Po­li­zei scheucht Clans auf

1300 Be­am­te sind an Groß­raz­zia im Ruhr­ge­biet be­tei­ligt

Trossinger Zeitung - - Erste Seite - Von Ar­ne Mey­er

DÜS­SEL­DORF (AFP) - Mit ei­ner Groß­raz­zia im Ruhr­ge­biet ist die Po­li­zei ge­gen die Clan­kri­mi­na­li­tät vor­ge­gan­gen. Nach An­ga­ben des nord­rhein-west­fä­li­schen In­nen­mi­nis­te­ri­ums wa­ren rund 1300 Be­am­te be­tei­ligt. Laut In­nen­mi­nis­ter Her­bert Reul (CDU) hat­te die Ak­ti­on ei­ne „kla­re Bot­schaft: Bei uns gilt nicht das Ge­setz der Fa­mi­lie, son­dern das Ge­setz des Staa­tes“.

Durch­sucht wur­den Wett­bü­ros, Shi­sha-Bars, Spiel­hal­len, Im­biss-Stu­ben und an­de­re Lo­ka­le. Hun­der­te Men­schen wur­den kon­trol­liert, es gab meh­re­re Fest­nah­men. Die Po­li­zei be­schlag­nahm­te Dro­gen, Bar­geld und Waf­fen. Es wur­den zahl­rei­che Straf­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet.

Der Vor­sit­zen­de des Bunds Deut­scher Kri­mi­nal­be­am­ter, Se­bas­ti­an Fied­ler, hat­te jüngst ei­nen Kraft­akt ge­gen Clan­kri­mi­na­li­tät ge­for­dert. Es wer­de Jah­re dau­ern, um sie an­satz­wei­se in den Griff zu be­kom­men, sag­te er in ei­nem In­ter­view.

DÜS­SEL­DORF (dpa) - Die Po­li­zei in NRW zeigt Stär­ke im Kampf ge­gen Clan­kri­mi­na­li­tät: Bei ei­ner nächt­li­chen Raz­zia im Ruhr­ge­biet ha­ben am rund 1300 Po­li­zis­ten Sams­tag­abend über 100 Shi­sha-Bars, Spiel­hal­len, Dis­ko­the­ken und Tee­stu­ben kon­trol­liert. Das In­nen­mi­nis­te­ri­um spricht vom größ­ten Ein­satz ge­gen Clans in Nord­rhein-West­fa­len.

Die Ein­sät­ze in Dort­mund, Es­sen, Gel­sen­kir­chen, Reck­ling­hau­sen, Bochum und Duis­burg dau­er­ten bis in die Mor­gen­stun­den. Das nord­rhein­west­fä­li­sche In­nen­mi­nis­te­ri­um spricht von der größ­ten Raz­zia ge­gen kri­mi­nel­le Clanmit­glie­der in der Ge­schich­te des Bun­des­lan­des. Ins­ge­samt sei­en mehr als 1500 Men­schen kon­trol­liert wor­den, teil­te das Mi­nis­te­ri­um am Sonn­tag mit. 14 Men­schen wur­den dem­nach fest­ge­nom­men und über 100 Straf­an­zei­gen er­stat­tet.

Hun­der­te Ki­lo­gramm un­ver­steu­er­ter Ta­bak, zehn Waf­fen wie ver­bo­te­ne Mes­ser und Te­le­skop­schlag­stö­cke, ei­ni­ge Tau­send Eu­ro Bar­geld und Dro­gen sei­en si­cher­ge­stellt wor­den. Die Be­hör­den schlos­sen dar­über hin­aus 25 Be­trie­be – we­gen Män­geln im Hin­blick auf Bau­recht oder Hy­gie­ne.

Die Be­am­ten gin­gen nach ei­ge­nen An­ga­ben dem Ver­dacht der Geld­wä­sche, Steu­er­hin­ter­zie­hung und Schwarz­ar­beit nach. „Der Ein­satz zeigt, dass man­che Clanmit­glie­der sich of­fen­bar sys­te­ma­tisch über Recht und Ge­setz hin­weg­set­zen“, er­klär­te In­nen­mi­nis­ter Her­bert Reul (CDU). In NRW gel­te „nicht das Ge­setz der Fa­mi­lie, son­dern das Ge­setz des Staa­tes“. Reul war un­ter an­de­rem bei den Ak­tio­nen in Bochum, Duis­burg und Es­sen vor Ort.

Un­ter­stützt wur­de die Po­li­zei von Hun­der­ten Mit­ar­bei­tern et­wa von Zoll, Fi­nanz­be­hör­den, Ord­nungs­amt und Staats­an­walt­schaf­ten. Auch in an­de­ren Städ­ten wie Mül­heim, Wit­ten, Her­ne und Bot­trop lie­fen Maß­nah­men. Zu­dem gab es mehr als 800 Ver­kehrs­kon­trol­len. Die Kon­trol­len rich­te­ten sich auch ge­gen die Or­ga­ni­sier­te und die Ban­den­kri­mi­na­li­tät, hieß es im Vor­feld. Ei­ne Fei­er der Ro­cker­grup­pe Ban­di­dos in Es­sen wur­de von ei­nem Groß­ein­satz der Po­li­zei be­glei­tet. Reul hat­te die Be­kämp­fung der Clan­kri­mi­na­li­tät zu­letzt als gro­ße Her­aus­for­de­rung für die Si­cher­heits­be­hör­den be­zeich­net. Das Trei­ben von rund 50 Clans in NRW, dar­un­ter tür­kisch- und li­ba­ne­sisch­stäm­mi­ge, be­sor­ge ihn „ex­trem“, sag­te Reul im De­zem­ber. „Sie er­he­ben den An­spruch, zu be­stim­men, was auf der Stra­ße pas­siert. Das ist ein fron­ta­ler An­griff auf den Rechts­staat.“ Stra­te­gie der „1000 Na­del­sti­che“NRW fährt nach Reuls Wor­ten ei­ne Stra­te­gie der „1000 Na­del­sti­che“, mit ge­mein­sa­men Raz­zi­en von Po­li­zei, Ge­sund­heits­äm­tern, Steu­er- und Zoll­fahn­dern. „Wir schaf­fen Un­ru­he und si­gna­li­sie­ren: Ihr könnt nicht ma­chen, was ihr wollt.“Be­son­ders im Ruhr­ge­biet hat­te es zu­letzt im­mer wie­der Durch­su­chun­gen ge­ge­ben.

In Es­sen und Duis­burg hat die Jus­tiz Son­der­staats­an­wäl­te ge­gen kri­mi­nel­le Clanmit­glie­der ein­ge­setzt. Nach Wor­ten von Lan­des­jus­tiz­mi­nis­ter Pe­ter Bie­sen­bach (CDU) ist Es­sen ne­ben Bremen und Ber­lin ei­ner der drei bun­des­wei­ten Hots­pots für Clan­kri­mi­na­li­tät. Reul warn­te am Sonn­tag da­vor, al­le Mit­glie­der von Groß­fa­mi­li­en un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht zu stel­len. „Selbst­ver­ständ­lich gibt es in die­sen Fa­mi­li­en auch vie­le recht­schaf­fe­ne Leu­te. Und es gibt Leu­te, die vom kri­mi­nel­len Tun ge­nug ha­ben. Die­sen soll­ten wir in Zu­kunft auch Aus­stiegs­an­ge­bo­te un­ter­brei­ten.“

Die deut­sche Po­li­zei geht im­mer wie­der – und zu­letzt ver­stärkt – ge­gen Clans und Ma­fia-Or­ga­ni­sa­tio­nen vor. An­fang De­zem­ber hat­ten Er­mitt­ler bei Groß­raz­zi­en ge­gen die ita­lie­ni­sche Ma­fia-Or­ga­ni­sa­ti­on 'Ndran­ghe­ta in Deutschland und an­de­ren Staa­ten fast 90 Ver­däch­ti­ge fest­ge­nom­men. Da­bei ging es um Dro­gen­han­del und Geld­wä­sche.

Im ver­gan­ge­nen Ju­li und August war die Ber­li­ner Po­li­zei mit ei­nem Groß­auf­ge­bot ge­gen kri­mi­nel­le Mit­glie­der ara­bisch­stäm­mi­ger Groß­fa­mi­li­en vor­ge­gan­gen. Be­am­te durch­such­ten Woh­nun­gen und an­de­re Ob­jek­te, es gab Fest­nah­men. Hin­ter­grund auch die­ser Raz­zia: der Ver­dacht des Dro­gen­han­dels im gro­ßen Stil.

FO­TO: DPA

Po­li­zis­ten si­chern wäh­rend ei­ner Raz­zia von Zoll und Po­li­zei ei­ne Shi­sha-Bar in Bochum. Zeit­gleich wur­den in meh­ren NRW-Städ­ten meh­re­re Shis­ha­Bars durch­sucht.

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