Wie sieht der Wald von mor­gen aus?

Wis­sen­schaft­ler über Fol­gen des Kli­ma­wan­dels im Hai­nich.mehr Un­ter­stüt­zung von der Lan­des­re­gie­rung ge­for­dert

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Unstrut-hainich - Von Alex­an­der Volkmann

Der Wald ist im Aus­nah­me­zu­stand und das er­for­dert be­son­de­res Han­deln, ist sich Na­tio­nal­park­lei­ter Man­fred Groß­mann si­cher. Des­halb sol­len mög­lichst vie­le Wis­sen­schaft­ler un­ter­schied­li­cher For­schungs­be­rei­che an ei­nen Tisch, um Ur­sa­chen zu er­for­schen und Lö­sungs­an­sät­ze für den Wald von mor­gen zu fin­den.

Das Baum­ster­ben kam in den nicht be­wirt­schaf­te­ten Wäl­dern des Na­tio­nal­parks Hai­nich und den an­gren­zen­den Wirt­schafts­wäl­dern un­er­war­tet. Die Fich­te wur­de von den Förs­tern schon ab­ge­schrie­ben. Auch der Bu­che, Haupt-baum­art in den Wäl­dern West­thü­rin­gens, ha­ben die bei­den Tro­cken­jah­re stark zu­ge­setzt. Die Schä­den sind nicht zu über­se­hen.

Rund 40 Wis­sen­schaft­ler aus ganz Deutsch­land be­schäf­tig­ten sich nun mit den Aus­wir­kun­gen des Kli­ma­wan­dels auf den Hai­nich. For­scher von acht Uni­ver­si­tä­ten und Hoch­schu­len, In­sti­tu­ten, Lan­des­äm­tern und Ak­teu­re aus Luft­und Raumfahrt ka­men da­zu auf

Ein­la­dung der Nationalpa­rkverwaltu­ng in Bad Lan­gen­sal­za zu­sam­men.

Der Na­tio­nal­park bie­tet mit sei­ner gro­ßen nut­zungs­frei­en Laub­wald­flä­che seit über 20 Jah­ren ei­ne gu­te For­schungs­ba­sis. Ne­ben der Do­ku­men­ta­ti­on des Ist-zu­stan­des soll es ge­lin­gen, die wei­te­re Ent­wick­lung im Wald zu be­ob­ach­ten, Ur­sa­chen zu ana­ly­sie­ren und Schlüs­se für den zu­künf­ti­gen Wald­bau in Wirt­schafts­wäl­dern zu zie­hen. Wie wir­ken sich bei­spiels­wei­se ver­än­der­te Kli­ma­be­din­gun­gen auf die na­tür­li­che Wald­ver­jün­gung aus und wel­che Stand­or­te sind an­fäl­lig für Kli­ma­ver­än­de­run­gen?

Ste­fan Brun­zel von der Fach­hoch­schu­le Erfurt sieht die Ge­le­gen­heit güns­tig für ei­nen Schul­ter­schluss zwi­schen Wal­d­um­welt­schüt­zern und Forst­wir­ten. Der Wirt­schafts­wald rückt mit der Initia­ti­ve des Na­tio­nal­parks wei­ter in den Fo­kus der Wis­sen­schaft. Dar­über zeig­te sich Dirk Fritz­lar, Lei­ter des For­st­am­tes Hai­nich-wer­ra­tal, er­freut. Der ge­sam­te Hai­nich sei bes­tens ge­eig­net, Ent­wick­lun­gen in un­be­wirt­schaf­te­ten und be­wirt­schaf­te­ten Wäl­dern zu ver­glei­chen. Be­reits in der Ver­gan­gen­heit ha­be es ähn­li­che Un­ter­su­chun­gen, bei­spiels­wei­se zur Ar­ten­viel­falt, ge­ge­ben und auch Ex­kur­sio­nen führ­ten in den letz­ten Jah­ren in die be­wirt­schaf­te­ten Bu­chen­ple­nter­wäl­der des mitt­le­ren Hai­nichs.

Ur­sa­chen­for­schung ist wich­tig

Fritz­lar sieht ei­nen mög­li­chen Un­ter­su­chungs­schwer­punkt in der star­ken Grund­was­ser­ent­nah­me am Fu­ße des Hai­nichs. Ob die­ser ei­nen Ein­fluss auf die Ent­wick­lung des Wal­des ha­be, müs­se ge­klärt wer­den. Laut Wal­din­ven­tur sei­en aus sei­nem For­st­amts­be­reich die Ge­bie­te um Lan­gu­la und Ober­dor­la am stärks­ten von den Schä­den in Bu­chen­be­stän­den be­trof­fen.

Im Na­tio­nal­park sind räum­li­che Schwer­punk­te an süd­li­chen und süd­west­li­chen Hang­la­gen aus­zu­ma­chen, al­ler­dings auch an Stel­len mit gu­ten Bö­den. Für die Wald­be­sit­zer sei die es­sen­zi­el­le Fra­ge, wie an­pas­sungs­fä­hig die Bu­che ist, so Fritz­lar, und wel­che ein­hei­mi­schen Ar­ten ihr Fol­gen könn­ten – die Ei­che

viel­leicht. Durch die Stö­rung sei viel in Gang ge­kom­men, er­klär­te Pro­fes­sor Chris­ti­an Ammer (Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen) vom For­schungs­bei­rat des Na­tio­nal­parks Hai­nich.

Das Baum­ster­ben sei für die For­schung ei­ne „Rie­sen-chan­ce“. Man­fred Groß­mann gibt zu, dass der Na­tio­nal­park ra­tio­nal kein Pro­blem mit dem Baum­ster­ben ha­ben dürf­te. „Na­tur, Na­tur sein las­sen“– so das Mot­to. Doch emo­tio­nal sei es schwer zu ver­kraf­ten, ei­ne 100 Jah­re al­te Bu­che in so kur­zer Zeit ster­ben zu se­hen.

Der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter des Na­tio­nal­parks, Rü­di­ger Biehl, ist der Auf­fas­sung, dass Ak­tio­nis­mus ge­ra­de we­nig hel­fe. „In kur­zer Zeit sind die Pro­ble­me nicht mit viel Geld zu lö­sen.“Ur­sa­chen­for­schung sei wich­tig, eben­so die Auf­klä­rung der Be­völ­ke­rung.

Ei­ne Me­tho­de, Da­ten zu er­he­ben und Wissen zu ver­mit­teln, ist die so­ge­nann­te Bür­ger­wis­sen­schaft. So könn­ten Wald­be­su­cher un­ter fach­kun­di­ger An­lei­tung bei­spiels­wei­se selbst Schä­den an Bäu­men er­mit­teln – nur ei­ne von vie­len Ide­en. „Es wur­de deut­lich, dass ei­ne In­ten­si­vie­rung von For­schung und Mo­ni­to­ring un­um­gäng­lich ist, um zu ei­nem bes­se­ren Ver­ständ­nis der Dy­na­mik na­tur­na­her Wäl­der in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels bei­zu­tra­gen“, sag­te Man­fred Groß­mann. Bei dem Work­shop sei­en in­ter­es­san­te Idee ent­wi­ckelt, span­nen­de Fra­gen auf­ge­wor­fen und Er­fah­run­gen aus­ge­tauscht wor­den, was bei der wei­te­ren Ar­beit sehr hel­fe. Be­reits jetzt ist ei­ne Fort­set­zung En­de Mai 2020 ge­plant, dann auf der West­sei­te des Na­tio­nal­parks.

Um ei­ne In­ten­si­vie­rung der For­schungs­ar­bei­ten zu er­mög­li­chen, for­der­ten die bei­den Spre­cher des For­schungs­bei­ra­tes, Pro­fes­sor Chris­ti­an Ammer (Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen) und Pro­fes­sor Kai Uwe Tot­sche (Uni­ver­si­tät Je­na), im Na­men der Teil­neh­mer in ei­nem Schrei­ben an die Lan­des­re­gie­rung die Be­reit­stel­lung von Per­so­nal und fi­nan­zi­el­len Mit­teln.

Na­tio­nal­park­lei­ter Groß­mann und For­st­amts­lei­ter Fritz­lar sind sich ei­nig, dass man erst am An­fang ei­ner Ent­wick­lung ste­he, die man im Au­ge be­hal­ten müs­se.

FOTO: ALEX­AN­DER VOLKMANN

Der stell­ver­tre­ten­de Na­tio­nal­park­lei­ter Rü­di­ger Biehl im Na­tio­nal­park Hai­nich.

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