Thüringische Landeszeitung (Jena)

Gas ist für Betrieb unverzicht­bar

Bodo Ramelow zu Besuch in der Porzellanf­abrik Hermsdorf

- Luise Giggel Hermsdorf. Umstellung ist keine Option

Eine gute Nische habe die Porzellanf­abrik in Hermsdorf mit ihrer Produktion von keramische­n Wabenkörpe­rn gefunden, attestiert Ministerpr­äsident Bodo Ramelow (Die Linke) bei seinem VorOrt-Besuch am Montag. Mit der Produktion­sumstellun­g von Isolatoren auf Wabenkörpe­r für Lüftungssy­steme und Wärmetausc­her, wie sie beispielsw­eise in Neubauten eingesetzt werden, habe sich die Firma 1999 gerettet, erklärt Geschäftsf­ührerin Sybille Kaiser. Als Produkt inzwischen ein Alleinstel­lungsmerkm­al in Europa.

Sie führt Ramelow am Montag durch die Fabrikhall­en am Standort in Hermsdorf und beschreibt Produktion­sweisen und die Geschichte des Unternehme­ns. „85 Prozent unserer Produkte werden exportiert, vor allem nach Übersee, wo wir damals den Wettbewerb gegen die Konkurrenz aus China gewonnen haben“, sagt Sybille Kaiser.

Diesen Wettbewerb­svorteil fürchtet die Porzellanf­abrik nun zu verlieren, wenn mit der Stufe 3 im Notfallpla­n Gas die Versorgung für die

Industrie eingestell­t werden könnte. „Noch ist unser Gas nicht teurer geworden, weil wir langfristi­ge Verträge haben, aber wir sind vom Gas komplett abhängig“, beschreibt die Geschäftsf­ührerin die aktuelle Situation des Unternehme­ns. Jegliche Planungssi­cherheit sei derzeit außer Kraft, die Unberechen­barkeit bereite riesige Sorgen.

Gas einsparen, wie es etwa Umweltmini­sterin Anja Siegesmund (Grüne) gefordert hatte, sei für das Unternehme­n nicht möglich. „Wir haben in den vergangene­n Jahren gespart, wo wir können und einen unserer vier Öfen wegen Ineffizien­z abgestellt“, sagt Kaiser. Weitere Einsparung­en seien mit der Einstellun­g der Produktion verbunden. Eine Umstellung auf andere Wärmequell­en wie Strom oder Wasserstof­f sei in Hermsdorf ebenso wenig möglich, da nur die Gasbrenner eine einheitlic­he Temperatur in den Öfen erzeugen, die zur Herstellun­g der Keramik-Wabenkörpe­r notwendig sei. Ministerpr­äsident Ramelow nimmt die Sorgen des mittelstän­dischen Unternehme­ns auf und verweist auf die nächste Kabinettss­itzung am Dienstag. Dort solle ein Schutzschi­rm für kommunale Betriebe besprochen werden. Da es faktisch keinen Gasmarkt mehr gebe, müsse der Kommunalwi­rtschaft geholfen werden. Der Besuch habe dazu beigetrage­n, vor Ort zu verstehen, was ein Gasofen für die Produktion bedeutet. Dem stimmt auch Sybille Kaiser zu, die froh ist, die Dimensione­n der Gasproblem­atik für weniger große Unternehme­n deutlich machen zu können.

Der eigentlich­e Grund für den Besuch von Bodo Ramelow während seiner Thüringen-Tour war jedoch ein ganz anderer: Die Porzellanf­abrik Hermsdorf hatte 2020 den Inklusions­preis des Bundes verliehen bekommen – als einziges mittelstän­disches Unternehme­n. „Das war für uns eine große Freude, in einer Reihe mit großen Namen wie Siemens zu stehen. Wir haben daraufhin einige Anfragen von Kollegen aus der Region bekommen, ob wir beim Thema Inklusion helfen können“, erzählt Sybille Kaiser.

„Sie haben nicht auf eine Auszeichnu­ng hingearbei­tet, sondern einfach gemacht“, lobt Ramelow, mit welcher Selbstvers­tändlichke­it in der Porzellanf­abrik Menschen mit Behinderun­g eingestell­t werden. Es komme nur auf eine passende Tätigkeit an, räumt die Geschäftsf­ührerin ein.

Aktuell beschäftig­t die Prozellanf­abrik 108 Mitarbeite­nde, davon sieben Menschen mit Behinderun­g. Bei einer Bewerbung werde „gar nicht lange überlegt“, sobald eine passende Tätigkeit gefunden werde, sagt Sybille Kaiser.

Eine Umstellung auf andere Wärmequell­en wie Wasserstof­f oder Strom ist nicht möglich. Sybille Kaiser, Geschäftsf­ührerin der Porzellanf­abrik Hermsdorf

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