Kampf ge­gen Al­ters­ar­mut

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Erste Seite - e.ot­[email protected] El­mar Ot­to zum Kom­pro­miss bei der Grund­ren­te

Nach ei­nem Hick­hack, das kein En­de neh­men woll­te, ha­ben sich Uni­on und SPD doch noch auf ei­ne Grund­ren­te ge­ei­nigt. Wohl­wol­lend kann man sa­gen, der aus­ge­han­del­te Kom­pro­miss be­weist, dass die Ber­li­ner Bünd­nis­part­ner trotz sich dia­me­tral ge­gen­über ste­hen­der Mei­nung hand­lungs­fä­hig ist.

Aber hält die jetzt ge­fun­de­ne Lö­sung auch das, was sich al­le da­von ver­spre­chen?

Fest steht: Der schwarz-ro­te Ko­ali­ti­ons­ver­trag war mit hei­ßer Na­del ge­strickt. Denn dort heißt es ein­deu­tig: „Vor­aus­set­zung für den Be­zug der Grund­ren­te ist ei­ne Be­dürf­tig­keits­prü­fung ent­spre­chend der Grund­si­che­rung.“Sie gilt für je­ne, „die 35 Jah­re an Bei­trags­zei­ten oder Zei­ten der Kin­der­er­zie­hung bzw. Pfle­ge­zei­ten auf­wei­sen“.

Ei­ne sol­che um­fas­sen­de Prü­fung aber wä­re nicht nur aus Sicht der SPD re­spekt­los ge­gen­über je­nen ge­we­sen, die trotz jahr­zehn­te­lan­ger Be­rufs­tä­tig­keit nicht von ih­rer Ren­te le­ben kön­nen. Sie schien auch kaum um­setz­bar, da sie durch über­bor­den­de Bü­ro­kra­tie die Ver­wal­tung über­for­dert hät­te.

Die nun vor­ge­se­he­ne um­fas­sen­de Ein­kom­mens­prü­fung dürf­te prak­ti­ka­bel sein. Sie ver­hin­dert, dass Be­trof­fe­ne aufs Amt ge­hen und bet­teln müs­sen und soll gleich­zei­tig ei­ne kon­trol­lier­te Aus­zah­lung ge­währ­leis­ten.

Al­ler­dings sind die Vor­be­hal­te wei­ter groß. Ob wirt­schafts- und so­zi­al­po­li­ti­sche Par­tei­flü­gel zu­stim­men wer­den, bleibt un­ge­wiss. Und ge­recht ist ei­ne sol­che Re­ge­lung nicht: Weil sie Men­schen au­ßen vor lässt, die knapp un­ter­halb der 35-Jah­re-schwel­le lie­gen.

Die neue Grund­ren­te, die zum 1. Ja­nu­ar 2021 in Kraft tre­ten soll, mag ein ers­ter Schritt sein, um Al­ters­ar­mut, von der vor al­lem Frau­en be­trof­fen sind, zu be­kämp­fen. Min­des­tens genau­so wich­tig für die Zu­kunft ist es je­doch, Maß­nah­men zu tref­fen, da­mit Al­ters­ar­mut erst gar nicht ent­steht.

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