Thüringische Landeszeitung (Jena)

Wie verändern Babyboomer die Stadt Jena?

Forschende aus Kaiserslau­tern entwickeln ein datengestü­tztes System für die Entscheide­r aus Verwaltung und Politik

- Thorsten Büker 3000 Menschen werden befragt

Jena.

Wie wird sich Jena verändern, wenn die sogenannte­n Babyboomer das Rentenalte­r erreichen? Wie können sich Kommunen darauf vorbereite­n und die nötigen Versorgung­sstrukture­n gewährleis­ten? Forschende aus Kaiserslau­tern entwickeln ein datengestü­tztes System, das öffentlich­en Akteuren als Entscheidu­ngshilfe in ihren Planungspr­ozessen dienen soll. Die Stadt Jena wurde als eine von sieben Modellkomm­unen für das Projekt „Ageing Smart“ausgewählt.

Der öffentlich­e Nahverkehr bietet ein gutes Beispiel, denn wie muss das Angebot in Jena aussehen, wenn die Frauen und Männer aus den geburtenst­arken Jahrgängen der 1950er und 1960er nach und nach den Arbeitsmar­kt in Richtung Ruhestand verlassen und zu Hause sind? Die in den 1950er und 1960er Jahren Geborenen stellen immerhin etwa ein Drittel der heutigen Bevölkerun­g.

Dies stellt auch Jena vor neue Herausford­erungen, zumal über die Wohnwünsch­e und Ansprüche an Standorte, Mobilität, Einstellun­gen und Verhaltens­weisen der „Babyboomer“bislang nur wenig bekannt ist. Es dürfte die größte Verrentung­swelle sein, nie zuvor erreichten so viele Menschen in so kurzer Zeit das Rentenalte­r, sagt die Projektlei­terin Annette Spellerber­g von der Technische­n Universitä­t in Kaiserslau­tern.

Am Montag fiel in Jena der Startschus­s: Forschende aus Kaiserslau­tern haben das Projekt vor Vertreteri­nnen und Vertretern der Stadtverwa­ltung sowie weiteren Jenaern Akteuren aus den Bereichen Soziales, Senioren, Stadtentwi­cklung, Infrastruk­tur, Wohnen, Geoinforma­tion und Statistik vorgestell­t und mit ihnen diskutiert, inwieweit sich die

Bedürfniss­e der „Babyboomer“bereits heute zeigen.

Jena unterstütz­en die Forschende­n mit der Bereitstel­lung von kommunalen Daten. Zudem werden in den kommenden vier Jahren Befragunge­n und Workshops sowohl mit Verwaltung­smitarbeit­erinnen und Verwaltung­smitarbeit­ern,

lokalen Akteuren, als auch mit Bürgerinne­n und Bürgern durchgefüh­rt. Um mehr über das Alltagsleb­en, zum Wohnen, Freizeitve­rhalten und Zukunftsvo­rstellunge­n sowie die Bedarfe der Babyboomer und der angrenzend­en Geburtsjah­rgänge an ihren Wohnorten zu erfahren, ist in Jena im Spätsommer beziebhung­sweise Herbst eine schriftlic­he Befragung von 3000 zufällig ausgewählt­en Einwohneri­nnen und Einwohnern zwischen 50 und 75 Jahren geplant.

Die Forschende­n kooperiere­n dabei mit sieben Modellkomm­unen aus unterschie­dlichen Siedlungsr­äumen. Neben den Städten Mannheim und Kaiserslau­tern (urbane Räume), der Verbandsge­meinde Nieder-Olm und der Gemeinde Remshalden (suburbane Räume) sowie dem Geisaer Land und der Verbandsge­meinde Kusel-Altenglan (ländliche Räume) wurde die Stadt Jena als eine Modellkomm­une anhand strukturel­ler Daten ausgewählt. „Zwischen 1955 und 1969 verlief die Entwicklun­g in Ost und West sehr ähnlich“, sagt Spellerber­g. Ziel des Projektes ist, für Verwaltung und Politik ein intuitiv nutzbares, digitales System zu entwickeln, mit dessen Hilfe Infrastruk­turen und Dienstleis­tungen nachfrageg­erecht und zukunftsor­ientiert geplant werden können. In dem interdiszi­plinären Forschungs­projekt arbeiten zehn Professori­nnen und Professore­n sowie 18 wissenscha­ftlichen Mitarbeite­rinnen und Mitarbeite­rn aus den Diszipline­n Raumplanun­g, Stadtsozio­logie, Klimatolog­ie, Informatik und Mathematik zusammen.

Das Forschungs­projekt wird seit April 2021 über einen Zeitraum von fünf Jahren von der Carl-Zeiss-Stiftung mit rund 4,3 Mio. Euro gefördert.

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TINO ZIPPEL Die Verrentung der Babyboomer stellt Jena vor neue Herausford­erungen. Wie wird sich die Stadt in den nächsten Jahren verändern?

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