Die Angst vor Strah­lung ist groß

Neue Um­fra­ge zeigt die Sor­gen der Deut­schen – ge­fähr­li­ches Ra­don wird un­ter­schätzt

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Politik - Von Kers­tin Müns­ter­mann

Strah­lung ist un­sicht­bar. Egal ob Kern­kraft, Ra­don, Han­dy oder Son­ne – je­der Mensch ist Strah­lung aus­ge­setzt. Doch wie hoch ist die Ge­fahr wirk­lich? Und was wis­sen die Men­schen dar­über? Ei­ne Um­fra­ge des Bun­des­amts für Strah­len­schutz (BFS), die am Mitt­woch vor­ge­stellt wur­de, er­nüch­tert: Dem­nach wis­sen vie­le Deut­sche nicht, was die wich­tigs­ten Quel­len für Strah­lung im All­tag sind und was für sie ge­fähr­lich sein könn­te.

Die Deut­schen ver­bin­den den Be­griff Strah­lung der­zeit vor al­lem mit Mo­bil­funk und Kern­kraft. Be­un­ru­higt sind die Men­schen da­bei am meis­ten von der Kern­kraft: Fast drei von vier Be­frag­ten (73,9 Pro­zent) sag­ten, dass sie das The­ma ra­dio­ak­ti­ve Strah­lung durch Kern­kraft­wer­ke „sehr“oder „eher“be­un­ru­hi­ge. Mehr als je­der Zwei­te (51,4 Pro­zent) macht sich Sor­gen um Strah­lung von Mo­bil­funk­mas­ten, fast eben­so vie­le (51 Pro­zent) über Han­dys und Ta­blets.

Die Ge­fahr durch Ra­don wird deut­lich un­ter­schätzt

Da­ge­gen ma­chen sich nur knapp 23 Pro­zent Sor­gen über Ra­don in der Um­welt. Der Be­fund ist auf­fäl­lig, denn das Edel­gas Ra­don wird stark un­ter­schätzt. Da­bei ist es nach dem Rau­chen zweit­häu­figs­te Ur­sa­che von Lun­gen­krebs. Rund 1900 Men­schen ster­ben pro Jahr in Deutsch­land durch Ra­don. Vie­le Men­schen wüss­ten das gar nicht, auch die Ge­fah­ren durch Ra­don et­wa in Woh­nun­gen sei­en nicht aus­rei­chend be­kannt, stell­te das BFS fest.

Das in der Na­tur vor­kom­men­de ra­dio­ak­ti­ve Edel­gas ent­steht im Erd­reich und kann von dort in In­nen­räu­me ge­lan­gen. Es ist nicht zu se­hen, zu rie­chen oder zu schme­cken. Ein Schwel­len­wert, un­ter­halb des­sen das Gas mit Si­cher­heit un­ge­fähr­lich ist, sei nicht be­kannt.

Die Prä­si­den­tin des Bun­des­am­tes für Strah­len­schutz, In­ge Pau­li­ni, sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Nach un­se­ren Er­kennt­nis­sen nei­gen

Men­schen da­zu, Ri­si­ken aus­zu­blen­den, wenn man die­se ein­fach igno­rie­ren kann. Es gibt im per­sön­li­chen Um­feld nie­man­den, der von Er­kran­kun­gen durch Ra­don be­rich­ten kann, weil der di­rek­te Zu­sam­men­hang meist nicht her­ge­stellt wird. Wir müs­sen hier wei­ter auf­klä­ren.“

Der­zeit lau­fe ei­ne Stu­die, bei der deutsch­land­weit in 6000 Haus­hal­ten die Ra­don­be­las­tung ge­mes­sen wür­de. „Auch von den ak­tu­ell lau­fen­den Mess­kam­pa­gnen der Bun­des­län­der ver­spre­chen wir uns mehr Auf­merk­sam­keit für das The­ma.“Als Ge­gen­maß­nah­me emp­fiehlt die Be­hör­de Bür­gern, re­gel­mä­ßig zu lüf­ten und un­dich­te Stel­len in Kel­ler und Erd­ge­schoss ab­dich­ten zu las­sen. Um­welt-staats­se­kre­tär Jo­chen Flas­barth er­gänz­te, wenn es ei­nen Stör­fall im Kern­kraft­werk ge­be, sei das „al­les auf den Kopf ge­stellt“. Die Ent­schei­dung, we­gen der Ri­si­ken aus der Atom­kraft

aus­zu­stei­gen, wer­de mit der Stu­die nicht re­la­ti­viert.

Auch bei der Strah­lungs­be­las­tung durch die Di­gi­ta­li­sie­rung klafft laut BFS ei­ne Lü­cke: Nur et­was mehr als die Hälf­te der Be­frag­ten (56,9 Pro­zent) weiß, dass man als durch­schnitt­li­cher Nut­zer Han­dy­strah­lung stär­ker aus­ge­setzt ist als der von Sen­de­mas­ten. Je­der Zwei­te (49,2 Pro­zent) glaubt, dass Han­dy­strah­lung das Erb­gut schä­di­gen kann – „fälsch­li­cher­wei­se“, wie das Bun­des­amt be­tont. Fast eben­so vie­le Men­schen (48,7 Pro­zent) füh­len sich durch staat­li­che Ein­rich­tun­gen vor Mo­bil­funk­an­la­gen „über­haupt nicht“und „eher nicht“gut ge­schützt. Mehr als 35 Pro­zent ga­ben an, es ma­che ih­nen Sor­gen, dass sie „über­all von Strah­lung um­ge­ben“sei­en, je­der Drit­te glaubt, die Strah­len­be­las­tung sei zu hoch. Knapp 70 Pro­zent der Deut­schen sind der An­sicht, die Strah­len­be­las­tung in Deutsch­land sei in den letz­ten Jah­ren stark oder et­was an­ge­stie­gen.

Uv-strah­lung durch Son­nen­licht emp­fin­den 56 Pro­zent der Deut­schen der Um­fra­ge zu­fol­ge als be­un­ru­hi­gen­des The­ma, über die Strah­lung von Hoch­span­nungs­lei­tun­gen zeig­ten sich 38,5 Pro­zent be­un­ru­higt. Reicht die Auf­klä­rung über die Ri­si­ken der Son­ne aus? Pau­li­ni ist zu­ver­sicht­lich: „Schon seit Jah­ren hört man im­mer wie­der, dass zu viel Son­nen­ba­den die Haut krank macht. Vie­le Men­schen ha­ben das nun an­schei­nend ver­in­ner­licht und ge­ben an, dass sie sich mit Son­nen­milch ein­cre­men oder lan­gen Auf­ent­halt in der Son­ne ver­mei­den. Das sind mehr als 80 Pro­zent.“

FO­TO: IMA­GO

Ein Mast mit Mo­bil­funk­an­ten­nen. Vie­le Men­schen füh­len sich von de­ren Strah­lung be­droht.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.