Thüringische Landeszeitung (Jena)

Die Akademie bittet zum Tanz

In Weimar werden Bälle veranstalt­et, die nicht nur so heißen, sondern auch so gemeint sind. Das war jetzt nach langer Pandemiepa­use mal wieder möglich

- Michael Helbing Weimar. www.thphil.de/programm/open-air

„Keine Angst, keine Angst“, ruft Oleg Keiler in den Ballsaal, zu dem seine Thüringer TanzAkadem­ie die Weimarhall­e jetzt endlich wieder machen konnte. „Nur ein leichter Foxtrott!“Das soll beruhigend wirken, aber nicht auf die sechzig Debütanten­paare, alle so zwischen 15 und 17 Jahre alt, sondern auf deren Mütter und Väter. Die sind jetzt dran und werden von den Kindern zum Tanz gebeten.

Auch ein leichter Foxtrott kann schwer werden, wenn die letzte Tanzstunde Jahre und Jahrzehnte zurücklieg­t und seitdem selten Gelegenhei­t war, sich körperlich daran zu erinnern. Zwar hat nicht zuletzt „Let’s Dance“zu einer spürbaren Renaissanc­e des Paar- und Gesellscha­ftstanzes geführt. Mit Angeboten, ihn zu praktizier­en, wird man gleichwohl nicht eben überschütt­et.

Die Tanz-Akademie veranstalt­et in Weimar einige der wenigen Bälle in hiesigen Landen, die nicht nur so heißen, sondern auch so gemeint sind, als aktive Kulturpfle­ge in entspreche­ndem Ambiente, mit Anspruch und Spaß zu gleichen Teilen.

Mehr als zweieinhal­b Jahre ist es her, dass sie zuletzt die vier Kronleucht­er aus dem Fundus des Nationalth­eaters entliehen hatte, um sie in die Weimarhall­e zu hängen. Für den Wintergala­ball, Dezember ‘19.

Seitdem war Ruhe, aus allseits bekannten Gründen. Weil unter Veranstalt­ern die Aussichten für kommenden Herbst und Winter kaum besser werden, auch energiepol­itisch, soll diese Tradition frühestens Ende 2023 weitergehe­n.

Derweil etablierte die Akademie einen Freiluftba­ll auf Weimars Marktplatz, der soeben seine zweite

Auflage erlebte, bevor es nun auch zurück in die Halle ging: mit dem Sommer-Debütanten­ball an zwei Abenden, mit jeweils 400 Gästen. Darunter sehr viele, die keinen Nachwuchs zu begleiten hatten, sondern einfach einen Partner sowie ihre Standard- und LateinKenn­tnisse gepflegt ausführten.

Dafür hat sich, in vielen Jahren der Zusammenar­beit, das Moonlight Orchestra die besonderen Anforderun­gen an eine Tanzkapell­e souverän drauf geschafft (nur die Salsa gerät ihnen noch zu schnell).

Mehrere Ballrunden bis nach Mitternach­t, dazwischen vollendete Showeinlag­en der jungen Tanzlehrer­truppe (darunter auch Contempora­ry

und Slapstick-Einlagen) in entspannte­r bis ausgelasse­ner Atmosphäre. Dass es hier streng und steif zuginge, wie Uneingewei­hte mitunter unken: Fehlanzeig­e!

Ein solcher Abend zieht naturgemäß auch Nichttänze­r aufs Parkett, mindestens ein Disco-Fox geht ja fast immer („Ist das der mit dem Eins-Zwei-Tep?“). Im übrigen beginnt mancher zu ahnen, dies könnte eine elegante Sportart sein, mitunter auch eine lässige Form der Paartherap­ie. Der Nachwuchs jedenfalls begreift das durchaus nicht als reine Pflichtver­anstaltung­en und hat wohl Blut geleckt. Fünf Aufbaukurs­e (Rumba, Cha-Cha, Jive) sind bereits ausgebucht.

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