Tu­dor

Preis­span­ne 500 Eu­ro bis 10 000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Tho­mas Gro­nen­thal Fotos — Her­stel­ler

Die klei­ne Schwes­ter von Rolex führ­te lan­ge ein Schat­ten­da­sein. Die Wie­der­be­le­bung der Mar­ke in­klu­si­ve ei­ge­ner Ma­nu­fak­tur­wer­ke be­lebt auch den Ge­brauchtuh­renMarkt. Un­ser Ex­per­te ver­rät, wor­auf zu ach­ten ist.

——— Be­reits 1926 ließ Hans Wils­dorf die Mar­ke Tu­dor ein­tra­gen. Die ers­ten Arm­band­uh­ren wie­sen an­fangs je­doch noch kei­ne Ähn­lich­keit mit den Mo­del­len von Rolex auf. Erst 1946 ent­wi­ckel­te Wils­dorf die Idee, Arm­band­uh­ren an­zu­bie­ten, die je­der Rolex-händ­ler als er­gän­zen­de Pro­dukt­li­nie ver­kau­fen konn­te. Da­zu soll­ten die Uh­ren ab­so­lut zu­ver­läs­sig und was­ser­dicht, preis­lich aber eher an ei­ner jün­ge­ren Ziel­grup­pe ori­en­tiert sein. Zur da­ma­li­gen Zeit hat­te Rolex sich be­reits als Mar­ke eta­bliert und mit ge­schick­tem Mar­ke­ting ge­zeigt, was ei­ne Rolex-uhr al­les über­ste­hen kann. So kam Tu­dor zur rich­ti­gen Zeit, die no­b­le Her­kunft aus der Rolex-schmie­de wur­de be­wusst nicht ver­schwie­gen. Schließ­lich er­hielt die Tu­dor ei­ne der her­vor­ste­chends­ten Ei­gen­schaf­ten der Rolex: das was­ser­dich­te Oys­ter- Ge­häu­se.

Wäh­rend die Uh­ren in den 1920er- und 1930er-jah­ren nur mit dem Na­men Tu­dor ge­kenn­zeich­net wa­ren, er­schien ab Mit­te der 1930erJah­re die Wap­pen­ro­se der Fa­mi­lie Tu­dor als Mar­ken­lo­go auf dem Zif­fer­blatt. Nach 1947, ein Jahr nach der of­fi­zi­el­len Grün­dung von Tu­dor, stand die Ro­se al­lei­ne auf dem Blatt. Ab 1969 be­ka­men die Uh­ren nur noch ein schlich­tes Wap­pen. Tau­chen auf On­li­ne-han­dels­platt­for­men Uh­ren im Oys­ter- Ge­häu­se und der Dop­pel­mar­kie­rung Tu­dor–rolex auf, han­delt es sich um Fäl­schun­gen oder nicht ori­gi­nal­ge­treu über­ar­bei­te­te

Mit der Zweit­mar­ke Tu­dor er­öff­ne­te Rolex- Grün­der Hans Wils­dorf 1946 ein neu­es Markt­seg­ment, das sich in kur­zer Zeit eta­blier­te. Die Uh­ren ver­ei­nen Ro­l­exEi­gen­schaf­ten mit ei­nem güns­ti­gen Preis. Ein Er­folgs­kon­zept, das bis heu­te an­hält.

Zif­fer­blät­ter. Zwi­schen 1947 und 1952 brach­te Tu­dor zu­nächst die Mo­del­le Oys­ter und die Kol­lek­ti­on Oys­ter Prin­ce auf den Markt.

Die hap­ti­sche Qua­li­tät kam da­bei von Rolex, eben­so der Stil der Uhr, zu­ge­kauf­te Wer­ke sorg­ten durch sorg­fäl­ti­ge Kon­trol­le für ho­he Prä­zi­si­on. Die Ver­kaufs­zah­len be­stä­tig­ten: Das Ver­spre­chen des Fir­men­grün­ders über­zeug­te zahl­rei­che Kun­den.

Tu­dor Oys­ter Prin­ce – das ers­te Mo­dell, das ei­ner Rolex äh­nel­te

Es gab gro­ße Ähn­lich­kei­ten zwi­schen den Uh­ren von Tu­dor und Rolex, wes­halb die Tu­dor schnell den Spitz­na­men der »Rolex des klei­nen Man­nes« er­hielt. Die Prä­sen­ta­ti­on der Oys­ter Prin­ce wur­de mit ei­ner Mar­ke­ting­kam­pa­gne be­glei­tet, um die Bot- schaft von ho­her Qua­li­tät zu ver­brei­ten. De­tail­lier­te Be­schrei­bun­gen und Wer­beillus­tra­tio­nen zeig­ten die Be­last­bar­keit der Uhr. Statt ed­ler Sport­ar­ten fand sich die Tu­dor Prin­ce am Hand­ge­lenk ei­nes Stahl­ar­bei­ters.

Ba­sie­rend auf den Er­fah­run­gen mit was­ser­dich­ten Uh­ren, die bei der Mut­ter Rolex be­reits ge­sam­melt wur­den, ent­wi­ckel­te Tu­dor in den 1960erJah­ren ei­ne pro­fes­sio­nel­le Tau­cher­uhr. Von 1964 bis 1966 wur­de die Tu­dor Prin­ce Sub­ma­ri­ner für die USMa­ri­ne pro­du­ziert, der Na­me zeigt be­reits die Baugleich­heit zum Ro­l­exEr­folgs­mo­dell. Tat­säch­lich gli­chen sich die Ge­häu­se, auch die Kro­ne trug das Si­g­net von Rolex. Le­dig­lich Uhr­werk, Zif­fer­blatt und Zei­ger wa­ren un­ter­schied­lich. Pro­ble­ma­tisch bei ei­nem Ge­braucht­kauf: Ähn­lich wie bei Rolex-uh­ren sind mehr als 50 Pro­zent der in Um­lauf be­find­li­chen Uh­ren ganz oder teil­wei­se ge­fälscht. Re­stau­rier­te Zif­fer­blät­ter und um­ge­bau­te so­wie nicht fach­ge­recht re­stau­rier­te Uhr­wer­ke sind da­bei eben­so ein Pro­blem wie ge­fälsch­te Ge­häu­se, Arm­bän­der und Zei­ger. Vor al­lem aus Asi­en kom­men sol­che »Fran­ken­wat­ches«, die wie Fran­ken­steins Mons­ter aus ein­zel­nen Kom­po­nen­ten zu­sam­men­ge­setzt wur­den. Ver­rä­te­risch ist meist der Preis: Un­ter 1 000 Eu­ro kos­ten in der Re­gel nur um­ge­bau­te und we­nig qua­li­ta­ti­ve Uh­ren.

Im Jahr 1969 wur­de die Prin­ce Sub­ma­ri­ner auch der Öf­fent­lich­keit vor­ge­stellt, eben­so wie die Mo­del­le Prin­ce Da­te-day und die Tu­dor Ran­ger. Wäh­rend die Da­te-day der Rolex Day-da­te hul­dig­te und mit ei­nem

TU­DOR – DIE ROLEX DES KLEI­NEN MAN­NES Hans Wils­dorf ver­mark­te­te die Tu­dor- Uh­ren als zu­ver­läs­si­ge All­tags­be­glei­ter. Sie be­sa­ßen ein Oys­ter-Ge­häu­se, was die Ver­bin­dung zu Rolex be­ton­te.

ETA-WERK Da­tum und Wo­chen­tag an­zeig­te, re­du­zier­te sich die Ran­ger auf das Mi­ni­ma­le ei­ner Rolex Ex­plo­rer: Drei Zei­ger und die opu­len­te Leucht­aus­stat­tung von Zif­fer­blatt und Zei­gern mach­ten das Ab­le­sen un­ter al­len Um­stän­den ein­fach. Spä­ter gab es die Uhr auch mit Da­tums­an­zei­ge. In den ers­ten Pro­duk­ti­ons­jah­ren trug die Uhr kei­ne ei­ge­ne Re­fe­renz, son­dern teil­te sich die 9050 oder 7966 mit der Stan­dard-prin­ce. Erst in den 1980er-jah­ren tru­gen die Ran­gerMo­del­le oh­ne Da­tum fol­gen­de Re­fe­ren­zen: 7992, 7934, 7995, 7965, 90330 so­wie 90220 und die Uh­ren mit Da­tum: 7964, 7966, 7990 und 7996. Wie bei Rolex üb­lich fin­den sich die Gra­vu­ren für Se­ri­en- und Re­fe­renz­num­mer zwi­schen den Band­an­stö­ßen. Da­her ist die De­mon­ta­ge des Arm­bands un­um­gäng­lich. Bei ei­nem Ge­braucht­kauf ei­ner Tu­dor Ran­ger ist ein schar­fes Au­ge nö­tig. Tat­säch­lich gibt es Uh­ren, die so hoch­wer­tig re­kon­stru­iert sind, dass auch Fach­leu­te die Fäl­schung erst auf den zwei­ten oder drit­ten Blick er­ken­nen.

Beim Kauf ei­ner ge­brauch­ten Tu­dor-uhr ist Vor­sicht ge­bo­ten

Die Prei­se be­gin­nen bei et­wa 1 500 Eu­ro, al­ler­dings ist das An­ge­bot klein. Nach ei­ner re­gel­rech­ten Schwem­me von Bast­ler­uh­ren An­fang der 2000er-jah­re sind nur noch we­ni­ge die­ser Mo­del­le zu ha­ben. Ein aus­ge­wie­se­ner Ex­per­te soll­te bei hö­her­prei­si­gen Zeit­mes­sern stets hin­zu­ge­zo­gen wer­den, um die Echt­heit zu ge­währ­leis­ten. Ein­fa­cher ist der Er­werb der Prin­ce Da­te- und Da­teDay-mo­del­le, die in na­he­zu al­len Va­ri- an­ten ähn­lich der Rolex Da­te­just zu kau­fen wa­ren. Die Prei­se be­gin­nen – je nach Pfle­ge­zu­stand – bei 700 Eu­ro und er­rei­chen auch Be­rei­che von über 2 000 Eu­ro. Die Groß­se­ri­en­wer­ke ma­chen zu­min­dest den Aus­tausch von de­fek­ten Tei­len mög­lich. Bei Ge­häu­se, Kro­nen­tu­bus und Kro­ne muss je­doch auf Rolex-spe­zi­fi­schen Er­satz zu­rück­ge­grif­fen wer­den.

Die Sub­ma­ri­ner von Tu­dor wird ab ei­nem Be­trag von 1 800 Eu­ro ge­han­delt, eben­so die we­sent­lich ei­gen­stän­di­ger kon­zi­pier­ten Hy­dro­nau­tMo­del­le, die ab 1999 ge­fer­tigt wur­den. Be­son­ders exo­tisch ist die Kol­lek­ti­on Tu­dor Mon­arch, die ei­ne ei­gen­stän­di­ge Ge­häu­se­form mit Quarz­wer­ken

GROS­SES AN­GE­BOT AUF DEM GEBRAUCHTMARKT Vor dem Kauf ei­ner ge­brauch­ten Tu­dor lohnt es sich, den Rat ei­nes Fach­manns ein­zu­ho­len. Man­che Fäl­schung ist erst auf den zwei­ten Blick zu er­ken­nen.

kom­bi­nier­te. Vor­ge­stellt wur­den die Uh­ren 1991, der Er­folg war je­doch über­schau­bar. Heu­te gel­ten die Uh­ren als Ge­heim­tipp, der ab 400 Eu­ro zu ha­ben ist. Die Ge­häu­se- und Band­qua­li­tät ist her­vor­ra­gend.

Tu­dor »Day­to­na« – ein be­gehr­tes Mo­dell auf dem Gebrauchtmarkt

Be­son­ders be­gehrt und teuer sind die Chro­no­gra­phen-mo­del­le von Tu­dor. En­de der 1960er brach­te die Gen­fer Rolex-toch­ter die Mon­te Car­lo auf den Markt. Das Ge­häu­se war bau­gleich zur Rolex Day­to­na, zum Ein­satz ka­men Hand­auf­zugs­wer­ke von Val­joux. Das sport­li­che De­sign, die was­ser­dich­te Kon­struk­ti­on mit ver- schraub­ten Drü­ckern und be­son­de­re Merk­ma­le wie die Ver­grö­ße­rungs­lu­pe für das Da­tum auf sechs Uhr ma­chen die Uhr zu ei­nem Ju­wel. Die Prei­se kön­nen da­bei bis zu 10000 Eu­ro be­tra­gen – frag­los ein Preis, den die Uhr in ei­nem her­vor­ra­gen­den Zu­stand auch wert ist.

Spä­ter brach­te Tu­dor, eben­falls im Ge­häu­se der Day­to­na, den Oys­ter­da­te Chro­no­gra­phen (1977–1996) auf den Markt. 1996 wur­de dar­aus der Prin­ce Chro­no­graph. Ein Val­joux 7750 sorgt für Prä­zi­si­on und Ver­läss­lich­keit, der da­ma­li­ge Ver­kaufs­preis lag bei we­ni­ger als 50 Pro­zent der gro­ßen Schwes­ter. Die­sen Vor­teil ge­nie­ßen die auch »Big Block« ge­nann- ten Uh­ren noch heu­te. Je nach Zif­fer­blatt­va­ri­an­te kos­ten die Uh­ren zwi­schen 2 500 und 4 000 Eu­ro.

2007 be­gann für Tu­dor ei­ne neue Zeit­rech­nung. Neue Mo­del­le, mehr Ei­gen­stän­dig­keit und ein neu­es Selbst­be­wusst­sein sorg­ten für ei­ne neue Mar­ken­iden­ti­tät. Da­zu ge­hör­te auch, die Ver­gan­gen­heit neu auf­le­ben zu las­sen. 2010 ka­men ver­schie­de­ne He­ri­ta­ge-mo­del­le auf den Markt: ein Chro­no­graph wie an­no 1970, ei­ne Tau­cher­uhr mit klas­si­schen Sno­wfla­ke-zei­gern und ei­ne neue In­ter­pre­ta­ti­on der Tu­dor Ran­ger. Die neue Ran­ger be­wahrt die Kern­wer­te der Schwei­zer Mar­ke: zu­ver­läs­sig, klas­sisch, hoch­wer­tig und be­zahl­bar. ———

MEHR ALS NUR DIE KLEI­NE SCHWES­TER Mit neu­en Mo­del­len, ei­ge­nem Ka­li­ber und mehr Selbst­be­wusst­sein eta­bliert sich Tu­dor zu­neh­mend als ei­gen­stän­di­ge Mar­ke.

1 Oys­ter Prin­ce: Die erst­mals 1952 vor­ge­stell­te Uhr be­saß ein Oys­ter-ge­häu­se von Rolex.

Oys­ter Prin­ce Sub­ma­ri­ner: 1969 kam die zwei­te Ge­ne­ra­ti­on der Tau­cher­uh­ren auf den Markt.

Nur 34 Mil­li­me­ter im Durch­mes­ser maß die Tu­dor Oys­ter Prin­ce Ran­ger von 1969 bis 1988.

Die Neu­auf­la­ge der Ran­ger aus dem Jahr 2014 er­hält ein 41 Mil­li­me­ter gro­ßes Stahl­ge­häu­se.

Der Oys­ter­da­te Chro­no­graph »Mon­te­car­lo« von 1971 be­sticht durch sei­ne Farb­ge­stal­tung.

2010 lan­ciert Tu­dor mit dem He­ri­ta­ge Chro­no Blue ei­ne mo­der­ni­sier­te Ver­si­on des Stop­pers.

1 Ori­gi­nal­ge­treu: Die neue He­ri­ta­ge Black Bay kommt wie das Ur-mo­dell ganz in Schwarz.

2 Prin­ce Da­te-day: Die­ses Mo­dell aus den 1960ern er­in­nert zu­recht an die Rolex Day-da­te.

3 Kaum ver­än­dert: Die He­ri­ta­ge Black Bay über­nimmt vie­le De­si­gnele­men­te des Vor­gän­gers.

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