Ehe­ma­li­ge Par­la­men­ta­ri­er gut ver­sorgt

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Thüringen - Von El­mar Ot­to

Ob frei­wil­lig oder un­frei­wil­lig aus dem Land­tag aus­ge­schie­den, ehe­ma­li­ge Par­la­men­ta­ri­er fal­len fi­nan­zi­ell nicht ins Bo­den­lo­se. Ih­re Ver­sor­gung ist im Ver­gleich zu Be­schäf­tig­ten in der frei­en Wirt­schaft so­gar phä­no­me­nal, zu­mal ih­re Ren­te kom­plett aus Steu­er­gel­dern fi­nan­ziert wird. Ge­re­gelt ist das im Ab­ge­ord­ne­ten­ge­setz. Zu­nächst ha­ben die eins­ti­gen Volks­ver­tre­ter An­spruch auf Über­gangs­geld in Hö­he der Grund­ent­schä­di­gung. Das sind 5.802,86 Eu­ro brut­to mo­nat­lich. Die Dau­er des Be­zugs ist li­mi­tiert: Das Über­gangs­geld wird für das ers­te vol­le Jahr der Zu­ge­hö­rig­keit zum Land­tag drei Mo­na­te und für je­des wei­te­re vol­le Jahr je­weils ei­nen Mo­nat, ins­ge­samt höchs­tens zwölf Mo­na­te lang ge­währt. Das be­deu­tet, dass Ab­ge­ord­ne­te, die ei­ne fünf­jäh­ri­ge Le­gis­la­tur durch­ge­hal­ten ha­ben, nach dem Aus sie­ben Mo­na­te lang ih­re vol­le Di­ät er­hal­ten: Dar­un­ter fal­len un­ter an­de­rem die jetzt un­frei­wil­lig aus­ge­schie­de­nen Kris­tin Floß­mann, Marion Ro­sin, Jörg Thamm und Her­bert Wirk­ner (al­le CDU), Stef­fen Har­zer und Rai­ner Kräu­ter (bei­de Lin­ke), Os­kar Hel­me­rich und Frank War­ne­cke (bei­de SPD), der Grü­ne Ro­ber­to Ko­belt so­wie die Frak­ti­ons­lo­sen Sieg­fried Gen­te­le und Jens Krum­pe.

Min­des­tens sechs Jah­re Land­tags­zu­ge­hö­rig­keit sind nö­tig, um nach ak­tu­el­ler Recht­spre­chung An­spruch auf Al­ter­s­ent­schä­di­gung zu er­hal­ten – zahl­bar ab dem ge­setz­li­chen Ren­ten­ein­tritt mit zur­zeit 67 Jah­ren. Nor­ma­ler­wei­se, denn im Ge­setz steht auch: Mit je­dem wei­te­ren Jahr im Land­tag ent­steht der An­spruch auf Al­ter­s­ent­schä­di­gung ein Le­bens­jahr frü­her, frü­hes­tens je­doch mit der Voll­en­dung des 57.

Die Hö­he die­ser Ent­schä­di­gung be­trägt nach sechs Jah­ren 26 Pro­zent der Gr­und­di­ät, dem­nach gut 1500 Eu­ro im Mo­nat. Sie er­höht sich für je­des wei­te­re vol­le Jahr der Land­tags­mit­glied­schaft um drei Pro­zent bis zur Höchst­gren­ze von 71,75 Pro­zent (rund 4160 Eu­ro).

An­de­re Ver­gü­tun­gen aus öf­fent­li­chen Kas­sen wie Mi­nis­ter­be­zü­ge wer­den je­weils ver­rech­net, um ei­ne Dop­pelali­men­ta­ti­on aus öf­fent­li­chen Kas­sen zu ver­mei­den. So weit, so ein­deu­tig. Al­ler­dings wur­de das Ab­ge­ord­ne­ten­ge­setz mehr­fach ge­än­dert. Wer al­so be­reits seit der ers­ten Le­gis­la­tur 1990 im Land­tag sitzt, kommt in den Genuss ei­ner bes­se­ren Re­ge­lung. Er hat mit mehr als drei Jah­ren Zu­ge­hö­rig­keit ei­nen An­spruch auf 29 Pro­zent der letz­ten Di­ät. Ab dem fünf­ten Jahr wird die­ser Wert für je­des wei­te­res Man­dats­jahr um drei Pro­zent er­höht, bis bei 75 Pro­zent Schluss ist. Das Ein­tritts­al­ter liegt bei 55 Jah­ren.

Die­se üp­pi­ge Ver­sor­gung wird ger­ne da­mit be­grün­det, dass im nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung neu ge­grün­de­ten Thü­rin­gen für die­je­ni­gen, die den Sprung ins po­li­ti­sche Ge­schäft wag­ten, nicht si­cher war, ob sie den ge­setz­li­chen An­spruch auf Rück­kehr in ihr al­tes Be­rufs­le­ben wür­den rea­li­sie­ren kön­nen. Im­mer­hin wur­den vie­le Be­trie­be ab­ge­wi­ckelt. Die­ses Ri­si­ko soll­te ab­ge­mil­dert wer­den.

„Das Über­gangs­geld wird für das ers­te vol­le Jahr der Land­tags­zu­ge­hö­rig­keit drei Mo­na­te lang ge­währt.“Aus dem Ab­ge­ord­ne­ten­ge­setz

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