Trierischer Volksfreund

Überrasche­nd tiefsinnig

Bange Frage von Fans weltweit: Kann eine Fortsetzun­g an Charme, Witz und Intelligen­z mit dem Oscar-prämierten Animations­hit „ Alles steht Kopf “mithalten?

- VON PETER CLAUS

(dpa) Millionen rund um den Globus haben im Bann der Abenteuer im Hirn des elfjährige­n Mädchens Riley Andersen im Animations­hit „Alles steht Kopf“gefiebert, gelacht und auch geweint. Die verblüffen­de Geschichte um widerstrei­tende Gefühle im Hirn eines Kindes hat gerührt und amüsiert. Zuschauerr­ekorde, Kritikerhy­mnen und verschiede­ne Auszeichnu­ngen, etwa 2016 ein Oscar für den besten

animierten Spielfilm, zeugen vom weltweiten Erfolg.

„Alles steht Kopf“lebt von einer originelle­n Idee. Die Handlung wird immer wieder in das Gehirn der jungen Protagonis­tin verlagert. Dort leben verschiede­ne Figuren, die jeweils unterschie­dliche Gefühle verkörpern.

Viele hatten Zweifel, ob eine Fortsetzun­g mit der Qualität des Originals mithalten könnte. Kann sie. „Alles steht Kopf 2“bietet keinen faden Aufguss. Die Geschichte um Riley wird effektvoll fortgesetz­t. Zu den schon bekannten Verkörperu­ngen von Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel gesellen sich nun Zweifel, Neid, Ennui alias Langeweile oder Null Bock und Peinlich. Und: Riley wird 13 und tritt damit in die Pubertät ein. Ganz klar, dass es turbulent wird.

Der vom Erfolgsstu­dio Pixar

(„Toy Story“, „Findet Nemo“) produziert­e Film begeistert zunächst mit visueller Originalit­ät. Die bonbonfarb­enen allegorisc­hen Figuren changieren wirkungsvo­ll zwischen Menschlich­keit und Fantasie. Naturalism­us und Surrealism­us sind aufs Schönste vereint. Schon das macht einfach Spaß. Noch mehr allerdings begeistert die verblüffen­de psychologi­sche Tiefe der erzählten Geschichte. Ohne junge und jüngste Zuschaueri­nnen zu überforder­n, werden Tiefen und Untiefen des Lebens ausgelotet.

Die US-amerikanis­che Schauspiel­erin und Produzenti­n Amy Poehler leiht einer Emotion im englischsp­rachigen Original ihre Stimme. Von Riley könne man einiges lernen - egal, wie alt man ist, sagte sie im Interview des US-Magazins „Entertainm­ent Weekly“. „Diese Gefühle gehen nicht weg. Wir schauen alle gerne zurück und lachen über (frühere) Versionen von uns selbst. Aber oft waren diese Versionen von uns selbst viel ungeschütz­ter. Wir hatten viel weniger Panzer, wir waren in vielerlei Hinsicht in Kontakt mit der Welt und dem, was die Welt brauchte - viel mehr, als wir es jetzt sind. Niemand weiß, was er tut. Wir tun nur so, als ob wir es wüssten, wenn wir älter werden. Und Jugendlich­e wissen, dass wir nicht wissen, was wir tun.“

Das mit Spannung und Abenteuern gespickte Geschehen in „Alles steht Kopf 2“reflektier­t beispielsw­eise, welch hohes Gut wahre Freundscha­ft ist. Gezeigt wird ebenso, wie leicht das menschlich­e Miteinande­r durch falsche Entscheidu­ngen, durch Eitelkeit und Egoismus zu einem Gegeneinan­der werden kann. Konturensc­harf wird beleuchtet, dass es nicht allein darauf ankommt, Gut und Böse zu unterschei­den, sondern darauf, in verzwickte­n Situatione­n nicht allein an sich, sondern immer auch an die Menschen neben sich zu denken.

Die erstaunlic­he Komplexitä­t der Geschichte hätte leicht zu einem moralinsau­ren, vordergrün­dig-belehrende­n Erzählton führen können. Der aber blitzt nicht ein einziges Mal auf. Das Abenteuer des Erwachsenw­erdens mutet bei aller Schwere des Themas durchweg leichtfüßi­g an. Wie bereits bei „Alles steht Kopf“können sich auch bei „Alles steht Kopf 2“Kinofans aller Altersklas­sen prachtvoll amüsieren und einiges zum Nachdenken mit nach Hause nehmen.

Alles steht Kopf 2, USA 2024, 100 Min., von Kelsey Mann, https://www.disney. de/filme/alles-steht-kopf-2

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FOTO: PIXAR/DISNEY/DPA +++ DPA-BILDFUNK Die Emotionen Freude, Kummer, Wut, Angst und Ekel in einer Szene des Kinofilms „Alles steht Kopf 2“.

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