon etwas Begeistern­des. Und mittendrin, quasi als „Turm in der Schlacht“Jörn Schümann als Pettersson, der der Figur aus Sven Nordqvists Kinderbüch­ern täuschend ähnlich sieht. Nicht zu vergessen auch die drei aufgeregte­n Hühner, gespielt von Katja Bildt, Maria -Elisabeth Wey und Nicole Nudelmann, die natürlich nichts unversucht lassen, um ihren Hahn im Korb vor dem Kochtopf Gustavsson­s und vor dem listenreic­hen Kater Findus, dem er ein Dorn im Auge ist, zu schützen. Am Ende haben sich alle lieb, Caruso ist zwar geflüchtet, hat aber seinem hahnentypi­schen Kerngeschä­ft gemäß den Hühnern je ein Ei ins Nest gezaubert. Und der reumütige Findus sieht ein, dass man mit einer Lüge nicht gut lebt.

Die Eltern-Kind- und Großeltern-Enkel-Gespanne, die zur Premiere gekommen waren, zollten dem Ensemble viel Applaus, der auch einem alten Bekannten – Fernando Blumenthal – galt, der die Kinderoper inszeniert hatte. Nicht zu vergessen die vielen Leute hinter den Kulissen, die dafür sorgen, dass die Domstufenf­estspiele für Kinder zum Erlebnis für ihr Publikum von morgen werden. Die Reaktionen reichten von „Toll gemacht!“bis „echt süß“. Dem muss man eigentlich nicht mehr viel hinzufügen. Bis zum 31. Oktober gibt es insgesamt zwölf Vorstellun­gen, die nächste am Mittwoch um 10 Uhr. Das himmelblau­e Fahrrad aus der Kinderoper „Pettersson und Findus und der Hahn im Korb“, mit dem der alte Pettersson zu Beginn der Oper auf seinen Hof rollt, wird übrigens am Samstag, dem 14. September, beim Tag der offenen Tür im Theater Erfurt versteiger­t. Der Erlös kommt der Kinder und Jugendzufl­ucht Schlupfwin­kel (Perspektiv e.V.) zugute. Das 28er-Herrenrad aus den 70er-Jahren war dem Theater Erfurt für die Produktion der Kinderoper vom Erfurter Radshop Lutzke und dem Raddesigne­r „Uniq Biqe“gesponsert und zuvor „aufgemöbel­t“worden. Bei der Kostüm- und Requisiten­versteiger­ung am 14. September soll es nun einen neuen Besitzer finden. Weitere Infos zum Tag der Offenen Tür finden sich unter www.theater-erfurt.de/ Spielzeita­uftakt

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FOTO: FRANK KARMEYER Das Duell: Kater Findus und Caruso, der Hahn im Korb. Beide hinreißend gespielt von Leonor Amaral und Julian Freibott.

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