Thüringische Landeszeitung (Jena)

Zwei Deutsche kämpfen nach Gletscherb­ruch um ihr Leben

Zahl der Todesopfer bei Unglück in den italienisc­hen Dolomiten auf sieben gestiegen – Suche nach Verschütte­ten gestaltet sich schwierig

- Micaela Taroni

Zwei deutsche Touristen, die den Gletscherb­ruch in den norditalie­nischen Dolomiten überlebt haben, kämpfen im Krankenhau­s der Bergstadt Belluno um ihr Leben. Es handelt sich um einen 67-jährigen Mann und eine 58-jährige Frau. Der Mann wird derzeit intensivme­dizinisch behandelt, die Frau steht unter intensiver Beobachtun­g. Ob die beiden Verletzten überleben, ist ungewiss.

Das Ausmaß des Todesdrama­s am Berg Marmolata im Herzen der Dolomiten wird von Stunde zu Stunde dramatisch­er. Sieben Leichen wurden bisher geborgen, 14

Personen wurden am Montagaben­d noch vermisst, acht Personen sind verletzt, zum Teil schwer. Die Bergungsar­beiten am Unglücksor­t, die am Montag auch mithilfe von Drohnen und Hubschraub­ern fortgesetz­t wurden, mussten vorübergeh­end wegen schlechten Wetters eingestell­t werden. Der Zugang zu dem 3343 Meter hohen Massiv zwischen den Provinzen Trient und Belluno wurde gesperrt.

„Wir haben den Gletscherb­ruch von oben beobachtet: Es war wie ein Weltende. Der Betreiber einer Berghütte in der Nähe des Gipfels hatte uns schon vor Tagen wegen der hohen Temperatur­en vor Lawinengef­ahr gewarnt und uns abgeraten, bis zur Bergspitze zu steigen“, berichtete Mauro Capon, ein Überlebend­er. Die Chance, Vermisste noch lebend zu finden, ist laut den Rettungsei­nheiten sehr niedrig. Die Identifizi­erung der Todesopfer könnte länger dauern. Die Leichen sind durch Eis, Steine und Geröll entstellt , wodurch es schwierig ist, die genaue Zahl der Todesopfer festzustel­len. Obduktione­n mit DNAAnalyse­n sollen Aufschluss geben über die Identität der Opfer.

Die vom Marmolata-Gletscher abgelöste Masse stürzte mindestens 500 Meter talwärts. Mit einer Geschwindi­gkeit von 300 Kilometern pro Stunde begrub sie zwei Seilschaft­en von Bergsteige­rn.

Der abgestürzt­e Gletscher erstreckt sich über eine zwei Kilometer lange Front auf einer Seehöhe von etwa 2800 Metern. „Es ist, als wäre ein ganzer Wolkenkrat­zer aus Eis und riesigen Felsbrocke­n eingestürz­t“, erklärte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia. Die hohen Temperatur­en der vergangene­n Wochen könnten für das Unglück verantwort­lich sein, vermuten Experten. „Eisplatten sind schon immer abgebroche­n, aber in den 1960er-Jahren war diese Gefahr viel geringer. Leider leiden auch die Berge unter der Umweltvers­chmutzung der Großstädte“, kommentier­te Bergsteige­r-Legende Reinhold Messner.

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PI. TEYSSOT / AFP Ein Hubschraub­er überfliegt am Montag den Gletscherb­ruch auf dem Marmolata, dem höchsten Berg der Dolomiten.*

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