Chris­tia­an van der Kla­auw

Preis­span­ne von 5 950 Eu­ro bis 89 500 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Ka­trin Ni­ko­laus Fotos — Her­stel­ler

Mit as­tro­no­mi­schen An­zei­gen will die hol­län­di­sche Mar­ke ei­ne Lü­cke be­set­zen. Dar­un­ter sind sel­te­ne und über­ra­schen­de In­di­ka­tio­nen.

Ob gan­ze Son­nen­sys­te­me, die Ge­zei­ten oder schlicht die Pha­sen des Mon­des – die nie­der­län­di­sche Mar­ke Chris­tia­an van der Kla­auw ver­wirk­licht an­spruchs­vol­le as­tro­no­mi­sche Kom­pli­ka­tio­nen für Arm­band­uh­ren.

——— Je­der Blick auf die­se Uhr gibt An­lass zum Phi­lo­so­phie­ren. Was ist Zeit? Wel­che Be­deu­tung hat ein Tag, ein Jahr, ein Men­schen­le­ben im Kos­mos? Auf dem Zif­fer­blatt der Pla­ne­ta­ri­um zie­hen sechs Pla­ne­ten – Mer­kur, Ve­nus, Er­de, Mars, Ju­pi­ter und Sa­turn – ih­re Bah­nen um die Son­ne. Wäh­rend man die Er­de mit ih­ren 365 Ta­gen, die sie für ei­ne Um­lauf­bahn braucht, im Lau­fe des Jah­res noch gut ver­fol­gen kann, ist man beim Sa­turn auf die Phan­ta­sie an­ge­wie­sen: Sei­nen Weg um die Son­ne legt er in 29 Jah­ren zu­rück. Die Ve­rän­de­run­gen auf dem Zif­fer­blatt sind al­so mi­ni­mal. »Es ist wohl das am lang­sam lau­fends­te Mo­dul, das je in ei­ne me­cha­ni­sche Uhr ein­ge­baut wur­de«, sagt Da­ni­el Reint­jes, CEO der nie­der­län­di­schen Mar­ke Chris­tia­an van der Kla­auw (CVDK).

Die Pla­ne­ta­ri­um ist oh­ne Zwei­fel das Meis­ter­werk aus die­sem Hau­se. Es stellt die Krö­nung der me­cha­ni­schen Darstel­lun­gen von Him­mels­kon­stel­la­tio­nen dar, für die die Nie­der­län­der be­rühmt sind. »Wir kön­nen wohl mit Fug und Recht be­haup­ten, dass wir welt­weit füh­rend da­rin sind, as­tro­no­mi­sche Kom­pli­ka­tio­nen zu ent­wi­ckeln und zu ver­wirk­li­chen«, sagt Reint­jes. Seit 2009 führt der 53Jäh­ri­ge die Uh­ren­mar­ke. Als er sie über­nahm, war der De­si­gner be­reits seit vie­len Jah­ren mit Chris­tia­an van der Kla­auw be­freun­det und be­wun­der­te sei­ne Ar­beit.

Der Tüft­ler van der Kla­auw bau­te zu Be­ginn sei­ner Lauf­bahn Pen­de­lund Ti­schuh­ren, reich ver­ziert und ir­gend­wie aus der Zeit ge­fal­len. 1990 de­bü­tier­te van der Kla­auw bei der Aca­dé­mie Hor­lo­gè­re des Créa­teurs In­dé­pen­dants (AHCI) in Ba­sel mit ei­ner as­tro­no­mi­schen Ti­schuhr, zwei Jah­re spä­ter er­hielt er den In­no­va­ti­ons­preis für ei­ne Pen­del­uhr mit kom­pli­zier­ten as­tro­no­mi­schen An­zei­gen. 1994 be­gann van der Kla­auw, as­tro­no­mi­sche Kom­pli­ka­tio­nen in Arm­band­uh­ren zu ver­wirk­li­chen. Im Lau­fe der Jah­re ent­wi­ckel­te er das gan­ze In­stru­men­ta­ri­um, das bis heu­te den geis­ti­gen Reich­tum der Mar­ke Chris­tia­an van der Kla­auw dar­stellt.

»Ich war da­mals mit mei­ner ei­ge­nen Agen­tur ei­gent­lich mehr als aus­ge­las­tet«, er­in­nert sich Reint­jes an den Mo­ment, in dem van der Kla­auw ernst mach­te mit sei­ner An­kün­di­gung, sei­ne Fir­ma wei­ter­zu­ge­ben. Nach kur­zem Zö­gern nahm Reint­jes die Auf­ga­be trotz­dem an, zu­sam­men mit sei­ner Frau Ma­ria, die seit­her für Mar­ke­ting zu­stän­dig ist. Mau­rice Dop­pert ver­wal­tet die Fi­nan­zen. Sie stan­den vor ei­ner gro­ßen Her­aus­for­de­rung: Zwar konn­ten sie auf das welt­weit ein­zig­ar­ti­ge Know­how von van der Kla­auw zur Um­set­zung von as­tro­no­mi­schen Phä­no­me­nen in me­cha­ni­sche Kon­struk­tio­nen zu­grei­fen, doch ei­ne Mar­ke war van der Kla­auw bis da­to noch nicht.

Ei­ne kla­re De­sign­spra­che macht van der Kla­auw zur Mar­ke

Reint­jes form­te die phan­ta­sie­vol­le, aber reich­lich eklek­ti­sche Kol­lek­ti­on zu drei Li­ni­en um: As­tro­no­mi­cal Mas­ter­pie­ces, Stars und per­so­na­li­sier­te Uh­ren (Ate­lier). Das Ein­stei­ger­seg­ment bil­den die Uh­ren aus der Stars-kol­lek­ti­on, die in Stahl ab 5 500 Eu­ro zu ha­ben sind. »Das ist ei­gent­lich zu günstig für un­se­re Her­stel­lungs­kon­di­tio­nen«, er­klärt Reint­jes. Bei der Ce­res 1974, ei­nem Mo­dell nur mit Mond­pha­se, zah­le man so­gar drauf. Aber es zeich­ne sich so­wie­so ein leich­ter Trend zu den Mas­ter­pie­ces ab. Die­ses Seg­ment star­tet mit der Re­al Moon Jou­re in Stahl bei 21 950 Eu­ro. Auch das De­sign der Uh­ren spricht jetzt ei­ne kla­re Mar­ken­spra­che. Statt der Zwölf leuch­tet bei al­len ei­ne klei­ne gol­de­ne Son­ne. Bis auf die Ari­ad­ne, die noch dem De­sign von van der Kla­auw ent­spricht, tra­gen al­le Uh­ren rö­mi­sche Zif­fern auf der obe­ren Hälf­te des Zif­fer­blat­tes. Die un­te­re Hälf­te bie­tet so Platz für die as­tro­no­mi­schen Kom­pli­ka­tio­nen, wo­von die

»Wir sind welt­weit füh­rend da­rin, as­tro­no­mi­sche Kom­pli­ka­tio­nen zu ent­wi­ckeln und zu ver­wirk­li­chen, « sagt Da­ni­el Reint­jes, CEO der Mar­ke. PLA­NE­TEN, MON­DE UND SON­NEN

Mond­pha­sen­an­zei­ge die ein­fachs­te ist. Die Re­al Moon Jou­re nimmt für sich in An­spruch, dass ihr drei­di­men­sio­na­ler Mond be­son­ders ex­akt die tat­säch­li­che Um­lauf­bahn des Mon­des um die Er­de al­le 29,530588853 Ta­ge nach­bil­det. In elf­tau­send Jah­ren soll die Mond­pha­se nur um ei­nen Tag ab­wei­chen. Auch dies ist wie­der so ei­ne kon­struk­ti­ve Hoch­leis­tung von Chris­tia­an van der Kla­auw, die ei­nen ins Grü­beln über den Be­griff Ver­gäng­lich­keit brin­gen könn­te.

Chris­tia­an van der Kla­auw hat sei­ne Wur­zeln in der See­fah­re­rei

Die rich­ti­gen as­tro­no­mi­schen Wun­der­wer­ke gibt es aber bei den Mas­ter­pie­ces. Die Re­al Moon Ti­des zeigt ne­ben ei­ner drei­di­men­sio­na­len Mond­an­zei­ge in ei­nem klei­nen Fens­ter un­ter­halb der Son­ne die Ge­zei­ten an. Bei Flut ist das Fens­ter fast aus­ge­füllt mit blau­en Wel­len, bei Eb­be sind sie nur ganz un­ten zu se­hen. So et­was kann sich nur ein nie­der­län­di­scher Uh­ren­ma­cher aus­den­ken, der an der Was­ser­kan­te auf­ge­wach­sen ist. Über­haupt steht die as­tro­no­mi­sche Uhr­macher­kunst ganz in der Tra­di­ti­on der See­fah­rer­na­ti­on Nie­der­lan­de. Um ih­re gro­ßen Han­dels­flot­ten si­cher über die Welt­mee­re zu na­vi­gie­ren, wa­ren as­tro­no­mi­sche Kennt­nis­se un­er­läss­lich. Die Wis­sen­schaft der As­tro­no­mie wur­de des­halb im­mer ge­för­dert und vie­le gro­ße As­tro­no­men sind Nie­der­län­der, wie Adria­an Bla­auw und Jan H. Ort. Phy­sik-no­bel­preis­trä­ger Hei­ke Kam­mer­ling On­nes be­grün­de­te die In­stru­men­ten­ma­cher­schu­le in Lei­den, die auch Chris­tia­an van der Kla­auw ab­sol­vier­te. Auf die­se Tra­di­ti­on baut die Mar­ke CVDK auf und spielt mit den Ver­satz- stü­cken der Ver­gan­gen­heit. Denn heu­te braucht kein Mensch mehr me­cha­ni­sche In­stru­men­te, um sei­ne Po­si­ti­on auf Land oder zur See zu be­stim­men. Wer sich heu­te ei­ne Uhr mit as­tro­no­mi­schen Kom­pli­ka­tio­nen ans Hand­ge­lenk bin­det, will et­was an­de­res: ein sehr schö­nes, hoch kom­ple­xes Spiel­zeug.

Das ist ei­gent­lich bei al­len CVDK-UH­REN so, aber in der Mid­ni­ght Pla­né­ta­ri­um aus der Kol­lek­ti­on Poe­tic Com­pli­ca­ti­on, die die No­bel­mar­ke Van Cleef & Ar­pels her­aus­ge­bracht hat, ist die­ses Prin­zip zur höchs­ten Voll­en­dung ge­bracht wor­den. Reint­jes ist stolz dar­auf, dass Van Cleef & Ar­pels CVDK als Kon­struk­teur der as­tro­no­mi­schen Mo­du­le nennt. Die Mid­ni­ght Pla­né­ta­ri­um ist ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung der ein­gangs er­wähn­ten Pla­ne­ta­ri­um von CVDK. Bei der Van Cleef & Ar­pel­sUhr ist aber das gan­ze Zif­fer­blatt die Büh­ne für die Um­lauf­bah­nen der Pla­ne­ten. CVDK kon­stru­iert für ei­ni­ge gro­ße Gen­fer Ma­nu­fak­tu­ren, aber die Ar­beit für Van Cleef & Ar­pels war na­tür­lich ein wich­ti­ges Pres­ti­ge­ob­jekt, das den Na­men van der Kla­auw auf dem Gen­fer Sa­lon 2014 ins Spiel brach­te. Mit Mar­ke­ting­maß­nah­men hält sich das Ehe­paar Reint­jes an­sons­ten eher zu­rück. »Bei uns über­zeu­gen Kon­struk­tio­nen und De­sign, nicht der gro­ße Auf­tritt«, er­klärt Da­ni­el Reint­jes. Na­tür­lich müs­se sich die Ma­nu­fak­tur mit ih­ren zehn Mit­ar­bei­tern – dar­un­ter drei Uhr­ma­cher und zwei In­stru­men­ten­ma­cher von der Fach­schu­le in Lei­den – tra­gen und auch et­was Ge­winn ab­wer­fen, »aber es geht uns nicht dar­um, das gro­ße Geld zu ma­chen«, ver­si­chert Reint­jes glaub­wür­dig. Der Job be­rei­te ihm und sei­ner Frau ein­fach sehr viel Ver­gnü­gen, er­nährt sie und füllt sie kom­plett aus. Auch Chris­tia­an van der Kla­auw selbst ist noch ak­tiv, wenn auch eher in be­ra­ten­der Funk­ti­on. Die Roh­wer­ke lie­fert ein Schwei­zer Un­ter­neh­men als Son­der­an­fer­ti­gun­gen mit zwei Fe­der­häu­sern, denn die in den Nie­der­lan­den her­ge­stell­ten Mo­du­le der as­tro­no­mi­schen Kom­pli­ka­tio­nen be­nö­ti­gen ei­ne zu­sätz­li­che Ener­gie­quel­le. Je­de neue Kon­struk­ti­on wer­de schließ­lich von ei­nem As­tro­no­men nach­ge­rech­net. »Dass das al­les hun­dert­pro­zen­tig stimmt, sind wir schließ­lich un­se­rem Na­men schul­dig«, sagt Reint­jes. As­tro­no­mie ist eben in ers­ter Li­nie ei­ne ganz nüch­ter­ne Wis­sen­schaft – auch wenn die as­tro­no­mi­schen Uh­ren von Chris­tia­an van der Kla­auw ei­nen zum Träu­men brin­gen. ———

VON WIS­SEN­SCHAFT UND UHR­MACHER­KUNST Dass al­le as­tro­no­mi­schen Kom­pli­ka­tio­nen auch zu hun­dert Pro­zent stim­men, lässt sich Chris­tia­an van der Kla­auw von As­tro­no­men be­stä­ti­gen.

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