Ein­satz für Tex­til­ar­bei­te­rin­nen wird ge­wür­digt

Frank Or­sch­ler von Kö­nigsee Im­plan­ta­te ge­winnt den Ernst-ab­be-preis für in­no­va­ti­ves Un­ter­neh­mer­tum

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Erste Seite - Von Ti­no Zippel www.ko­enigsee-im­plan­ta­te.de

„Es ist wich­tig, uns über den per­sön­li­chen Kon­sum hin­aus für Ve­rän­de­run­gen ein­zu­set­zen“, sagt Kat­ha­ri­na Edin­ger von Fem­net. Ihr Ver­ein setzt sich für fai­re Klei­dungs­pro­duk­ti­on ein. Aus die­sem Grund er­hält Fem­net an die­sem Sams­tag in Er­furt den Ket­te­ler­preis der Ka­tho­li­schen Ar­bei­ter­be­we­gung. Fem­net macht mit Kam­pa­gnen auf­merk­sam und sam­melt Spen­den, um Ge­werk­schaf­ten und Ar­beits­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen in In­di­en und Ban­gla­desch zu un­ter­stüt­zen.

Frank Or­sch­ler lä­chelt, als er sagt: „Wenn al­le war­ten, bis es ein an­de­rer macht, fängt kei­ner an. Un­ter­neh­mer­tum heißt, et­was vor­zu­ma­chen, da­mit es an­de­re nach­ma­chen.“Das ist das Cre­do des 58Jäh­ri­gen, der seit 2004 die Ge­schäf­te von Kö­nigsee Im­plan­ta­te führt. Im Un­ter­neh­men wie auch privat gilt er als Vor­rei­ter – und be­kam jetzt in Wei­mar den Ernst-ab­bep­reis für in­no­va­ti­ves Un­ter­neh­mer­tum. Die Aus­zeich­nung war ein Hö­he­punkt der Ver­lei­hung des 22. In­no­va­ti­ons­prei­ses Thü­rin­gen.

Am Ran­de von Aschau im Land­kreis Saal­feld-ru­dol­stadt hat­te einst sein Va­ter Erich Or­sch­ler die Pro­duk­ti­ons­stät­te von Kö­nigsee Im­plan­ta­te an­ge­sie­delt. Der Hoechs­tvor­ru­he­ständ­ler hat­te den Tipp er­hal­ten, dass die Tra­di­ti­on des Im­plan­ta­te-baus in Kö­nigsee vor dem Aus steht. Ein fran­zö­si­scher In­ves­tor hat­te viel Geld von der Treu­hand ab­ge­zo­gen, aber letzt­lich nur we­nig In­ter­es­se an der Fer­ti­gung in Ost­deutsch­land ge­habt.

Or­sch­ler Se­ni­or – da­mals so alt wie der Sohn heu­te – wag­te mit 58 Jah­ren den Ein­stieg. Die Ban­ken lehn­ten zwar ei­nen Kre­dit ab, er be­geis­ter­te aber ei­ne In­ves­to­rin für das Pro­jekt. Die Ma­schi­nen stan­den un­ter gro­ßen Re­gen­schir­men. Das Hal­len­dach war un­dicht. Es muss­te neu ge­baut wer­den. Frank Or­sch­ler trat 2002 ins Un­ter­neh­men ein, ver­vier­fach­te den Jah­res­um­satz auf 20 Mil­lio­nen Eu­ro und kauf­te die Fir­ma sei­nem Va­ter 2010 ab. „Ich bin der fes­ten Über­zeu­gung, dass man sich im­mer selbst hin­ter­fra­gen muss. Ist das, was ich mor­gen ma­chen will, noch zeit­ge­mäß?“, nennt Frank Or­sch­ler ei­ne der Fra­gen, die er sich re­gel­mä­ßig stellt. Zwar kön­ne dem Prin­zip nicht je­der Mit­ar­bei­ter fol­gen, aber das sei die Grund­la­ge für In­no­va­ti­on.

Ein Bei­spiel: Jah­re­lang heiz­te das Un­ter­neh­men am Wo­che­n­en­de die Pro­duk­ti­ons­stät­te mit Gas. Die Ma­schi­nen brau­chen gleich­blei­ben­de Tem­pe­ra­tu­ren, um mon­tags wie­der mit höchs­ter Prä­zi­si­on zu star­ten. In­zwi­schen spei­chert Kö­nigsee Im­plan­ta­te un­ter der Wo­che die Ab­wär­me des Ma­schi­nen­parks in ei­nem Was­ser­tank und heizt da­mit am Wo­che­n­en­de. Der Gas­ver­brauch hat sich ra­pi­de re­du­ziert. Und: An ei­nem Teil des Wo­che­n­en­des schlei­fen Ro­bo­ter aus Me­tall­blö­cken Im­plan­ta­te für den mensch­li­chen Kör­per. Die Thü­rin­ger ha­ben sich in die Ent­wick­lung der Spe­zi­al­ma­schi­nen ein­ge­bracht, um das Ma­te­ri­al best­mög­lich aus­zu­nut­zen. Meist pro­gram­mie­ren die Mit­ar­bei­ter für die mann­lo­sen Schich­ten be­son­ders kom­pli­zier­te Tei­le. Ge­fragt sind die Stü­cke in 20 Län­dern, um je­de Art von Kno­chen­brü­chen zu ver­sor­gen.

Die Po­li­tik stellt die Bran­che vor Her­aus­for­de­run­gen. Künf­tig müs­sen Im­plan­ta­te mehr­fach in Plas­tik­tü­ten und Kar­tons ver­packt wer­den, um die Tei­le ste­ril ins Kran­ken­haus zu lie­fern. Das La­ger­vo­lu­men er­höht sich um das Sechs­fa­che, wie Or­sch­ler sagt. Nur woll­te er sich nicht mit ei­nem La­ger auf dem Grund­stück spä­te­re Ex­pan­si­ons­mög­lich­kei­ten der Fer­ti­gung neh­men. Gu­te Er­fah­run­gen hat­te er schon beim Ge­bäu­de­re­cy­cling im ei­ge­nen Ge­wer­be­ge­biet ge­sam­melt: Ei­ne ehe­ma­li­ge Flei­sche­rei be­her­bergt nun die Gal­va­nik.

In Kö­nigsee stand ein ehe­ma­li­ger Ein­kaufs­markt zum Ver­kauf. Der Stand­ort bot die Chan­ce, dass Mit­ar­bei­ter aus Kö­nigsee nicht mehr aufs Au­to an­ge­wie­sen sind und der Kin­der­gar­ten für den Nach­wuchs nicht weit ist. „Doch bei die­sem Ge­bäu­de ha­be ich mich ver­kal­ku­liert“, sagt Or­sch­ler. Ein­kaufs­märk­te sind spär­lich über­dach­te Markt­plät­ze. Zu­dem mach­ten neue Be­stim­mun­gen für De­cken­las­ten qua­si ei­nen Neu­bau nö­tig. Die In­ves­ti­ti­on ver­dop­pel­te sich auf zwei Mil­lio­nen Eu­ro. Da­für er­füllt das Ge­bäu­de nun mit De­cken­hei­zung und De­cken­küh­lung mo­derns­te An­sprü­che. Glei­ches gilt für sein Wohn­haus, in dem ei­ne Brenn­stoff­zel­le das Gas in Wär­me und Strom zer­legt. Den erst­ma­li­gen Ein­satz von Dach­zie­geln, die zugleich als So­lar­zel­len die­nen, ver­hin­der­ten die Be­hör­den in Er­furt. Sie glänz­ten zu sehr, hieß es in der Ab­leh­nung. Or­sch­ler lässt sich nicht ent­mu­ti­gen. Sein Vor­bild ist Elon Musk. Wäh­rend die deut­sche Au­to­in­dus­trie lan­ge Elek­tro­mo­bi­li­tät we­gen der Reich­wei­ten-angst zu­rück­hielt, ha­be Musk ein flä­chen­de­cken­des La­de­netz ge­schaf­fen, um sei­ne Tes­lafahr­zeu­ge ab­zu­set­zen. Ein sol­ches steht bei Or­sch­ler, ei­nem über­zeug­ten Elek­tro­mo­bi­lis­ten der ers­ten St­un­de, in der Ga­ra­ge.

Nach­denk­lich wird er, als er über die neue Me­di­zin­pro­duk­te-ver­ord­nung spricht, die in ei­nem stren­gen Zu­las­sungs­ver­fah­ren auch ei­ne nach­träg­li­che Markt­be­ob­ach­tung für al­le Pro­duk­te ver­langt. Das trifft auch Ni­schen­pro­duk­te, von de­nen Kö­nigsee Im­plan­ta­te nur we­ni­ge pro Jahr ab­setzt, bei­spiels­wei­se Im­plan­ta­te für Kin­der mit Glas­kno­chen­krank­heit. Der Zu­las­sungs­auf­wand über­steigt den Um­satz. „Die Pro­duk­te rech­nen sich nicht mehr.“Kö­nigsee Im­plan­ta­te will auch die­se Her­aus­for­de­rung meis­tern.

Wie er es schafft, in­no­va­tiv zu blei­ben? „Man muss ein biss­chen ver­rückt sein“, sagt der Chef von 191 Be­schäf­tig­ten. Er setzt schon in der Leh­re auf Ex­zel­lenz. Als der Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner ab­sprang, grün­de­te er 2009 ein Aus­bil­dungs­zen­trum im ehe­ma­li­gen Fe­ri­en­heim im Orts­teil Un­ter­schö­bling. Der An­spruch: Stets soll­te ei­ner der Aus­zu­bil­den­den zu den bes­ten im Kam­mer­be­zirk zäh­len. „Das ist bis heu­te ge­lun­gen“, sagt Or­sch­ler stolz.

FO­TOS (2): TI­NO ZIPPEL

Aus­ge­zeich­net: Frank Or­sch­ler führt seit 2004 die Ge­schäf­te von Kö­nigsee Im­plan­ta­te.

Si­mo­ne Bock ge­hört zu den 191 Mit­ar­bei­tern der Fir­ma. Hier po­liert sie ei­ne Plat­te.

FO­TO: SA­SCHA FROMM

Am Mitt­woch er­hielt Frank Or­sch­ler den Ernst-ab­bep­reis für in­no­va­ti­ves Un­ter­neh­mer­tum.

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