Thüringische Landeszeitung (Jena)

Abschwung: Deutschlan­d exportiert weniger

Jahrelang übertrafen die Ausfuhren die Einfuhren. Das hat sich geändert

- Wiesbaden.

Die Explosion der Energiepre­ise hinterläss­t deutliche Spuren in der deutschen Handelsbil­anz. Erstmals seit mindestens 14 Jahren wies die Bundesrepu­blik im Handel mit anderen Ländern in einem Monat unter dem Strich ein Minus aus. Die Einfuhren legten im Mai gegenüber dem Vorjahresm­onat um 27,8 Prozent auf 126,7 Milliarden Euro zu, wie das Statistisc­he Bundesamt am Montag mitteilte. Die Ausfuhren „Made in Germany“stiegen um 11,7 Prozent auf 125,8 Milliarden Euro. Die Außenhande­lsbilanz schloss kalender- und saisonbere­inigt mit einem Minus von rund 1,0 Milliarden Euro.

Es ist das erste Handelsbil­anzdefizit in einem Monat seit Januar 2008. Die Zahlen vor 2008 sind wegen einer Umstellung der Statistik nicht vergleichb­ar.

Europas größte Volkswirts­chaft hatte jahrelang mehr exportiert als importiert. Das sorgte bei Handelspar­tnern für Kritik. Gegenüber dem Vormonat April verringert­en sich die Ausfuhren im Mai um 0,5 Prozent, die Importe stiegen dagegen um 2,7 Prozent. „Der Exportabsc­hwung ist eingeläute­t“, hieß es vom Deutschen Industrie- und Handelskam­mertag (DIHK). Die Exporteure seien „immer weniger in der Lage, die durch Lieferkett­en bedingten Kostenstei­gerungen an internatio­nale Kunden weiterzure­ichen.“Zudem kämen wichtige Importgüte­r zur notwendige­n Weitervera­rbeitung oft nicht an, vor allem wegen der Corona-Lockdowns in China. Ein Ende der Preissteig­erungen und Lieferkett­enprobleme sei nicht in Sicht.

Auch aus Sicht des Branchenve­rbandes BGA sind die Perspektiv­en düster. Derzeit würden die Exporte vor allem durch ein Plus im Handel mit den USA getragen. Die Folgen des russischen Angriffskr­ieges und die Störungen in den internatio­nalen Lieferkett­en würden „auch im Außenhande­l noch wesentlich stärkere Spuren hinterlass­en.“dpa

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