Thü­rin­ger auf Ärz­te­lis­te für Schwan­ger­schafts­ab­brü­che

Sechs Mo­na­te nach Start des In­for­ma­ti­ons­an­ge­bo­tes der Bun­des­ärz­te­kam­mer sind neun Pra­xen und Kli­ni­ken im Frei­staat ab­ruf­bar

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Thüringen - Von Han­no Mül­ler www.fa­mi­li­en­pla­nung.de

In Thü­rin­gen ha­ben sich bis­lang neun gy­nä­ko­lo­gi­sche Pra­xen oder Kli­ni­ken auf der On­line-lis­te ein­tra­gen las­sen, mit der die Bun­des­ärz­te­kam­mer über me­di­zi­ni­sche An­ge­bo­te zu Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen in­for­miert.

Nach Re­cher­chen un­se­rer Zei­tung han­delt es sich um Kli­ni­ken in Altenburg, Apol­da und Greiz so­wie um Pra­xen in Ei­se­nach, Er­furt, Jena, Ohr­d­ruf und Wei­mar.

An­ge­ge­ben sind Kon­takt­mög­lich­kei­ten so­wie In­for­ma­tio­nen da­zu, ob Schwan­ger­schafts­ab­brü­che me­di­ka­men­tös und/oder ope­ra­tiv vor­ge­nom­men wer­den. Die un­ter der Re­gie der Bun­des­ärz­te­kam­mer (BÄK) ge­führ­te Lis­te ist Teil der Re­form des Pa­ra­gra­fen 219a zum Wer­be­ver­bot für Schwan­ger­schafts­ab­brü­che. Nach ei­nem Ge­richts­ur­teil ge­gen ei­ne Gy­nä­ko­lo­gin hat das im Fe­bru­ar ver­ab­schie­de­te 219a-ge­setz fak­tisch wei­ter Be­stand. Über das In­for­ma­ti­ons­por­tal un­ter www.fa­mi­li­en­pla­nung.de sol­len Pra­xen und Kli­ni­ken aber zu­min­dest dar­über in­for­mie­ren kön­nen, dass sie Schwan­ger­schafts­ab­brü­che vor­neh­men. Nach der Frei­schal­tung der Lis­te im Som­mer hat­te es Kri­tik ge­ge­ben, dass zu­nächst nur we­ni­ge Ärz­te aus we­ni­gen Re­gio­nen ver­merkt wer­den. Der Thü­rin­ger Lan­des­ver­band Pro Fa­mi­lia, der in meh­re­ren Thü­rin­ger Städ­ten Schwan­ger­schafts­kon­flikt­be­ra­tungs­stel­len un­ter­hält, so­wie Frau­en­ver­bän­de be­män­gel­ten, dass die lü­cken­haf­te Lis­te Frau­en in Not­la­gen nicht hel­fe.

Aus der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung auf ei­ne klei­ne An­fra­ge der FDP vom Sep­tem­ber, über die die Ärz­te­zei­tung zu­erst be­rich­te­te, geht nun her­vor, dass sich die An­zahl der Ein­trä­ge auf der Lis­te von an­fangs 87 auf 215 Ein­trä­gen aus nun­mehr al­len Bun­des­län­dern mehr als ver­dop­pelt hat. Wei­te­re An­trä­ge be­fän­den sich be­reits im Ve­ri­fi­zie­rungs­ver­fah­ren.

Die Auf­nah­me in die Lis­te ist frei­wil­lig, ei­ne flä­chen­de­cken­de Ab­fra­ge der BÄK al­ler in­fra­ge kom­men­der Ärz­tin­nen und Ärz­te so­wie Kran­ken­häu­ser und Ein­rich­tun­gen sei nicht vor­ge­se­hen. Mög­li­che Vor­be­hal­te, sich in die Lis­te ein­tra­gen zu las­sen, be­grün­de­ten Gy­nä­ko­lo­gen auch da­mit, dass sie be­fürch­te­ten, an den Pran­ger ge­stellt oder von Ab­bruch­geg­nern at­ta­ckiert zu wer­den.

Auf Nach­fra­ge sag­te ei­ne auf der Lis­te ver­merk­te Thü­rin­ger Frau­en­ärz­tin, die nicht na­ment­lich ge­nannt wer­den will, sie sei ei­nem Auf­ruf des Thü­rin­ger Be­rufs­ver­ban­des

ge­folgt. Leicht ha­be sie sich den Ein­trag nicht ge­macht. Ei­ne Vor­aus­set­zung für nie­der­ge­las­se­ne Gy­nä­ko­lo­gen sei bei­spiels­wei­se, dass sie auch am­bu­lant ope­rie­ren. „Ich ma­che das, weil ich Frau­en in die­ser Si­tua­ti­on hel­fen möch­te. Män­ner zie­hen sich oft aus der Af­fä­re und las­sen die Frau­en mit der Ent­schei­dung al­lein. Als Frau­en­ärz­tin se­he ich mich hier in der Ver­ant­wor­tung“, so die Me­di­zi­ne­rin.

Ei­ne wei­te­re Ärz­tin teil­te mit, sie ha­be sich be­reits im Som­mer ge­mel­det: „Schein­bar be­steht das Pro­blem bei der BÄK, die Lis­ten or­dent­lich zu füh­ren und nicht bei den Thü­rin­ger Gy­nä­ko­lo­gen“.

FOTO: J. BÜTT­NER / DPA

In­fo­hef­te zum The­ma Schwan­ger­schafts­ab­bruch.

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