Thüringische Landeszeitung (Jena)

„Mein bester Triathlon-Compagnon“

Beim 31. Paradiestr­iathlon muss der Jenenser Theo Sonnenberg dem starken Alexander Kull den Vortritt lassen

- Marcus Schulze Jena.

Theo Sonnenberg packte mit an. Aber mal so richtig. Als die nunmehr 31. Auflage des Paradiestr­iathlons am Sonntag Geschichte war, half Sonnenberg beim Abbau und wuppte in der Hitze gar schwere Absperrung­en von A nach B. Ein finales Workout sozusagen...

Ein paar Stunden zuvor stand der 21-jährige Jenenser indes völlig anders geartet in der Pflicht, schließlic­h trat er beim Sprint-Wettkampf des Paradiestr­iathlons an – und am Ende erreichte er als Zweiter in einer Zeit von 57:53.05 h das Ziel neben der Laufhalle in der Oberaue. 750 Meter im Wasser, 20 Kilometer mit dem Rad und fünf Kilometer zu Fuß steckten da zu jenem Zeitpunkt in seinen Knochen.

„Eigentlich lief alles ganz gut, doch mit Blick auf den kommenden Wettkampf in der Bundesliga war das für mich heute eher nur ein Test“, resümierte Theo Sonnenberg, der für den Jenaer Triathlon-Verein antrat und in gut zwei Wochen mit den „Weimarer Ingenieure­n“am Schliersee in Oberbayern gefordert sein wird. Daher gehe es für ihn am Montag mit dem Training weiter.

Am Ende musste sich Sonnenberg lediglich Alexander Kull geschlagen geben – und Kull ist sein Teamkolleg­e bei besagten Ingenieure­n. „Letztendli­ch war es eine recht eindeutige Sache. Er war einfach zu stark; mehr oder weniger in allen Teildiszip­linen, doch insbesonde­re auf dem Rad – er kann einfach mehr drücken als ich. Er ist einer der besten Radfahrer, die ich kenne“, betonte der Chemiestud­ent, dessen Verhältnis zu Alexander Kull von einer gewissen Dialektik geprägt ist: Er sei sein liebster Gegner, so ein bisschen Freund und Feind zugleich. „Zum einen ist er ein Konkurrent im Kader, zum anderen ist er mein bester Triathlon-Compagnon“, sinnierte Sonnenberg.

Und der Sieger? „Ich bin mit dem Ziel angetreten, zu gewinnen, und im Großen und Ganzen bin ich zuren“

zumal mich die Wochen zuvor eine kleine Verletzung plagte“, resümierte Alexander Kull vom HSV Weimar, der mit einer Zerrung im Hüftbeuger zu kämpfen hatte.

Auf dem Ergebnis, Kull absolviert­e den Sprintdist­anz in 55:16.03 h, könne er zweifelsoh­ne aufbauen, zumal er in gut zwei Wochen ebenfalls mit den „Weimarer Ingenieuin der Bundesliga am Schliersee in der Pflicht stehe – zusammen mit Theo Sonnenberg. „Wir sind halt freundscha­ftliche Konkurrent­en“, sagte der 22-Jährige Rudolstädt­er mit Blick auf seinen Teamkolleg­en aus Jena.

Insgesamt 750 Triathlete­n im Alter zwischen sechs und 70 Jahren stellten sich am Sonntag in elf verschiede­nen Kategorien der sportliche­n Herausford­erung entlang Schleicher­see, Oberaue und Stadtrodae­r Straße.

Eine der 750 Teilnehmer war Judith Paul, die bei den Frauen die Sprintdist­anz für sich entscheide­n konnte – und der Sieg der 39-jährigen Jenaerin war ein kleines Kuriosum: 2016 habe sie zum letzten Mal auf einem Rennrad gesessen, berichtet Paul, die sich während ihres Studiums dem Triathlon verschrieb. Seit ihrem letzten Wettkampf vor nunmehr gut sechs Jahren hat sich jedoch einiges bei ihr verändert, denn mittlerwei­le ist sie vierfache Mutter. „Das war der totale Wahnfriede­n, sinn; ich kann es selber kaum glauben: Ich olle Mutti habe gewonnen, aber es freut mich natürlich ungemein, dass mir das nach einer so langen Pause gelang. Außerdem ist dieser Sieg etwas, das ich für mich ganz alleine habe. Das ist mein ganz persönlich­er Triumph und hat mir auch gezeigt, dass ich es nicht verlernt habe“, sagte Judith Paul, die die 25,8 Kilometer in einer Zeit von 01:19:11,4 h absolviert­e.

Während der finalen Runde beim Laufen habe sie plötzlich Marie Leiteritz vom Jenaer Triathlon-Verein, die spätere Zweitplatz­ierte, erblickt. „Ich bin dann an sie herangekom­men, und dann überkam mich dieses Gefühl von einst, und ich habe einfach alles gegeben und bin an ihr vorbeigezo­gen“, rekapituli­erte Judith Paul.

Ach ja, Theo Sonnenberg und Alexander Kull schwammen nach dem Wettkampf dann zusammen noch eine Runde im Schleicher­see. Ausschwimm­en und so. Freundscha­ftliche Konkurrent­en eben...

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JÜRGEN SCHEERE Theo Sonnenberg vom Jenaer Triathlon-Verein.

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