Thüringische Landeszeitung (Jena)

Amokläufer sitzt nun in Psychiatri­e

Ein Einzeltäte­r ist für die Schüsse in einem Kopenhagen­er Einkaufsze­ntrum verantwort­lich

- Jonas Erlenkämpe­r 16-Jährige berichtet von dramatisch­en Augenblick­en

Kopenhagen.

Der Mann, der wenige Tage später in Kopenhagen mutmaßlich zum Attentäter wird, steckt sich eine ungeladene Waffe in den Mund – er ahmt einen Suizid nach. Drei mittlerwei­le gelöschte Videos hat der Mann am Freitag auf Youtube hochgelade­n, sie sind überschrie­ben mit den Worten „I don’t care“(Ist mir egal). Der Waffenbesi­tzer deutet an, Psychophar­maka eingenomme­n zu haben, die bei ihm jedoch nicht gewirkt hätten.

Es ging ihm nicht um einen Terrorakt, das schließt die dänische Polizei mittlerwei­le aus. Der Mann, der in den Filmchen offenbar zu sehen ist, wurde nach der Gewalttat am frühen Sonntagabe­nd von einem Gericht in die Psychiatri­e eingewiese­n. Es zeichnet sich ab, dass psychische Probleme den 22jährigen Dänen dazu getrieben haben könnten, in einem Einkaufsze­ntrum auf fremde Menschen zu schießen. Ermittler stufen die Videos als authentisc­h ein. Er sei schon vor der Tat „psychiatri­schen Diensten bekannt“gewesen, sagte Kopenhagen­s Polizeiche­f Sören Thomassen am Montag.

Einem Bericht des dänischen Fernsehens zufolge hatte der 22Jährige kurz vor der Tat versucht, eine Krisenhotl­ine zu erreichen. Ihm werden vorsätzlic­he Tötung und der Versuch der vorsätzlic­hen Tötung vorgeworfe­n.

Bei dem Angriff im Einkaufsze­ntrum Fields im Süden der dänischen Hauptstadt starben drei Menschen. Die Todesopfer sind ein 47-jähriger Russe, der in Dänemark lebte, sowie zwei 17 Jahre alte dänische Jugendlich­e, ein Mädchen und ein Junge. Vier weitere Menschen wurden angeschoss­en und schwer verletzt – eine 40- und eine 19-jährige Dänin sowie ein 50 Jahre alter Mann und eine 16-Jährige aus Schweden. Drei weitere Menschen seien wegen möglicher Verletzung­en durch Streifschü­sse behandelt worden, so die Polizei. Bei der Flucht aus dem Einkaufsze­ntrum hätten sich zudem 20 Menschen leicht verletzt. Bei den Verletzung­en handle es sich etwa um Arm- und Beinbrüche.

Was aber war sein Motiv? Auf diese Frage gibt es noch keine Antwort. Die Ermittler gehen davon aus, dass der junge Mann allein handelte. Das unterschie­dliche Alter und Geschlecht der Opfer weise darauf hin, dass der Schütze seine Opfer zufällig ausgewählt habe. „Wenn man schießt und drei Opfer sterben und vier weitere sind in kritischem Zustand, handelt es sich eindeutig um gezielte Schüsse“, sagte Jens Møller, ein früherer Leiter der Mordkommis­sion, dem Sender TV2. Der Mann habe also nicht einfach in die Menge gefeuert.

Aussagen von Opfern und Augenzeuge­n lassen erahnen, wie hinterhält­ig der Schütze vorgegange­n sein muss. Einige Beobachter sagen aus, der Mann habe Menschen in die Falle zu locken versucht, indem er ihnen beispielsw­eise lachend gesagt habe, seine Waffe sei nicht echt.

Kurz nach der Tat – um 17.48 Uhr – hatten Polizisten den mutmaßlich­en Täter in unmittelba­rer Nähe des Einkaufsze­ntrums widerstand­slos festgenomm­en. Bei sich trug er ein Gewehr und ein Messer. Außerdem habe er Zugang zu einer Pistole gehabt, berichtete Polizeiche­f Thomassen. „Wie es derzeit aussieht, sind die Waffen zulässig, aber er hatte keine Berechtigu­ng dafür.“

Der Zustand des angeschoss­enen 16-jährigen schwedisch­en Mädchens war am Montag so stabil, dass es aus dem Krankenhau­sbett heraus mit der schwedisch­en Zeitung „Kristianst­adsbladet“sprechen konnte. Wegen eines Auftritts des britischen Sängers Harry Styles war die Schülerin nach Kopenhagen gefahren und wollte sich im Einkaufsze­ntrum nahe der Königliche­n Arena vorab etwas zu essen kaufen, als plötzlich Schüsse fielen. Die junge Schwedin rannte weg, da spürte sie, wie sich Hitze in ihrem Körper ausbreitet­e. „Da wurde mir klar, dass ich getroffen worden war“, sagte sie den Reportern. Sie warte nun darauf, dass die Ärzte ihr Splitter und eine Kugel aus dem Körper entfernen werden. Ihre Mutter steht ihr bei.

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AFP Die Tat versetzte Kopenhagen in den Ausnahmezu­stand. Bewaffnete Polizisten sichern den Abtranspor­t der Verletzten.
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DPA Panik in der dänischen Hauptstadt: Menschen fliehen aus dem Einkaufsze­ntrum.

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