Pech­stein legt im Streit nach

Knatsch mit dem Bun­des­trai­ner: Deut­sche Eis­schnell­lauf-ge­mein­schaft am Schei­de­weg

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Sport - Von Ema­nu­el Rein­ke

Clau­dia Pech­stein wähl­te den Weg der Kon­fron­ta­ti­on. Schon vor dem zwei­ten Welt­cup der Eis­schnell­läu­fer im pol­ni­schen To­mas­zow Ma­zo­wiecki hat­te die fünf­ma­li­ge Olym­pia­sie­ge­rin zum er­neu­ten An­griff auf das sport­li­che Füh­rungs­per­so­nal der Deut­schen Eis­schnell­lauf-ge­mein­schaft (DESG) aus­ge­holt. Am Ran­de der Wett­kämp­fe nutz­te sie die Büh­ne für wei­te­re Kri­tik. Der kri­seln­de Ver­band kommt nicht zur Ru­he.

„Da ist ei­ne Ent­schul­di­gung fäl­lig“, sag­te Pech­stein im ZDF in Rich­tung des nie­der­län­di­schen Bun­des­trai­ners Erik Bouw­man. Die­ser ma­che sei­nen Job nicht, „wenn er die Aus­sa­ge trifft, dass er kei­nen Bock auf mich hat. Wenn Erik Bouw­man kei­nen Bock auf mich hat, ha­be ich auch kei­nen Bock auf ihn. Am En­de müs­sen wir al­le an ei­nem Strang zie­hen.“

Da­zu hat­te zu­letzt be­reits ei­ne Grup­pe um Ath­le­ten­spre­cher Mo­ritz Geis­rei­ter „aus Sor­ge um das Fort­be­ste­hen“der DESG auf­ge­ru­fen. Die In­itia­ti­ve zielt un­ter an­de­rem dar­auf ab, die öf­fent­li­che Wahr­neh­mung der Sport­art wie­der po­si­ti­ver zu ge­stal­ten und die Si­tua­ti­on des Ver­ban­des ei­ner trans­pa­ren­ten Ana­ly­se zu un­ter­zie­hen.

Wich­tig da­bei sei: Sen­si­ble The­men soll­ten in­tern be­spro­chen wer­den, öf­fent­li­che per­sön­li­che An­grif­fe „un­be­dingt der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren“. Auch „be­rech­tigt be­ste­hen­de per­sön­li­che Be­find­lich­kei­ten und Ver­let­zun­gen aus der Ver­gan­gen­heit“müss­ten zu­rück­ge­stellt wer­den. Pech­stein, die nach dem Zer­würf­nis mit Bouw­man in Po­len trai­niert, lob­te das Gre­mi­um „DESG – ge­mein­sam ret­ten“; die In­itia­ti­ve sei „ein ers­ter Er­folg, zum Er­halt un­se­res schwer an­ge­schla­ge­nen Ver­ban­des“. Selbst­ver­ständ­lich ste­he das Team Pech­stein für ei­nen Dia­log zur Ver­fü­gung. Al­len Ap­pel­len

der Re­for­mer kam Pech­stein mit ih­rem neu­er­li­chen Vor­stoß da­bei aber nicht nach. Der Deut­sche Olym­pi­sche Sport­bund (DOSB) be­trach­tet die Ent­wick­lung im einst ruhm­rei­chen Ver­band der­weil mit gro­ßer Sor­ge. „Es müs­sen jeg­li­che Ego­is­men in den Hin­ter­grund. Es muss Be­reit­schaft da sein, je­den Stein ein­mal um­zu­dre­hen. Nur bei ei­ner scho­nungs­lo­sen Ana­ly­se wird es ge­lin­gen, Schritt für Schritt in ei­ne bes­se­re Zu­kunft zu kom­men“, sag­te Dosb-prä­si­dent Al­fons Hör­mann. Fakt ist: Die sport­li­che Tal­fahrt des DESG hat sich zum Sai­son­start eher be­schleu­nigt.

Beim Welt­cup-auf­takt in Minsk hat­te Pech­stein als Neun­te im Mas­sen­start für das bes­te Ein­zel­er­geb­nis

ge­sorgt, zum Ab­schluss der Welt­cup­ren­nen in Po­len er­kämpf­te sie mit ei­nem sechs­ten Platz im Mas­sen­star­t­ren­nen das bis­her bes­te Sai­son-re­sul­tat der deut­schen Eis­schnell­läu­fer. An­de­re Hoff­nungs­trä­ger wie Sprin­ter Ni­co Ih­le oder Langstre­cken­spe­zia­list Patrick Be­ckert aus Er­furt ru­fen ihr Po­ten­zi­al noch nicht ab. Po­dest­plät­ze sind der­zeit au­ßer Reich­wei­te.

Desg-sport­di­rek­tor Mat­thi­as Ku­lik, der ne­ben Bouw­man im Zen­trum von Pech­steins Kri­tik steht, reich­te der Ber­li­ne­rin die Hand. „Ich möch­te Clau­dia zu ih­rem Er­folg hier gratuliere­n. Sie ge­hört bei uns zu den Leis­tungs­trä­ge­rin­nen“, sagt er mit Blick auf Pech­steins 3000-Me­ter-ren­nen. Er ha­be

Ver­ständ­nis, dass sie sich „per­sön­lich an­ge­grif­fen“ge­fühlt ha­be: „Wir müs­sen schau­en, dass wir das The­ma in ei­nem per­sön­li­chen Ge­spräch, das wir Clau­dia an­bie­ten, vom Tisch krie­gen. Das ist mir wich­tig.“Mit an Bord im pol­ni­schen Team war auch Pech­steins Le­bens­ge­fähr­te Mat­thi­as Gro­ße, den sie als neu­en Ver­bands­prä­si­den­ten ins Spiel ge­bracht hat­te.

Gro­ße, der nach kri­ti­schen Äu­ße­run­gen aus dem Be­treu­er­stab der Na­tio­nal­mann­schaft ge­stri­chen wor­den war, er­klär­te da­zu: „Wir brau­chen kei­nen So­zi­al­ro­man­ti­ker, son­dern je­man­den, der re­for­miert. Wenn man mit mir spre­chen will, bin ich be­reit. Und wenn man nicht will, bin ich eben nicht be­reit.“

FO­TO: IMA­GO

Clau­dia Pech­stein ge­wann in Po­len das 3000-Me­ter-ren­nen der B-grup­pe und schaff­te den Sprung in die Top 12 beim Welt­cup in zwei Wo­chen im ka­sa­chi­schen Nur-sul­tan auf ih­rer Spe­zi­al­stre­cke über 5000 Me­ter.

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