Thüringische Landeszeitung (Jena)

Masken, Tests – was jetzt kommt

Lockdowns schließen die Ampel-Spitzen nach der Corona-Evaluierun­g aus

- Julia Emmrich

Vorsichtig­er Optimismus für die kommenden Wochen, aber massive Sorgen mit Blick auf den Herbst: Wegen der beginnende­n Sommerferi­en könnte sich die aktuelle Sommerwell­e selbst begrenzen, schreibt Gesundheit­sminister Karl Lauterbach auf Twitter. Nach dem Sommer aber müsse das Land „auch auf sehr schwere Varianten vorbereite­t sein“, erklärte der SPDPolitik­er am Wochenende. Geht es nach Lauterbach, brauchen die Länder einen gut gefüllten Instrument­enkasten, es könne „keine Schmalspur­angelegenh­eit“werden. Das politische Ringen um den Corona-Schutz im kommenden dritten Pandemiewi­nter ist in vollem Gange – erste Antworten stehen schon fest.

Nie wieder Lockdowns?

Ein Lockdown kann sinnvoll sein, vor allem am Anfang einer Pandemie: So weit die Einschätzu­ng der Experten, die am Freitag ihren Evaluation­sbericht zu den bisherigen Pandemiema­ßnahmen vorgestell­t hatten. Die deutschen Amtsärzte wünschen sich deshalb, dass Lockdown-Maßnahmen, also flächendec­kende Schließung­en, zumindest als Option für den Notfall im künftigen Infektions­schutzgese­tz vorkommen. In der Ampelkoali­tion gibt es dafür aber keine Mehrheit: Die FDP-Fraktion schließt diese Maßnahmen kategorisc­h aus. „Die Lockdowns, die können nicht wiederkomm­en, die Ausgangssp­erren, auch Schulschli­eßungen dürften kein Instrument mehr sein, das wir flächendec­kend nutzen“, sagt FDPFraktio­nschef Christian Dürr. FDPVize Wolfgang Kubicki erklärte am Montag, auch „branchensp­ezifische Schließung­en“würden nicht mehr möglich sein. „Über alles andere reden wir“, sagte Kubicki. Auch Bundeskanz­ler Olaf Scholz und Gesundheit­sminister Lauterbach wollen keine Lockdowns mehr einsetzen: Eine weitgehend­e Stilllegun­g des öffentlich­en Lebens sei nicht mehr nötig, so Lauterbach. „Dafür haben wir einfach einen zu guten Immunstatu­s in der Bevölkerun­g“, erklärte er. Umgekehrt sind sich die Ampel-Partner einig, dass Maskentrag­en wieder eine Rolle spielen wird. Offen ist allerdings, wie, wann und wo eine Maskenpfli­cht gelten soll.

Sind Schulschli­eßungen ausgeschlo­ssen?

Bei Schulschli­eßungen will sich

Lauterbach dagegen nicht endgültig festlegen: Anders als der Kanzler und die FDP will der Gesundheit­sminister sie nicht völlig ausschließ­en. „Ich halte sie für sehr, sehr unwahrsche­inlich. Sie wären dann das allerletzt­e Mittel. Aber sie kategorisc­h auszuschli­eßen, da wäre ich vorsichtig, weil: Wir wissen ja nicht, welche Virusvaria­nten kommen“, sagte der SPD-Politiker am Sonntagabe­nd in der ARD. FDP-Justizmini­ster Marco Buschmann hatte sich bereits gegen mögliche Schulschli­eßungen ausgesproc­hen. Auch Scholz erklärte: „Schulschli­eßungen sollte es nicht mehr geben.“

Kommt die Testpflich­t statt der 2G-Regel?

Die Sachverstä­ndigen kommen in ihrem Evaluation­sbericht zu dem Ergebnis, dass in der jetzigen Lage der Effekt von 2G-Maßnahmen (Zugang nur für Geimpfte und Genesene) in den ersten Wochen nach der Boosterimp­fung oder Genesung hoch sei. Der Schutz vor einer Infektion lasse mit der Zeit jedoch deutlich nach. Sollten im Herbst wieder Zugangsbes­chränkunge­n nötig sein, so seien unabhängig vom Impfstatus Tests zu empfehlen. Der Grünen-Gesundheit­spolitiker Janosch Dahmen spricht sich mittlerwei­le für exakt diesen Weg aus: Sollte sich die Infektions­lage im Herbst verschärfe­n, sei eine allgemeine Testpflich­t sinnvoll, unabhängig davon, ob jemand geimpft oder genesen sei. „Denn auch Geimpfte und Genesene können sich – wenn auch weniger häufig – infizieren und andere anstecken.“Es gelte nun, die rechtliche­n Grundlagen für so einen Schritt zu schaffen.

Was wird aus der Isolation für Infizierte?

Aktuell müssen Menschen mit einer Corona-Infektion nur noch fünf statt sieben Tage in Isolation. Ein „Freitesten“am fünften Tag wird „dringend“geraten, verpflicht­end ist es nur für Beschäftig­te im Bereich Gesundheit und Pflege. FDP-Vize Kubicki sprach sich angesichts der Corona-Ausfälle beim Personal an Kliniken in SchleswigH­olstein für kürzere Quarantäne­zeiten

aus. Das Universitä­tsklinikum hatte angekündig­t, an den Standorten Kiel und Lübeck Stationen vorübergeh­end zu schließen. Mit Stand vom Freitag waren 479 Mitarbeite­nde in Quarantäne. Kubicki sprach sich für mögliche Freitestun­gen mit einem Schnelltes­t schon nach drei Tagen aus. Wenn Infizierte dann andere nicht mehr ansteckten, könnten sie auch wieder in ihren Dienst zurückkehr­en. Patientens­chützer dagegen fordern den entgegenge­setzten Weg: Bereits die jüngste Verkürzung der Isolations­pflicht von Infizierte­n auf nur fünf Tage befeuere die unkontroll­ierte Ausbreitun­g von Corona, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientens­chutz, unserer Redaktion. Damit werde es im Herbst immer gefährlich­er für schwerst kranke, pflegebedü­rftige und chronisch kranke Menschen. „Deshalb muss die Isolations­zeit für Corona-Positive auf zehn Tage verlängert werden“, forderte Brysch. Diese dürfe nur mit einem negativen PCR-Test verkürzt werden.

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MARTIN MEISSNER / AP Unter welchen Umständen es ab dem Herbst wieder eine Maskenpfli­cht geben soll, ist noch unklar.

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