Zwei Wun­der und ein Spa­ten

Die Städ­te Mühl­hau­sen und Esch­we­ge er­neu­ern nach 30 Jah­ren ih­re Part­ner­schafts­ver­ein­ba­rung und ge­den­ken Mau­er­fall

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Unstrut-hainich - VON CLAU­DIA BACH­MANN

Von zwei Wun­dern war am Frei­tag­abend in der Rat­haus­hal­le die Re­de: vom Fall der Gren­ze am 9. No­vem­ber 1989 und dem nur ei­nen Tag spä­ter statt­fin­den­den Be­such der Spd-frak­ti­on des Esch­we­ger Stadt­rats im Mühl­häu­ser Rat­haus. Die mün­de­te sechs Wo­chen spä­ter, am 22. De­zem­ber, in der Un­ter­zeich­nung des Ver­tra­ges zur Städ­te­part­ner­schaft – der ers­ten deutsch-deut­schen Städ­te­part­ner­schaft nach der Grenz­öff­nung. An bei­des wur­de in ei­ner zwei­stün­di­gen Fest­ver­an­stal­tung er­in­nert.

Jür­gen Zick, lang­jäh­ri­ger Spd-bür­ger­meis­ter und heu­te stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Städ­te­part­ner­schafts­ver­eins, war am 10. No­vem­ber 1989 ei­ner der Mühl­hau­sen-gäs­te. Die Ge­sprä­che mit der Rat­haus­spit­ze sei­en am 10. No­vem­ber 1989 an­fangs „vor­sich­tig tas­tend, dann im­mer kon­kre­ter ge­wor­den“.

Zicks Haupt­ge­sprächs­part­ner wa­ren vor 30 Jah­ren Sed-bür­ger­meis­ter Klaus Neukirch und Hans-die­ter Dör­baum, der ab 1990 als Cdu-kan­di­dat zum Bür­ger­meis­ter ge­wählt wur­de. Der meint: „Als wir in Esch­we­ge in der Ver­wal­tung auf­tauch­ten, gab es so­fort ein ver­trau­ens­vol­les Ver­hält­nis.“

Die Er­eig­nis­se des 9. No­vem­ber 1989 ken­nen die Mühl­häu­se­rin Ma­ria Ste­cher und der

Esch­we­ger Ma­xi­mi­li­an Ster­nal nur vom Er­zäh­len, sie wur­den erst Mit­te 1990 ge­bo­ren. Ste­cher wuss­te in ei­nem vom ak­tu­el­len Mühl­häu­ser Ober­bür­ger­meis­ter Jo­han­nes Bruns (SPD) mo­de­rier­ten Dia­log von den zahl­rei­chen Brü­chen in den Bio­gra­fi­en der eins­ti­gen Ddr-bür­ger zu be­rich­ten, die auch ih­re Fa­mi­lie tra­fen: der Va­ter in der Ar­beits­lo­sig­keit, die Mut­ter in ei­ner 100-St­un­den-um­schu­lung, die Groß­mut­ter, die an der Päd­ago­gi­schen Hoch­schu­le be­schäf­tigt war, im vor­zei­ti­gen Ru­he­stand.

Ster­nal zog erst An­fang der 1990er vom Ge­burts­ort Glad­beck

nach Mühl­hau­sen. „Mei­ne El­tern sa­gen, sie ha­ben da­mals erst­mal ei­nen al­ten At­las ge­nom­men und ge­schaut, wo die di­cke ro­te Li­nie, die Staats­gren­ze, ver­lief. In die eins­ti­ge DDR zu zie­hen, das wä­re für sie da­mals kei­ne Al­ter­na­ti­ve ge­we­sen.“„Im Kopf gibt es bei vie­len noch

Gren­zen“, meint Ste­cher, die in Ro­ten­burg/ful­da stu­diert und da­nach in Wies­ba­den und Frank­furt/main ge­ar­bei­tet hat, ehe sie zu­rück nach Mühl­hau­sen kam.

Beim Stu­di­um ha­be man ein­an­der schon zu­wei­len we­gen der Her­kunft ge­neckt, „aber wir wur­den nie ne­ga­tiv auf­ge­zo­gen da­mit.“Was sie un­ter den Kom­mi­li­to­nen aus­ge­macht ha­be, das sei aber ein bes­se­rer Zu­sam­men­halt zwi­schen de­nen ge­we­sen, die aus den Neu­en Bun­des­län­dern ka­men.

Auch Ster­nal, der in Wei­mar stu­diert hat, meint: „Sprü­che gibt es; aber un­se­re Ge­ne­ra­ti­on nimmt sie nicht bö­se.“

Der ak­tu­el­le Esch­we­ger Bür­ger­meis­ter, Alex­an­der Hep­pe (CDU), meint: „Wir dür­fen den Dank nicht ver­ges­sen – da­für, dass kein ein­zi­ger Schuss fiel, für die mu­ti­ge Le­bens­leis­tung der Men­schen in der DDR, die die Frei­heit er­kämpf­ten.“Es be­schä­me ihn zu­tiefst, dass jetzt Men­schen nach vorn kom­men, die sich als Al­ter­na­ti­ve ver­ste­hen, die die er­kämpf­ten Wer­te mit Fü­ßen tre­ten, es be­schä­me ihn eben­so, dass „wir ei­ne brei­te Mit­te der Ge­sell­schaft ha­ben, die die Klap­pe hält“.

Hep­pe und Bruns un­ter­zeich­ne­ten zum Ab­schluss der Fest­ver­an­stal­tung den Ver­trag zur Be­kräf­ti­gung der Freund­schaft zwi­schen bei­den Städ­ten, das Be­kennt­nis zu den In­hal­ten von 1989 und das Ver­spre­chen, jähr­lich je­weils zwei Bäu­me zu pflan­zen als le­ben­di­ges Zei­chen der Freund­schaft. Hep­pe hat­te des­halb als Ge­schenk für Bruns ei­nen in schwarz-rot-gold ge­hal­te­nen Spa­ten da­bei. Den Auf­takt zur Ein­heits­al­lee hat­ten Mühl­hau­sen und Esch­we­ge am Don­ners­tag voll­zo­gen.

FO­TO: TI­NO SIELAND

Weg­be­rei­ter der Städ­te­freund­schaft: Hans-die­ter Dör­baum (links) und Jür­gen Zick.

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