Wie es sich in der DDR als Ju­de leb­te

Der ehe­ma­li­ge Pan­kow-sän­ger An­dré Herzberg zu Gast bei den Jü­disch-is­rae­li­schen Kul­tur­ta­gen in Mühl­hau­sen

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Unstrut-hainich - Von Clau­dia Bach­mann

Ver­leug­nen. Ver­ste­cken. Igno­rie­ren. So war es, wie die DDR mit in ih­rem Land le­ben­den Ju­den um­ging. So war es auch, wie die Ju­den leb­ten. Das The­ma be­leuch­te­te Mon­tag­abend An­dré Herzberg, der Sän­ger der Band Pan­kow. Ein Do­ku­men­tar­film über ihn und an­de­re Ju­den in der DDR, Le­sung und klei­nes Kon­zert wa­ren in­ner­halb der Jü­disch-is­rae­li­schen Kul­tur­ta­ge in der Ki­lia­ni­kir­che zu er­le­ben.

Von 180.000 Ju­den, die in den 1930ern in Ber­lin leb­ten, war de­ren Zahl bis zum En­de der DDR-ZEIT auf 400 ge­sun­ken, die Teil ei­ner Ge­mein­de wa­ren. Jü­di­sche Fried­hö­fe wur­den in den 1980ern ge­schän­det, die Neo-na­zi-sze­ne wuchs. The­ma war das in der DDR nicht.

Herz­bergs El­tern wa­ren 1947 aus Groß­bri­tan­ni­en zu­rück nach Ber­lin ge­kom­men. Je­ne Ju­den, die aus der Emi­gra­ti­on in die­sen Teil Deutsch­lands zu­rück­kehr­ten, ka­men, wie sei­ne El­tern, aus po­li­ti­schen und hu­ma­nis­ti­schen Mo­ti­ven, weil sie in ei­nem an­ti­fa­schis­ti­schen Staat le­ben woll­ten.

Dass er Ju­de ist, das er­fuhr Herzberg mit zehn Jah­ren – fast bei­läu­fig vom Groß­va­ter. „Mei­ne Mut­ter hat un­se­ren Be­kann­ten­kreis ge­nau durch­leuch­tet“, um ei­nen Hauch Ge­mein­sam­keit zu fin­den, er­in­nert Herzberg. In der DDR streng re­li­gi­ös-jü­disch zu le­ben, das sei nicht mög­lich ge­we­sen. Es ha­be in der gan­zen Re­pu­blik nur ei­ne ko­sche­re Flei­sche­rei ge­ge­ben. „Die meis­ten

Ju­den sind nur 3-Ta­ges-ju­den ge­we­sen, gin­gen nur zu den drei wich­tigs­ten Fei­er­ta­gen in die Sy­nago­ge.“

Dass vor und im Zwei­ten Welt­krieg mehr als sechs Mil­lio­nen Ju­den um­ka­men, er­fuhr man zwar aus den Schul­bü­chern, vie­les an­de­res aber nicht: „Da hieß es, dass sie um­ge­bracht wur­den, weil sie Wi­der­stands­kämp­fer wa­ren, nicht aber weil sie Ju­den sind.“

Wie die Auf­takt­ver­an­stal­tung der Kul­tur­ta­ge mit Mi­nis­ter­prä­si­dent Bo­do Ra­me­low (Lin­ke) und das Po­grom­ge­den­ken wur­de auch die­se Ver­an­stal­tung von der Po­li­zei be­wacht. Die Kul­tur­ta­ge bie­ten am Don­ners­tag, 14. No­vem­ber, ei­ne wei­te­re Ver­an­stal­tung: Um 19.30 Uhr geht es im Haus der Kir­che um das „Na­tur­ver­ständ­nis im Ju­den­tum von bi­bli­schen Zei­ten bis zum mo­der­nen Is­ra­el“.

FOTO: CLAU­DIA BACH­MANN

An­dré Herzberg sang und las in der Mühl­häu­ser Ki­lia­ni­kir­che. Als klei­ner Jun­ge er­fuhr er fast bei­läu­fig, dass er Ju­de ist.

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