Be­triebs­rent­ner sol­len ent­las­tet wer­den

Cdu-lan­des­chef Mohring: Re­ge­lung von 2004 rich­tet sich ge­gen das Ge­rech­tig­keits­ge­fühl

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Wirtschaft - Von Si­byl­le Gö­bel

In der Er­leich­te­rung über den Grund­ren­ten-kom­pro­miss der gro­ßen Ko­ali­ti­on in Ber­lin ist fast un­ter­ge­gan­gen, dass auch Di­rekt­ver­si­cher­te ent­las­tet wer­den sol­len. Wir spra­chen dar­über mit Thü­rin­gens CDU-CHEF Mi­ke Mohring, der an den Ver­hand­lun­gen be­tei­ligt war.

Sind die Ver­hand­lun­gen zur Grund­ren­te auch des­halb so lan­ge nicht vom Fleck ge­kom­men, weil in ih­rem Wind­schat­ten das Pro­blem der Dop­pel­ver­bei­tra­gung ge­löst wer­den soll­te?

Die Un­ge­rech­tig­keit, dass dop­pel­te Bei­trä­ge auf Be­triebs­ren­ten ge­zahlt wer­den, stellt ein ei­ge­nes kom­ple­xes Pro­blem dar, das wir von der ehe­ma­li­gen rot-grü­nen Bun­des­re­gie­rung ge­erbt ha­ben. Die Ver­hand­lun­gen zur Grund­ren­te wur­de da­durch aber nicht ver­län­gert.

Die CDU hat­te auf ih­rem Ham­bur­ger Par­tei­tag be­schlos­sen, den Di­rekt­ver­si­cher­ten zu hel­fen, und auch die SPD hat zu­letzt mehr­fach ei­ne Lö­sung an­ge­kün­digt. Ge­mes­sen dar­an ist die jet­zi­ge Ei­ni­gung, die bis­her be­ste­hen­de Frei­gren­ze in ei­nen Frei­be­trag um­zu­wan­deln, ei­ne Mi­ni­mal­lö­sung. War­um sperrt sich die CDU da­ge­gen, dass die SPD den al­ten Feh­ler kom­plett kor­ri­giert?

Wir wol­len das Ver­trau­en in die be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge stär­ken. Wer fürs Al­ter vor­sorgt, darf da­für nicht be­straft wer­den. Da­her set­zen wir die Sen­kung der Kas­sen­bei­trä­ge zur Be­triebs­ren­te nun zü­gig zum 1. Ja­nu­ar 2020 um. Das Drit­tel der Be­triebs­rent­ner mit klei­nen Be­triebs­ren­ten zahlt gar kei­nen Bei­trag, ein wei­te­res knap­pes Drit­tel zahlt ma­xi­mal den hal­ben Bei­trag und das gu­te Drit­tel mit hö­he­ren Be­triebs­ren­ten

wird auch spür­bar ent­las­tet. Al­le Be­triebs­rent­ner ha­ben al­so et­was da­von. Das ist auch ein wich­ti­ges Si­gnal für die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on: Es lohnt sich, privat vor­zu­sor­gen.

Kön­nen Sie nach­voll­zie­hen, dass sich Di­rekt­ver­si­cher­te, die ih­re Ver­trä­ge vor 2004 ab­ge­schlos­sen ha­ben, von der Po­li­tik be­tro­gen füh­len?

Sie sind dem nach­ge­kom­men, was der Staat von ih­nen ver­lang­te: Sie ha­ben über das Maß der staat­li­chen Ren­te hin­aus Vor­sor­ge ge­trof­fen. Dass für die­se Leis­tun­gen zu­sätz­li­che Bei­trä­ge ab­ge­führt wer­den müs­sen, rich­te­te sich un­mit­tel­bar ge­gen ihr Ge­rech­tig­keits­ge­fühl. Den Un­mut dar­über ha­be ich nicht nur bei zahl­rei­chen Wahl­kampf­ver­an­stal­tun­gen ge­spürt, son­dern ich ken­ne auch im pri­va­ten Um­feld Men­schen, die durch die Re­ge­lung von 2004 schwer ent­täuscht wa­ren.

Die Ein­nah­me­aus­fäl­le sol­len zu­las­ten der Kran­ken­kas­sen ge­hen. Ist dar­über mit den Kas­sen schon ge­spro­chen wor­den?

Aus dem Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um ha­ben wir das Si­gnal, dass die Rück­la­gen des Ge­sund­heits­fonds aus­rei­chen.

Gel­ten die Neue­run­gen nur für künf­ti­ge Rent­ner?

Nein. Sie gel­ten ab dem 1. Ja­nu­ar 2020 für al­le Be­trof­fe­nen.

FO­TO: MICHA­EL REI­CHEL / DPA

Thü­rin­gens Cdu-vor­sit­zen­der Mi­ke Mohring hält die Ei­ni­gung in Sa­chen Di­rekt­ver­si­che­run­gen für ei­nen gu­ten Kom­pro­miss.

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