Um­zug für Lin­den­aus Schatz­kam­mer

Nächs­te Wo­che zieht das Mu­se­um in ein In­te­rims­quar­tier. Die Sa­nie­rung be­ginnt am 6. April

Thüringische Landeszeitung (Unstrut-Hainich-Kreis) - - Kultur & Freizeit - Von Wolf­gang Hirsch www.lin­denau-mu­se­um.de

Ge­ra­de ein Jahr nach der Fi­nan­zie­rungs­zu­sa­ge über 48 Mil­lio­nen Eu­ro wird es schon ernst mit der Sa­nie­rung des Lin­denau-mu­se­ums Al­ten­burg. Wie Di­rek­tor Roland Krisch­ke jetzt auf Nach­fra­ge mit­teil­te, star­tet der Um­zug in In­te­rims­un­ter­künf­te in der In­nen­stadt be­reits in der Ni­ko­laus­wo­che. Bis Früh­jahr soll der his­to­ri­sche Pracht­bau von an­no 1876 leer­ge­zo­gen sein und am 6. April 2020 die kon­kre­te Bau­maß­nah­me be­gin­nen.

Ei­ne Bau­ge­neh­mi­gung ge­be es zwar noch nicht, kon­ze­diert der aler­te Mu­se­ums­mann. Der An­trag wer­de An­fang des neu­en Jah­res ge­stellt. Of­fen­bar gilt die­ser Teil des Ver­fah­rens nur noch als Form­sa­che; Bau­herr ist der Land­kreis Al­ten­bur­ger Land als Ei­gen­tü­mer der Im­mo­bi­lie. Des­halb hat Krisch­ke auch die kom­plet­te Bau­pla­nung im Ver­ein mit dem Land­rats­amt ab­sol­viert – und ist sehr er­freut über die ef­fi­zi­en­te und frucht­ba­re Zu­sam­men­ar­beit. Nicht nur der Zeit­plan steht fest, son­dern es sei­en auch be­reits Ge­wer­ke aus­ge­schrie­ben und ver­ge­ben. Und am 1. April 2023 will Krisch­ke das re­stau­rier­te und um­ge­bau­te Lin­denau-mu­se­um wie­der­er­öff­nen – mit ei­ner ful­mi­nan­ten Kunst-aus­stel­lung.

Da­mit le­gen die Ost­thü­rin­ger ein be­mer­kens­wer­tes Tem­po vor. Von der 60-Mil­lio­nen-eu­ro-of­fer­te zur Sa­nie­rung von Schloss Frie­den­stein hat­te es bis zum Baustart in Go­tha fast drei­ein­halb Jah­re ge­dau­ert; die Klas­sik-stif­tung Wei­mar be­nö­tig­te von der Fi­nan­zie­rungs­zu­sa­ge für ih­ren Mas­ter­plan bis zum Baustart im Re­si­denz­schloss so­gar län­ger als ein Jahr­zehnt. Roland Krisch­ke räumt al­ler­dings ein, dass mit dem Wie­der­ein­zug 2023 ins Mu­se­um nur der ers­te Schritt des Vor­ha­bens ge­schafft sein wird. Da­nach soll der Mar­stall, der zur­zeit aus städ­ti­schem Ei­gen­tum an den Land­kreis über­tra­gen wird, sa­niert und zum De­pot um­ge­baut wer­den – wenn al­les gut geht, bis spä­tes­tens 2027.

Schon nächs­te Wo­che zie­hen der Di­rek­tor und sein Team mit ih­ren Bü­ros um, und ab Mit­te De­zem­ber set­zen sie ih­re kost­ba­ren Kul­tur-ob­jek­te in Be­we­gung. Die neue Adres­se heißt Kunst­gas­se 1; da­hin­ter ver­birgt sich ein neu­mo­di­sches Ein­kaufs­zen­trum in Al­ten­burgs In­nen­stadt. Rund 1800 Qua­drat­me­ter ste­hen dort zur Ver­fü­gung, nur halb so viel wie im Mu­se­um. „Wir ge­hen dort mit den De­pots rein“, er­läu­tert Krisch­ke. Für Aus­stel­lun­gen wer­de es et­wa 200 Qua­drat­me­ter Platz ge­ben. Für wei­te­re De­pot­ka­pa­zi­tä­ten hat man sich in ein ge­eig­ne­tes Ob­jekt in Süd­thü­rin­gen ein­ge­mie­tet.

„Die Ita­lie­ner“ge­hen auf Rei­sen

Die Kunst­schu­le, die das zen­tra­le päd­ago­gi­sche An­lie­gen des Mu­se­ums­stif­ters Bern­hard Au­gust von Lin­denau re­prä­sen­tiert, bleibt nur für ei­nen Mo­nat ge­schlos­sen. „Wir wol­len vor al­lem die Ver­mitt­lungs­ar­beit prä­sent hal­ten“, ver­spricht Krisch­ke. „Ab Fe­bru­ar geht’s wei­ter.“Für Gra­fik­aus­stel­lun­gen hat er mit den Nach­barn auf Burg Pos­ter­stein Ko­ope­ra­tio­nen ver­ab­re­det. Un­ter­des­sen zie­hen die ex­qui­si­ten Ge­mäl­de aus der ita­lie­ni­schen Früh­re­nais­sance – der größ­te Schatz des Mu­se­ums – an­de­re Krei­se: Sie wer­den wäh­rend der Al­ten­bur­ger Schließ­zei­ten in Saar­brü­cken und Chemnitz ge­zeigt.

Der wich­tigs­te Clou beim Um­bau ist, dass das Mu­se­um ei­nen bar­rie­re­frei­en, eben­er­di­gen Haupt­ein­gang ins Kel­ler­ge­schoss er­hält. In ei­nem dem Haus vor­ge­la­ger­ten Be­reich ent­ste­hen Kas­se, Gar­de­ro­ben, Sa­ni­tär­be­reich und Shop neu; Trep­pen und ein Auf­zug füh­ren in die drei

Ge­schos­se dar­über. Ganz oben war­ten ab 2023 die „al­ten Ita­lie­ner“auf Be­su­cher, da­zu Ge­mäl­de und Plas­ti­ken. Das ers­te Ober­ge­schoss neh­men dann die An­ti­ken-ab­güs­se und ei­ne Son­der­aus­stel­lungs­hal­le ein, und im Erd­ge­schoss ist der Ost­flü­gel für die Kunst­schu­le re­ser­viert. Den West­flü­gel in­des will Krisch­ke dem An­den­ken Lin­den­aus wid­men.

Der sei in Sach­sen wie in Thü­rin­gen ziem­lich in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten, da­bei ha­ben bei­de Län­der dem 1780 in Al­ten­burg Ge­bo­re­nen viel zu ver­dan­ken. Als Mi­nis­ter wirk­te er in Go­tha eben­so wie in Dres­den; der kunst­sin­ni­ge Ba­ron, des­sen An­käu­fen Gothas Frie­den­stein ein Gut­teil sei­ner Kul­tur­schät­ze ver­dankt, war ein füh­ren­der As­tro­nom sei­ner Zeit, so dass heu­te ein As­te­ro­id und ein Mond­kra­ter nach ihm be­nannt sind.

Nach dem Um­bau will Roland Krisch­ke das ga­lak­ti­sche Al­ten­burg in den un­end­li­chen Wei­ten thü­rin­gi­schen Kul­tur­le­bens ne­ben dem Kos­mos Wei­mar und dem Ba­ro­ck­uni­ver­sum Go­tha als wei­te­ren Leucht­turm po­si­tio­nie­ren. Und im Un­ter­schied zu den bei­den an­de­ren Stand­or­ten hat er ei­ne Groß­stadt im Ein­zugs­ge­biet: Leip­zig.

FO­TO: MAR­TIN SCHUTT / DPA

Das re­nom­mier­te Lin­denau-mu­se­um zu Al­ten­burg er­hält für 48 Mil­lio­nen Eu­ro ei­ne Ge­ne­ral­sa­nie­rung und ein neu­es De­pot. Die Pla­nun­gen sind schon ein Jahr nach Zu­sa­ge der Gel­der ab­ge­schlos­sen.

FO­TO: DPA

Roland Krisch­ke

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