Thüringische Landeszeitung (Jena)

Keine Privatsach­e

-

„Für die Außenwelt werden wir unsichtbar.“Ein Satz, den man oft hört, wenn man mit Menschen spricht, die zu Hause Angehörige pflegen. Was jahrelange Pflege abverlange­n kann, muss man niemandem erklären. Viele Angehörige gehen dabei über ihre Grenzen, psychisch, physisch und oft finanziell.

Natürlich tun die allermeist­en dies nicht, weil sie müssen, sondern weil sie es wollen. Ein zutiefst menschlich­er Dienst an Eltern oder Großeltern. Denn wer wünscht sich das nicht: Im Alter und in Krankheit in den eigenen vier Wänden bleiben zu können, umgeben von vertrauten Menschen.

Aber es ist ein Skandal, dass Staat und Pflegesyst­eme in weiten Teilen noch immer so tun, als handele es sich dabei um eine Privatange­legenheit. Dass Familien allein gelassen werden, weil Hilfen fehlen. Dass nicht wenige Pflegende, mehrheitli­ch Frauen, sehenden Auges in Altersarmu­t geschickt werden, weil sie beruflich kürzertret­en müssen.

Häusliche Pflege ist schon allein deshalb keine reine Familienfr­age, weil ohne sie das Pflegesyst­em völlig kollabiere­n würde.

Pflegende Angehörige gehen selten auf Barrikaden, dazu fehlt ihnen die Kraft. Sie brauchen eine Lobby und eine weitsichti­ge Politik. Dort ist inzwischen angekommen, dass häusliche Pflege kein „weiches“Thema ist. Aber Entscheidu­ngen fallen zu langsam, sind zu zögerlich, wertvolle Zeit verrinnt. Das muss sich dringend ändern. Denn die Pflege von Angehörige­n sind keine Ausnahmefä­lle. Mit Blick auf die Demografie hat Sigrun Fuchs vom Verein „Wir pflegen“recht, wenn sie darauf verweist, dass sie zunehmend ein Regelfall in unserem Lebensplan sein wird. Wir verdrängen es nur zu gern.

 ?? ?? Elena Rauch über die Situation pflegender Angehörige­r
Elena Rauch über die Situation pflegender Angehörige­r

Newspapers in German

Newspapers from Germany