Mit Leis­ten­bruch zum gro­ßen Tri­umph

Der St­rut­her Ro­land Rae­che wird in Mars­berg zum zwei­ten Mal deut­scher Meis­ter im Sport­schie­ßen

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Sport - Von Jochen Mey­er

Den 6. Ok­to­ber die­ses Jah­res wird Ro­land Rae­che noch lan­ge in Er­in­ne­rung be­hal­ten. An die­sem Sonn­tag wur­de der Zahn­arzt aus St­ruth im Un­st­rut-hai­nich-kreis er­neut deut­scher Meis­ter des Bun­des Deut­scher Mi­li­tär- und Po­li­zei­schüt­zen (BDMP) im Klein­ka­li­ber­ge­wehr mit Ziel­fern­rohr auf der Dis­tanz von 50 Me­tern im sau­er­län­di­schen Mars­berg.

Da­mit wie­der­hol­te der 60-Jäh­ri­ge sei­nen Tri­umph aus dem Vor­jahr an glei­cher Stät­te, als er sich erst­ma­lig beim Kampf um den be­gehr­ten Ti­tel ge­gen star­ke 60-fa­che Kon­kur­renz aus dem ge­sam­ten Bun­des­ge­biet durch­setz­te. Aber dies­mal stan­den die Ti­tel­kämp­fe un­ter ei­nem be­son­de­ren Vor­zei­chen für den Fa­mi­li­en­va­ter, denn er be­stritt die Wett­kämp­fe un­ter den Schwie­rig­kei­ten ei­nes Leis­ten­bruchs. „Da­her reis­te ich un­mit­tel­bar nach dem Schie­ßen zu­rück nach Thü­rin­gen, war­te­te die Sie­ger­eh­rung nicht ab“, er­zählt der ge­bür­ti­ge Sach­se aus Mei­ßen, der be­reits ei­nen Tag spä­ter im Eichs­feld-kli­ni­kum in Rei­fen­stein er­folg­reich ope­riert wur­de. Die Me­ri­ten in Form ei­ner Pla­ket­te und Ur­kun­de hol­te er erst Ta­ge spä­ter bei ei­nem Be­kann­ten in Er­furt ab, der sie für ihn in Emp­fang ge­nom­men hat­te.

Oh­ne gro­ßen Druck ge­schos­sen

„Ich ha­be nach der im Vor­jahr er­run­ge­nen Meis­ter­schaft dies­mal oh­ne gro­ßen Druck ge­schos­sen, da­her noch ein­mal mein gro­ßes sport­li­che Ziel er­reicht“, be­merkt der pas­sio­nier­te Ang­ler, der für sein zwei­tes gro­ßes Hob­by je­des Jahr ein­mal mit sei­ner Ehe­frau As­trid zu ei­nem drei­wö­chi­gen Ur­laub nach Nor­we­gen auf­bricht.

Grö­ße­re schieß­sport­li­che Am­bi­tio­nen wie die Teil­nah­me an Eu­ro­pao­der gar Welt­meis­ter­schaf­ten hat der St­rut­her, der schon 2017 Zwei­ter bei den deut­schen Meis­ter­schaf­ten wur­de, nicht mehr. „Ich ha­be mei­ner Frau ver­spro­chen, nur noch an Wett­kämp­fen teil­zu­neh­men, die ich mit dem Au­to er­rei­chen kann“, be­tont Ro­land Rae­che und er­gänzt, dass er sport­lich ge­se­hen nicht mehr der Jüngs­te und be­ruf­lich in sei­ner ei­ge­nen Pra­xis in St­ruth stark be­an­sprucht sei.

Deutsch­land­weit legt der sym­pa­thi­sche Sport­schüt­ze sein Ge­wehr, das ihm der be­kann­te Büch­sen­ma­cher­meis­ter Mar­tin Men­ke aus dem west­fä­li­schen Hei­den an­fer­tig­te, auf die Ziel­schei­be für die SG Ge­ra­l­eum­nitz an, mit des­sen Mann­schaft mit den bes­ten Thü­rin­ger Schüt­zen so­wie zwei Leip­zi­gern er schon meh­re­re Ma­le Deut­scher Meis­ter wur­de. Auf Kreis- und Lan­des­ebe­ne schießt Rae­che für sei­nen Hei­mat­ver­ein SV St­ruth, der be­reits 1863 ge­grün­det wur­de. In dem Schüt­zen­ver­ein mit sei­nen mo­men­tan 68 Mit­glie­dern küm­mert sich der Zahn­me­di­zi­ner ge­mein­sam mit dem Prä­si­den­ten Michael Schlothau­ser und des­sen Bru­der Volk­mar als In­ha­ber der not­wen­di­gen Ju­gend­ba­sis­li­zenz in sei­ner Frei­zeit um die 18 Kin­der und Ju­gend­li­chen un­ter 16 Jah­ren. „Wir ha­ben dar­un­ter ei­ni­ge Ta­len­te“, sagt Michael Schlothau­er als ehe­ma­li­ger Lan­des­meis­ter mit der Pis­to­le und nennt stell­ver­tre­tend den zehn­jäh­ri­gen Vin­cenz und sei­nen zwei Jah­re äl­te­ren Bru­der Ki­li­an Rich­ter.

„Wenn sach- und fach­ge­recht mit den Waf­fen um­geht, ist es ei­ne der si­chers­ten Sport­ar­ten oh­ne Ver­let­zungs­ge­fahr“, be­rich­tet Rae­che, der durch ei­nen Sport­leh­rer und die Ge­sell­schaft für Sport und Tech­nik (GST) in der sieb­ten und ach­ten Klas­se mit dem Schieß­sport in Be­rüh­rung

kam, wäh­rend sei­nes fünf­jäh­ri­gen Stu­di­ums aber kaum mehr Zeit für sein sport­li­ches Hob­by fand.

Erst da­nach mit dem Ein­tritt in den Schüt­zen­ver­ein in St­ruth re­ak­ti­vier­te er sein In­ter­es­se am Sport­schie­ßen mit der Pis­to­le und dem Ge­wehr, pro­fi­tier­te von den Un­ter­wei­sun­gen des heu­te 72-jäh­ri­gen Ha­rald Voll­mar als zwei­ma­li­gen Ge­win­ner der Sil­ber­me­dail­le mit der frei­en Pis­to­le bei Olym­pi­schen Spie­len und Trai­ner. „Er hat uns nach der Wen­de beim Schie­ßen mit den von der GST über­nom­me­nen Waf­fen sehr ge­hol­fen“, er­klärt Michael Schlothau­er.

Ro­land Rae­che wid­me­te sich nach sei­ner Ein­füh­rung im Jahr 2000 ganz dem neu­en Klein­ka­li­ber­ge­wehr

mit Ziel­fern­rohr. „Ich ha­be mir die Fein­hei­ten für die­sen Um­gang selbst bei­ge­bracht“, in­for­miert der zwei­fa­che Deut­sche Meis­ter im Ein­zel­schie­ßen mit be­rech­tig­tem Stolz und deu­tet auf die zahl­rei­chen Me­dail­len und Tro­phä­en un­ter an­de­rem auch von 42 Lan­des­meis­ter­schaf­ten in sei­nem Wohn­zim­mer, die er bis­her be­reits ge­sam­melt hat.

„Mit ei­ner ru­hi­gen Hand und gro­ßer Kon­zen­tra­ti­on muss man an den Schieß­stand ge­hen, braucht ei­ne gu­te Kon­di­ti­on, um die gro­ße psy­chi­sche Be­las­tung zu ver­kraf­ten“, nennt Ro­land Rae­che die wich­tigs­ten Fak­to­ren für sei­ne er­folg­rei­che Kar­rie­re im Schieß­sport und sagt ab­schlie­ßend, dass bei sämt­li­chen Wett­kämp­fen im­mer „der Kopf ge­winnt“.

FOTO: RAE­CHE

Ro­land Rae­che zeigt dem ta­len­tier­ten Nach­wuchs des SV St­ruth mit dem zehn­jäh­ri­gen Vin­cent Rich­ter (rechts) sei­ne gro­ßen Küns­te im Sport­schie­ßen mit dem Klein­ka­li­ber­ge­wehr mit Ziel­fern­rohr.

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