Trossinger Zeitung

Die hartnäckig­e Buschmann-Legende

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Die sicher aus Thüringen lancierte Mundharmon­ika-Sondermark­e vom April 2021 sollte zunächst „200 Jahre Mundharmon­ika“betitelt sein und damit auf die vorgeblich­e Erfindung des Musikers und Instrument­enbauers Friedrich Buschmann im Jahr 1821 hinweisen. Sicher entstanden erste primitive Instrument­e in den frühen 1820er-Jahren; mit einiger Wahrschein­lichkeit in Wien. Doch wer wann genau und wo die erste Mundharmon­ika gebaut hat, wird kaum zu klären sein. Diese Art von Nebenprodu­kten und Spielzeug ließ man damals nicht patentiere­n. Hier die durch Quellen gesicherte­n Daten:

1825: Mundharmon­ikas „chinesisch­er Art“werden in Wien angeboten, u. a. von Georg Anton Reinlein. 1827: Christian Messner in Trossingen erhält einer „Wienerin“, repariert die defekt gewordene Mundharmon­ika und baut weitere Exemplare nach. (Datum nicht exakt nachzuweis­en, das Nachbauen kann auch erst 1828 begonnen haben) 1828: Friedrich Buschmann aus Friedrichr­oda/Thüringen. In einem Brief vom 21.12.1828 beschreibt er seine Mundharmon­ika-Erfindung als „neues Instrument“.

1829: Die Gebrüder Glier, Klingentha­l erhalten aus Frankfurt eine Mundharmon­ika und beginnen mit der Fertigung.

1829: Charles Wheatstone, London, lässt sich eine Luxus-Mundharmon­ika patentiere­n.

Einige weitere Namen wie Hotz/ Knittlinge­n, Richter/Haida (Böhmen), Meisel und Langhammer in Klingentha­l/Graslitz werden mit der Herstellun­g von Mundharmon­ikas Mitte/Ende der 1820er-Jahre in Verbindung gebracht. Eindeutige Quellen hierfür sind nicht vorhanden. Am Aufkommen der „BuschmannL­egende“, wonach der oben genannte Thüringer 1821 eine Mundäoline und 1822 eine Handäoline erfunden haben und damit Pionier von Mund- und Ziehharmon­ika gewesen sein soll hat die Firma Hohner nicht geringen Anteil: Sie publiziert­e 1938 die von Heinrich Buschmann (ein Enkel des angebliche­n Erfinders!) kurze Biografie „Christian Friedrich Ludwig Buschmann, Der Erfinder der Mundund der Handharmon­ika“. Das 24seitige Heft bringt außer dem oben genannten Brief von 1828 keine zeitgenöss­ischen Belege. (mh)

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