Oh­ne Pau­se von Flens­burg in die Al­pen

Der Eichs­fel­der Da­ni­el Schlung be­rei­tet sich auf das „Race across Ger­ma­ny“über 1100 Ki­lo­me­ter vor

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Sport - Von Christian Ro­eben

Vor ihm liegt die größ­te Her­aus­for­de­rung sei­ner bis­he­ri­gen, be­reits durch­aus im­po­nie­ren­den, sport­li­chen Kar­rie­re: Im kom­men­den Som­mer will der Fret­t­er­öder Da­ni­el Schlung beim „Race across Ger­ma­ny“mit dem Rad non­stop von Flens­burg nach Gar­misch-par­ten­kir­chen fah­ren. Die Dis­tanz be­trägt 1100 Ki­lo­me­ter. Da­bei sind sat­te 7500 Hö­hen­me­ter zu­rück­zu­le­gen. „Das wird das längs­te Ren­nen sein, das ich bis­her ge­macht ha­be“, er­klärt der Eichs­fel­der.

Der Weg vom ho­hen Nor­den in den Sü­den ist noch 300 Ki­lo­me­ter län­ger als die Tour von Aa­chen nach Gör­litz, die Schlung in der Ka­te­go­rie „Sup­por­ted“, al­so mit Un­ter­stüt­zung, 2018 ge­win­nen konn­te. Da­mals be­nö­tig­te der Eichs­fel­der 29:18 St­un­den. Für die vom 3. bis 5. Ju­li 2020 an­ste­hen­de 1100-Ki­lo­me­ter-tour peilt er die 48-St­un­den­mar­ke an. Die Zeit ist dem 35-Jäh­ri­gen je­doch nicht so wich­tig. „Ein Platz auf dem Trepp­chen wä­re ein Er­folg“, sagt er.

Ziel be­fin­det sich an der ski­sprung­schan­ze

Ge­star­tet wird in Flens­burg „di­rekt am Was­ser“. Über die nord­deut­sche Tief­ebe­ne und das Mit­tel­ge­bir­ge geht es auch durch Hei­li­gen­stadt und schließ­lich ins Al­pen­vor­land und wei­ter bis an den Rand der Al­pen. Der End­spurt wird es für die Aus­dau­er­ath­le­ten noch ein­mal in sich ha­ben: Sie müs­sen nach mehr als 1000 Ki­lo­me­ter in den Bei­nen in Gar­misch-par­ten­kir­chen noch bis zur Ski­sprung­schan­ze hoch­fah­ren, wo sich das Ziel be­fin­det.

Da­mit Schlung sich da­bei ge­gen die Kon­kur­renz und den in­ne­ren Schwei­ne­hund best­mög­lich durch­set­zen kann, hat er in die­sem Jahr auf dem Rad be­reits gut 13.000 Ki­lo­me­ter be­wäl­tigt. Da­bei nutzt der 1,68 Me­ter-mann sei­ne Fahrt zur Ar­beits­stät­te als Trai­nings­ein­heit: Schlung, der als Fach-kran­ken­pfle­ger in der Psych­ia­trie des Göt­tin­ger Uni­k­li­ni­kums sein Geld ver­dient, legt den Weg in die Stu­den­ten­stadt und wie­der zu­rück in sei­nen Wohn­ort in die Pe­da­len tre­tend zu­rück, kommt so auf 600 und oft auch mehr Ki­lo­me­ter im Mo­nat.

Bis zu 15 St­un­den wö­chent­lich in­ves­tiert Schlung in sein Sport­pro­gramm: „Bei be­son­de­ren An­läs­sen kön­nen es auch mal mehr wer­den.“Sei­ne Aus­dau­er­ein­hei­ten tun nicht nur dem Kör­per des Fret­t­er­öders, son­dern auch sei­nem Kopf gut: „Man ver­bringt viel Zeit mit sich al­lein, be­kommt da­durch den Kopf von der Ar­beit frei.“

Manch­mal be­glei­tet ihn sei­ne Freun­din auch auf sei­nen Tou­ren. „Das ist dann für mich aber eher ei­ne Ent­schleu­ni­gungs­ein­heit“, er­klärt Schlung la­chend. Ih­re Un­ter­stüt­zung so­wie die der Fa­mi­lie sei­en für ihn je­doch enorm wich­tig, un­ter­streicht er: „An­sons­ten wä­ren sol­che Um­fän­ge gar nicht mög­lich.“Und so kommt es auch mal vor, dass sich der 35-Jäh­ri­ge mit dem Rad auf den Weg in ein aus­wär­tig ge­le­ge­nes Re­stau­rant be­gibt, wäh­rend Freun­din und Fa­mi­lie das Au­to neh­men. Oder er schiebt, „als be­las­ten­de Trai­nings­ein­heit für Kopf und Kör­per“un­mit­tel­bar nach der Nacht­schicht ei­ne 300-Ki­lo­me­ter-tour nach Ham­burg ein: „So konn­te ich den Sport und dort ein biss­chen ge­mein­sa­me Zeit mit der Fa­mi­lie su­per kom­bi­nie­ren.“Ist das Wet­ter mal nicht so gut, dann ver­bringt der Sport­ler zu­dem vie­le schweiß­trei­ben­de St­un­den auf dem Er­go­me­ter da­heim. Noch vor drei Jah­ren hät­te sich Schlung nicht vor­stel­len kön­nen, ein so lan­ges Ren­nen wie das von Flens­burg nach Gar­misch auf sich zu neh­men. „Ich mer­ke, dass ich an dem ge­wach­sen bin, was ich schon ge­macht ha­be“, be­grün­det er.

Und das kann sich se­hen las­sen. Der Mitt­drei­ßi­ger hält den Stre­cken­re­kord für den Wett­streit von Esch­we­ge nach Gar­misch (20,33 St­un­den für 540 Ki­lo­me­ter), war un­ter an­de­rem auch beim dies­jäh­ri­gen „Bim­bach Rad­ma­ra­thon“, bei dem er in zwei Ta­gen 415 Ki­lo­me­ter ab­sol­vier­te, und bei der Je­der­mann­deutsch­land­tour auf der Schluss­etap­pe nach Er­furt da­bei.

In Kas­sel trat Schlung jüngst für ei­nen gu­ten Zweck in ei­nem Fit­ness­stu­dio auf dem Fahr­ra­der­go­me­ter in die Pe­da­len. Sei­ne 722 Ki­lo­me­ter, für die er 21 St­un­den be­nö­tig­te, über­bot dort kei­ner der gut 520 Teil­neh­mer.

„dann muss ich mit dem bus zu­rück nach hau­se fah­ren“

Für das gro­ße Ren­nen im kom­men­den Som­mer will sich Schlung, der sämt­li­che Kos­ten aus ei­ge­ner Ta­sche be­zahlt, ein ex­tra ge­fer­tig­tes neu­es Renn­rad mit 22 Gän­gen an­fer­ti­gen las­sen. Kos­ten­punkt: cir­ca 3000 Eu­ro. Die Mam­mut-tour muss akri­bisch ge­plant wer­den: Die rich­ti­ge Ver­pfle­gung, die Schlung in Ta­schen an sei­nem Rad ver­stau­en will, ist eben­so ein Muss wie ent­spre­chen­de Orts­kennt­nis­se: „Ich wer­de mir vor­her an­gu­cken, wo es Tank­stel­len oder Su­per­märk­te gibt, um zwi­schen­durch schnell ein­kau­fen ge­hen zu kön­nen.“

Klei­ne­re Re­pa­ra­tu­ren muss Schlung sel­ber durch­füh­ren. Fa­tal wä­re ein ir­re­pa­ra­bler Rad­scha­den mit­ten auf dem Weg: „Dann muss ich mit dem Bus zu­rück nach Hau­se fah­ren.“

FO­TO: DA­NI­EL SCHLUNG

Viel und schnell auf dem rad un­ter­wegs: der fret­t­er­öder da­ni­el schlung will im kom­men­den som­mer von flens­burg nach gar­misch-par­ten­kir­chen oh­ne un­ter­stüt­zung 1100 ki­lo­me­ter non­stop zu­rück­le­gen.

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