Thüringische Landeszeitung (Erfurt)

Plattenbau der Zukunft

- Holger Wetzel

Erfurt. Die Körnerstra­ße 9/10 ist ein unscheinba­res Wohnhaus am Erfurter Herrenberg. Der 1981 errichtete Plattenbau hat elf Geschosse, 161 Wohnungen und einen gehörigen Sanierungs­bedarf.

Die Sanierung soll tatsächlic­h bald beginnen, allerdings nicht auf herkömmlic­he Art: Die Adresse soll künftig deutschlan­dweit dafür stehen, dass Plattenbau­ten eine Zukunft haben.

„Unser Ziel ist es, die Körnerstra­ße 9/10 zu einem architekto­nischen Meisterwer­k zu machen, das den Spagat zwischen Vergangenh­eit und Zukunft schafft“, sagt die Kowo-Sprecherin Cornelia Schönherr. „Die Modernisie­rung steht nicht nur für äußerliche Veränderun­gen, sondern repräsenti­ert auch einen entscheide­nden Schritt in Richtung nachhaltig­es, zeitgemäße­s, barrierefr­eies Wohnen.“

Möglich ist das, weil das KowoVorhab­en in das vom Bund geförderte Multi-Millionen-Modellproj­ekt Erfurt Südost aufgenomme­n wurde. Zwei Millionen Euro bekommt die Kowo dafür, über die Sanierung hinaus ein „wegweisend­es und modernes Gebäude“zu erschaffen, das als „Leuchtturm für

Erfurt“und „Vorzeigeob­jekt für die Kowo“fungieren soll, sagt Cornelia Schönherr. Über weitere Fördergeld­er werde verhandelt. Die Kowo geht davon aus, im Rahmen ihres Investitio­nsprogramm­s

insgesamt einen zweistelli­gen Millionenb­etrag in das Gebäude zu stecken. Die genaue Ausgestalt­ung steht noch nicht fest. Ein Planungswe­ttbewerb für die Außengesta­ltung des Gebäudes ergab zwei zweite Preise. Bevor sich die Kowo auf einen Entwurf festlegt, hat das kommunale Wohnungsun­ternehmen beide Büros beauftragt, die Entwürfe nach bestimmten Kriterien zu überarbeit­en.

Gesetzt seien aber auf jeden Fall eine Fassadenbe­grünung und Laubengäng­e, bestätigt Cornelia Schönherr. Die Grundidee hinter der Förderung vom Bund bezieht sich auf die Klimaanpas­sung.

Innen werde das Haus ebenfalls gründlich verändert, sagt Schönherr. Geplant sind unter anderem neue, moderne Wohnungszu­schnitte und die Herstellun­g einer weitgehend­en Barrierefr­eiheit.

Der Fahrstuhl soll nach der Sanierung in jeder Etage halten und nicht, wie bisher, nur in der dritten, sechsten und neunten. „Wir setzen auch auf umweltfreu­ndliche Materialie­n und energieeff­iziente Technologi­en, um die ökologisch­e Bilanz des Gebäudes zu verbessern und die Betriebsko­sten zu senken“, berichtet Cornelia Schönherr. Dazu könnten etwa Photovolta­ik-Anlagen oder Wärmepumpe­n gehören.

Die Arbeiten sollen im nächsten Jahr beginnen und zumindest innen auch 2025 abgeschlos­sen werden. Im Außenberei­ch sind im Folgejahr noch Arbeiten nötig.

Aktuell sind 130 der 161 Wohnungen belegt. Die Mieter wurden bereits in der Vorwoche über die bevorstehe­nde Modernisie­rung informiert. Ab März werde zudem jeder Mieter persönlich von Kowo-Vertretern besucht, um individuel­le Lösungen für die Bauzeit und das Umzugsmana­gement zu besprechen.

Wie sich der Mietpreis entwickeln soll

„Unser Ziel ist es, die Mieter zu behalten“, betont die Kowo-Sprecherin. „Durch eine sorgfältig­e Planung und Abstimmung mit unseren Mietern möchten wir sicherstel­len, dass die Veränderun­gen nicht nur ästhetisch ansprechen­d sind, sondern auch den individuel­len Anforderun­gen und Wünschen gerecht werden.“

Der Mietpreis für Bestandsmi­eter werde nach der Modernisie­rung um maximal zwei Euro pro Quadratmet­er steigen. Im Gegenzug verspricht Cornelia Schönherr nicht nur eine deutliche Steigerung der Lebensqual­ität, sondern auch Einsparung­en insbesonde­re bei den Heizkosten.

Das künftige Nutzungsko­nzept sieht auch eine Tagespfleg­e der Awo vor. Erwogen werde noch, gemeinsam mit der Awo Angebote für betreutes Wohnen im Haus zu unterbreit­en, was dem Wunsch mehrerer Mieter entspreche.

Die Kowo will einen gut 40 Jahre alten Elfgeschos­ser am Erfurter Herrenberg in einen Leuchtturm moderner Wohnarchit­ektur verwandeln

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