Voll­ka­len­der Chro­no­graph

Preis­ka­te­go­rie bis 3 000/4 000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Mar­ti­na Rich­ter Fotos — Ok-pho­to­gra­phy

Lon­gi­nes und Wem­pe Glas­hüt­te zei­gen, wie ho­he Funk­tio­na­li­tät auf un­ter­schied­li­che Wei­se zur An­zei­ge kom­men kann.

Chro­no­gra­phen­funk­ti­on und Voll­ka­len­der in ei­nem Uhr­werk un­ter,

vor al­lem aber auf dem Zif­fer­blatt über­sicht­lich zur An­zei­ge zu brin­gen, stellt ei­ne nicht zu un­ter­schät­zen­de Her­aus­for­de­rung dar. Das zeigt un­ser Ver­gleich zwi­schen Lon­gi­nes und Wem­pe Glas­hüt­te.

——— Das Eta/val­joux 7751 ist ein wah­res Mul­ti­ta­lent. Ne­ben der Zeit­an­zei­ge bie­tet es aus sei­nem Ba­sis­ka­li­ber her­aus – dem all­seits be­kann­ten und äu­ßert be­lieb­ten Eta/val­joux 7750 – die Stop­pfunk­ti­on, da­zu aber noch ei­nen so­ge­nann­ten Voll­ka­len­der mit Da­tum, Wo­chen­tag, Mo­nat und Mond­pha­sen­an­zei­ge und oben­drein ei­ne 24-St­un­den-darstel­lung.

In­so­fern un­ter­schei­det es sich in vie­ler­lei Hin­sicht vom Grund­ka­li­ber. Wäh­rend die An­zei­gen der Stop­pfunk­ti­on auf glei­che Wei­se ver­teilt sind – Stopp­se­kun­de aus der Mit­te, 30-Mi­nu­ten-zäh­ler bei zwölf und Zwölf-st­un­den-zäh­ler bei sechs Uhr – wer­den Wo­chen­tag und Da­tum nicht wie im Eta/val­joux 7750 bei drei Uhr an­ge­zeigt. Viel­mehr ver­weist ein Zei­ger aus der Mit­te auf das Da­tum, das sich im Fal­le un­se­rer bei­den Te­stuh­ren von Lon­gi­nes und Wem­pe Glas­hüt­te je­weils am Zif­fer­blatt­rand be­fin­det. Der Wo­chen­tag er­scheint in ei­nem Fens­ter un­ter­halb von zwölf Uhr. In ei­nem zwei­ten rechts da­ne­ben kommt der Mo­nat zur An­zei­ge. Bei­de Zif­fer­blatt­öff­nun­gen be­fin­den sich im Coun­ter des Chronograp­hen-mi­nu­ten­zäh­lers.

Die Mond­pha­sen­an­zei­ge ist dar­un­ter bei sechs Uhr in den Zwöl­fSt­un­den-zäh­ler des Chronograp­hen in­te­griert. Per­ma­nen­te Se­kun­de und 24-St­un­den-zei­ger tei­len sich das Hilfs­zif­fer­blatt bei neun Uhr. Das ist bei bei­den Te­stuh­ren glei­cher­ma­ßen der Fall – bei der Con­quest Clas­sic Moon­pha­se von Lon­gi­nes eben­so wie bei der Wem­pe Glas­hüt­te Zeit­meis­ter Chro­no­graph Voll­ka­len­der Mond­pha­se, um die aus­la­den­den Mo­dell­na­men an die­ser Stel­le ein­mal aus­zu­for­mu­lie­ren. Die Kon­struk­ti­on des Eta/val­joux 7751 lässt kaum Mög­lich­kei­ten zur Va­ria­ti­on bei den im­mer­hin elf An­zei­gen zu. Al­so sind die Her­stel­ler ge­fragt, die Viel­zahl der Funk­tio­nen ent­spre­chend les­bar auf das Zif­fer­blatt zu pro­ji­zie­ren.

Vol­le Funk­ti­on – vol­le Zif­fer­blät­ter

Auf den ers­ten Blick meint man, die Wem­pe-uhr bes­ser ab­le­sen zu kön­nen als die Lon­gi­nes. Das liegt an ei­nem leicht gelb­li­che­ren, mat­tier­ten und da­durch we­ni­ger chan­gie­ren­den Zif­fer­blatt­grund und an stär­ke­ren Kon­tras­ten zwi­schen die­sem und den zahl­rei­chen, sau­ber auf­ge­brach­ten, fei­nen Ska­lie­run­gen. Die ap­pli­zier­ten und ge­schlif­fe­nen St­un­den­in­di­zes so­wie die fa­cet­tier­ten Dau­phi­ne-zei­ger

LON­GI­NES CON­QUEST CLAS­SIC MOON­PHA­SE

In der dem Reit­sport ge­wid­me­ten Li­nie wi­der­spie­gelt der Chro­no­graph die sport­li­che In­spi­ra­ti­on der Uhr. Die Ele­ganz kommt in den wei­chen Li­ni­en

und mit der Mond­pha­sen­an­zei­ge des Voll­ka­len­ders zum Aus­d­druck.

von St­un­de und Mi­nu­te bie­ten am Ta­ge er­staun­li­cher­wei­se mehr Kon­trast als die glei­chen, mit Leucht­far­be ge­füll­ten Ele­men­te der Lon­gi­nesUhr. Die Haupt­zeit lässt sich al­ler­dings bei bei­den Uh­ren un­ter Ta­ges­licht­ver­hält­nis­sen ganz gut ab­le­sen. Nachts sitzt man mit der Wem­pe-uhr al­ler­dings im Dun­keln, wäh­rend bei der Lon­gi­nes neun St­un­den­in­di­zes so­wie St­un­den- und Mi­nu­ten­zei­ger dank Su­per­lu­mi­no­va-fül­lun­gen in hel­lem Grün er­strah­len.

Voll­stän­di­ge Ska­lie­rung, fast voll­kom­me­ne Gang­wer­te

Ka­len­der- oder Stop­pfunk­ti­on – wor­auf legt der Her­stel­ler mehr Wert? Wem­pe un­ter­teilt die Stopp­se­kun­den­ska­la am Zif­fer­blatt­rand noch­mals in die dem Takt des Uhr­werks von vier Hertz ent­spre­chen­den Bruch­tei­le. Das Da­tum be­fin­det sich auf ei­nem Re­haut, wor­auf ein ro­ter Halb­kreis am En­de ei­nes lan­gen, schma­len Zei­gers ver­weist. Lon­gi­nes da­ge­gen ver­zich­tet auf die de­tail­lier­te­re Stopp­se­kun­den­ein­tei­lung und plat­ziert die ent­spre­chen­de Chro­no- gra­phen-ska­la auf dem Hö­hen­ring. Of­fen­sicht­lich legt der Her­stel­ler mehr Wert auf die Ka­len­der­funk­ti­on, denn das Da­tum auf dem Zif­fer­blatt­grund ist bes­ser wahr­nehm­bar als das auf den Re­haut der Wem­pe-uhr, der da­zu­ge­hö­ri­ge stäh­ler­ne Zei­ger al­ler­dings schlech­ter zu fin­den als der mit dem ro­te En­de von Wem­pe.

Auf Ge­nau­ig­keit legt Wem­pe auch bei der Klei­nen Se­kun­de den grö­ße­ren Wert. Das kann und darf auch gar nicht an­ders sein, denn schließ­lich han­delt es sich hier um ein nach der DIN 8319 zer­ti­fi­zier­tes deut­sches Chro­no­me­ter aus Glas­hüt­te. Das Ron­dell ist kom­plett durchska­liert und bil­det den Au­ßen­kreis des Coun­ters bei neun Uhr. Auch die 24-St­un­den-an­zei­ge ist voll­stän­dig und in kräf­ti­gem Schwarz sau­ber auf- ge­bracht. Viel blas­ser er­scheint das al­les bei der Lon­gi­nes. Die Se­kun­de ist zu­dem nur in Fün­fer­schrit­ten mar­kiert und bil­det im Ge­gen­satz zur Wem­pe-uhr den klei­ne­ren In­nen­be­reich des Hilfs­zif­fer­blat­tes.

Beim 30-Mi­nu­ten-zäh­ler in der Zwölf-uhr-po­si­ti­on neh­men sich bei­de nicht viel. Ver­wun­der­lich ist bei der Wem­pe-uhr, dass der Zwöl­fSt­un­den-zäh­ler nicht die hal­ben St­un­den mar­kiert, ist es bei ei­nem Chro­no­graph mit 30-Mi­nu­ten-zäh­ler doch von Re­le­vanz, ein­deu­tig zu wis­sen, ob man sich in der ers­ten oder zwei­ten Hälf­te ei­ner St­un­de be­fin­det. An die­ser Stel­le nimmt es aus­nahms­wei­se die Lon­gi­nes et­was ge­nau­er. Und auch im Gang­ver­hal­ten steht sie der Wem­pe-uhr in nichts nach, auch oh­ne Chro­no­me­ter­zer­ti­fi­kat.

WEM­PE GLAS­HÜT­TE ZEIT­MEIS­TER CHRO­NO­GRAPH VOLL­KA­LEN­DER MOND­PHA­SE

So viel » Zeit­meis­ter « gab es noch nie – die­se Uhr ist die kom­pli­zier­tes­te der Li­nie. Die ho­he Funk­tio­na­li­tät krönt ei­ne ei­ge­ne Reg­la­ge­vor­rich­tung und

das Chro­no­me­ter­zer­ti­fi­kat nach den amt­li­chen Vor­ga­ben der DIN 8319.

Voll­ka­len­der heißt, man muss ab und zu Hand an­le­gen, um die An­zei­gen zu kor­ri­gie­ren, denn die­se ver­gleichs­wei­se »ein­fa­che« Ka­len­der­form kennt kei­ne Mo­nats­län­gen wie der Jah­res­ka­len­der oder gar Schalt­jah­re wie der Ewi­ge Ka­len­der. Zum Ri­tu­al zieht man die Kro­ne in die mitt­le­re Po­si­ti­on. Dreht man die­se nun ge­gen den Uhr­zei­ger­sinn, schal­tet das Da­tum wei­ter, vom 31. auf den 1. dreht sich dann auch die Mo­nats­schei­be. Be­wegt man die Kro­ne im Uhr­zei­ger­sinn, wird die Mond­pha­se wei­ter­ge­schal­tet. Ob­wohl die Kro­ne der Wem­pe-uhr grif­fi­ger er­scheint, ist sie schwe­rer, vor al­lem in die drit­te Po­si­ti­on zur Zei­ger­stel­lung zu be­we­gen als die Kro­ne der Lon­gi­nes. Der Wo­chen­tag wird bei bei­den Uh­ren über ei­nen ins Ge­häu­se in­te­grier­ten Drü­cker bei zehn Uhr jus­tiert. Man be­nö­tigt al­so ein Hilfs­mit­tel. Im Ge­gen­satz zu Da­tum und Mo­nat muss man ihn al­ler­dings auch nicht ge­le­gent­lich kor­ri­gie­ren, vor­aus­ge­setzt die Uhr läuft durch. In­so­fern lässt sich der Kom­pro­miss ein­ge­hen. Und die Mond­pha­sen­an­zei­ge über ein Rad mit 59 Zäh­nen muss man ei­gent­lich erst nach et­wa 2,5 Jah­ren um ei­nen Tag kor­ri­gie­ren. Sie ist da­mit die prä­zi­ses­te Ka­len­der­funk­ti­on.

Nicht nur für den zu über­win­den­den star­ken Wi­der­stand beim Star­ten des Chronograp­hen eig­nen sich die recht­ecki­gen Drü­cker der Wem­pe-uhr mit ih­ren ver­gleichs­wei­se gro­ßen Auf­la­ge­flä­chen bes­ser. Sie ge­hö­ren zu ei­nem drei­tei­li­gen, teils po­lier­ten, teils fein sa­ti­nier­ten Ge­häu­se­en­sem­ble mit sechs­fach ver­schraub­tem, mas­si­vem Ge­häu­se­bo­den und weit nach un­ten ge­zo­ge­nen, al­ler­dings recht scharf­kan­tig aus­lau­fen­den Band­an­stö­ßen. Die­se ver­spürt man am Hand­ge­lenk zum Glück eben­so we­nig wie der star­ke Män­ner­arm den viel zu ho­hen und da­mit un­schö­nen An­satz der Band­tei­le ka­schiert. Da­für ist das Rep­til­le­der­band hoch­wer­tig, hand­ge­macht, auf­ge­pols­tert und mit ei­ner Falt­schlie­ße voll­endet. Lon­gi­nes »löst« das Pro­blem an ei­nem weit­aus schlich­te­ren Ge­häu­se mit we­ni­ger nach un­ten ge­zo­ge­nen Band­an­stö­ßen und ei­nem fes­ten An­schluss­stück zum Stahl­band hin. Das gan­ze sieht am Hand­ge­lenk nicht un­be­dingt char­man­ter aus, zu­mal An­stö­ße und An­schluss­stü­cke nicht auf glei­chem Ni­veau en­den. Das Band da­ge­gen emp­fin­det man flie­ßend weich und hoch­wer­tig. Es ist mit ei­ner Schmet­ter­lings­falt­schlie­ße mit seit­li­chen Drü­ckern aus­ge­stat­tet. Zur Schlie­ße hin sind ei­ni­ge Glie­der ver­schraubt, so dass sich das Band in sei­ner Län­ge kom­for­ta­bel va­ri­ie­ren lässt.

Voll­wer­tig­keit trotz klei­ner Ab­stri­che

Die Lon­gi­nes Con­quest Clas­sic Moon­pha­se punk­tet mit ei­nem güns­ti­ge­ren Preis, der nicht zu­letzt auf die Zu­ge­hö­rig­keit der Mar­ke zur Swatch Group zu­rück­geht, mit mehr Be­di­en­kom­fort hin­sicht­lich der Kro­ne und vor­han­de­ner Nachtables­barkeit. Mit der Wem­pe Glas­hüt­te Zeit­meis­ter Chro­no­graph Voll­ka­len­der Mond­pha­se kauft man ei­ne ins­ge­samt hoch­wer­ti­ge­re Uhr, wo­bei man al­ler­dings auch bei die­ser Ab­stri­che ma­chen muss, denkt man bei­spiels­wei­se an die Band­an­stö­ße. Die ho­he Funk­tio­na­li­tät des Uhr­werks wird bes­ser in zu­meist gut ab­les­ba­re An­zei­gen um­ge­setzt. Et­was Leucht­far­be wür­de dem Chro­no­me­ter aus Glas­hüt­te auch noch gut zu Ge­sicht ste­hen. ———

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