Thüringische Landeszeitung (Jena)

Punkte für den Vertragspo­ker

Mit erstaunlic­her Reife holt Mick Schumacher in Silverston­e seine ersten Zähler in der Formel 1. Damit steigen seine Chancen auf eine längere Zukunft in der Königsklas­se

- Christian Hollmann Silverston­e.

Mick Schumacher herzte Mentor Sebastian Vettel, Mama Corinna verteilte im Fahrerlage­r Küsschen. Vor dem eiligen Rückflug nach Hause ließen der Formel1-Jungstar und seine Familie der Freude und Erleichter­ung über die ersehnten ersten WM-Punkte freien Lauf. „Ich fühle mich wirklich großartig“, sagte der Haas-Pilot, ein Dauergrins­en lieferte den Beweis dafür. Seine grandiose Aufholjagd in Silverston­e vom vorletzten auf den achten Platz beseitigte zumindest vorerst die Restzweife­l an Schumacher­s Formel-1-Tauglichke­it und lieferte ihm beste Argumente für die bald anstehende­n Vertragsve­rhandlunge­n.

Teamchef Günther Steiner, zuletzt auch mit öffentlich­er Kritik am 23-Jährigen aufgefalle­n, sieht jetzt einen Knoten gelöst. „Zumindest geht jetzt hoffentlic­h einiges von dem Druck weg“, sagte der Italiener. Erstaunt hatte er zuvor beobachtet, wie abgezockt Schumacher im britischen Chaos die Nerven behielt. „Wir konnten es fast gar nicht glauben, was da passiert ist“, so Steiner.

3507 Tage waren vergangen, seit Papa Michael bei seinem Abschied in Brasilien die letzten Formel-1Punkte für die Schumacher-Familie erobert hatte. Filius Mick musste in der vergangene­n Saison ein hartes

Lehrjahr im völlig unterlegen­en Auto überstehen. Unfälle, Pech und Fehler seiner Crew hatten auch in den vergangene­n Monaten die Punkte-Premiere verhindert. „Wir sind ein Team und gewinnen und verlieren als Team. Das ist seit Anfang an meine Mentalität“, sagte Schumacher nun. Kaum anders hätte es sein Vater formuliert.

Im 31. Grand Prix zahlten sich Geduld und harte Arbeit aus. Dabei hatte es auch in Silverston­e wieder so ausgesehen, als würde Schumacher­s Team ihn im Stich lassen. Hatten seine Mechaniker doch vor der Qualifikat­ion bei der Montage der Lenkung geschluder­t. „Ich halte dem Team nichts vor, sondern sage dem Team, dass wir es zusammen schaffen werden“, bekräftigt­e Schumacher bei Sky.

Wie groß sein Selbstbewu­sstsein trotz aller Rückschläg­e ist, bewies der Deutsche kurz vor Rennende, als er es auch noch mit Weltmeiste­r

Max Verstappen aufnahm. Zwar schaffte er es in der letzten Kurve nicht mehr am beschädigt­en Red Bull vorbei, doch seine Familie war auch so happy. „Micki, ich bin mega stolz auf dich. Mega gemacht, Schatz“, funkte Mutter Corinna.

Auch Landsmann Vettel war gar nicht böse, dass Schumacher ihn an seinem 35. Geburtstag eiskalt überholt hatte. „Ich habe wirklich im Auto geschrien: Los, Mick“, verriet der Aston-Martin-Fahrer. Der Hesse hatte den Sohn seines Idols zuletzt gegen Kritik verteidigt und ist schon länger einer von Schumacher­s Ratgebern.

Mit dem Befreiungs­schlag von Silverston­e steigen auch Schumacher­s Chancen auf eine längere Zukunft in der Formel 1. Vor dem Rennen hatte Teambesitz­er Gene Haas gesagt, der Rennstall wolle mit den Gesprächen über einen neuen Vertrag warten. Der aktuelle Kontrakt läuft am Jahresende aus. dpa

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GETTY IMAGES Sebastian Vettel gratuliert Mick Schumacher (r.) nach dem Rennen.

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