Tipp vom Uhr­ma­cher

Un­se­re klei­nen me­cha­ni­schen Lieb­lin­ge brau­chen Pfle­ge. Und je­man­den, der sie auch ein­mal re­pa­rie­ren kann, wenn wir un­acht­sam wa­ren. Aber sie in frem­de Hän­de zu ge­ben, braucht Ver­trau­en. Das UH­REN-MAGZIN möch­te wis­sen, wer die Men­schen in den Werk­stät­ten s

Uhren-Magazin - - Inhalt -

Pe­ter Ir­le, Uhr­ma­cher­meis­ter in der Ham­bur­ger Zen­tral­werk­statt von Ju­we­lier Wem­pe er­klärt, war­um Ser­vice ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung, aber an je­der Uhr re­gel­mä­ßig zu leis­ten ist.

——— »Wir le­ben in ei­ner tech­ni­sier­ten Welt«, führt Pe­ter Ir­le aus, »die vol­ler Din­ge steckt, die ir­gend­wann ka­putt ge­hen«. Sie zu re­pa­rie­ren, hat sich Pe­ter Ir­le von Kin­des­bei­nen an selbst bei­ge­bracht: »Al­les, was tech­nisch ist und re­pa­riert wer­den kann, hat mich in­ter­es­siert.« Schon als Ju­gend­li­cher hat­te er sich er­folg­reich an Großuh­ren aus der Ver­wandt­schaft ver­sucht. Und so führ­te ihn die Leh­re zu ei­nem Uhr­ma­cher nach Ham­burg-eims­büt­tel. Nach der Meis­ter­prü­fung ging es 1993 zu Wem­pe. In der Ham­bur­ger Zen­tral­werk­statt ar­bei­tet er bis heute und nennt das ei­nen ab­so­lu­ten Glücks­fall. Denn hier wird auf pro­fes­sio­nel­lem Ni­veau ge­ar­bei­tet. Das war für ihn wie ei­ne zwei­te Lehr­zeit. Da­bei lag die Werk­statt aus heu­ti­ger Sicht im Dorn­rös­chen­schlaf. »Aber dann hat Hell­mut Wem­pe sei­ne Ser­vice- Of­fen­si­ve ge­star­tet. Denn Uh­ren ver­kau­fen kann je­der, aber am Ser­vice schei­tern vie­le.« In den ver­gan­ge­nen 23 Jah­ren hat sich so viel ge­tan, dass die Fas­zi­na­ti­on bis heute an­hält. Die be­steht für ihn aus der Un­vor­her­seh­bar­keit. Denn kei­ne Uhr ist wie die an­de­re. Es ist oft De­tek­tiv­ar­beit zu leis­ten. So gibt es für ein Sym­ptom ver­schie­de­ne Ur­sa­chen. Das macht das Re­pa­rie­ren viel­fäl­ti­ger als das Pro­du­zie­ren. Uh­ren sind so un­ter­schied­lich wie Men­schen. Und die Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Uhr ist viel­schich­tig, denn: »Wenn ich die Uhr als Gan­zes se­he, weiß ich schon, wie der Kun­de mit der Uhr um­geht.« Da­nach rich­tet sich sei­ne Re­pa­ra­tur­tak­tik. Trotz des ho­hen Ar­beits­pen­sums gibt es kei­ne Rou­ti­ne, weil die Uh­ren in­di­vi­du­ell sind. Die Freu­de an der Her­aus­for­de­rung be­zeugt schon sein Meis­ter­stück, ei­ne Ti­schuhr. Nur das Ech­ap­pe­ment war von Mat­t­hew Nor­man, al­les an­de­re bau­te er selbst. Doch zum Schluss ging das Ver­ni­ckeln schief. Die gan­ze Nacht über muss­te er das fle­ckig ge­ra­te­ne Er­geb­nis wie­der müh­sam ab­schlei­fen und gab das Uhr­werk zum Ver­gol­den. In der Nacht vor der Ab­ga­be ent­stand das ge­for­der­te Fo­to und die Do­ku­men­ta­ti­on. »Und am an­de­ren mor­gen war das fer­tigt«, strahlt Pe­ter Ir­le, »dar­auf bin ich bis heute un­glaub­lich stolz.« Die Uhr steht bei ihm zu Hau­se und er gibt zu, dass sie mitt­ler­wei­le ei­ner Re­vi­si­on be­dür­fe. Ei­ne Großuhr sei des­we­gen so fas­zi­nie­rend, weil man al­les sel­ber ma­chen kön­ne. Bei den Arm­band­uh­ren ge­he es heute mehr um ein Tei­le tau­schen. Das wer­de im­mer pro­fes­sio­nel­ler, be­schreibt er den Fort­schritt: Bei Arm­band­uh­ren in­ter­es­siert ihn nicht die Mar­ke. »Ich schaue auf das Werk und das gan­ze Pro­dukt, ob das nach­hal­tig kon­stru­iert ist und man dau­er­haft dar­an Freu­de ha­ben kann.« Dem Kun­den rät er, die Uhr dann zu brin­gen, »wenn sie sich nicht mehr ver­hält wie ge­wohnt.« Wich­tig ist ihm bei sei­ner Ar­beit der Blick ins Freie. Aus­gleich bie­tet ihm ein schö­nes Zu­hau­se mit Aus­blick in die Fer­ne, Rad­fah­ren, Fo­to­gra­fie­ren und das Ko­chen mit Freun­den. ———

Pro­to­koll: Tho­mas Wan­ka

»Uh­ren ver­kau­fen kann je­der, am Ser­vice schei­tern vie­le.«

Pe­ter Ir­le, Uhr­ma­cher­meis­ter in der Ham­bur­ger Zen­tral­werk­statt bei Ju­we­lier Wem­pe

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