Uhr­sprüng­lich

Preis­ka­te­go­rie bis 20 000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Neues - Tex t — Tho­mas Wan­ka Fotos — Ok-pho­to­gra­phy

——— Rund ist das neue eckig. Denn der an­hal­ten­de Er­folg der un­ver­wüst­li­chen Re­ver­so lässt die krea­ti­ven Geis­ter bei Ja­e­ger-le­coult­re nicht ru­hen. Die Klapp­ka­me­ra­den ver­tei­di­gen die Spit­zen­plät­ze in den Ver­kaufs­hit­pa­ra­den. Aber ecki­ge Uh­ren sind und blei­ben eben nur ei­ne Ni­sche am Uh­ren­markt und run­de Uh­ren do­mi­nie­ren die Ver­käu­fe. Doch run­de Uh­ren bie­ten vie­le Mar­ken an. So gilt es aus Sicht der äl­tes­ten Ma­nu­fak­tur aus dem Val­lée de Joux hier, et­was Be­son­de­res zu bie­ten, um dem Er­folg der Re­ver­so nach­zu­ei­fern und ihr bei run­den Uh­ren et­was Ver­gleich­ba­res zur Sei­te zu stel­len. Da­zu star­te­te man be­reits im Vor­jahr ein klei­nes Ex­pe­ri­ment. Als li­mi­tier­te Ver­si­on er­weck­te man die Geo­phy­sic aus dem Jahr

1958 wie­der zum Le­ben. Von die­ser Ver­si­on schick­te man 300 Ex­em­pla­re in Rot­gold vor­ab welt­weit auf die Ex­pe­di­ti­on in die Ju­we­liers­lä­den, es­kor­tiert von 800 Be­glei­tern im stäh­ler­nen Ge­häu­se. Den 58 Ex­pe­di­ti­ons­teil­neh­mern in Pla­tin woll­te man nur die ei­ge­nen Bou­ti­quen als welt­um­span­nen­des Ex­pe­ri­men­tier­feld zu­mu­ten.

Die Se­kun­de der Wahr­heit

ist an­ge­bro­chen

Die Er­geb­nis­se die­ses Aus­flu­ges ha­ben die Ent­schei­der in Le Sen­tier of­fen­sicht­lich er­mu­tigt, sich mit die­ser Fa­mi­lie nun an das Aben­teu­er ei­ner Se­ri­en­fer­ti­gung zu wa­gen.

Das neue Geo­phy­sic-ex­pe­di­ti­ons­korps be­steht aus zwei Mit­glie­dern, je­weils in ei­ner Ro­sé­gold- und ei­ner Edel­stahl­aus­füh­rung. Mit der Geo­phy­sic Universal Ti­me bie­tet Ja­e­ger-le­coult­re ei­ne neue Welt­zeit­uhr an. De­ren Zif­fer­blatt, mit ei­ner auf den Nord­pol zen­trier­ten Erd­ku­gel, de­ren Mee­res­ober­flä­che ein­drucks- voll blau la­ckiert er­scheint, ver­mit­telt ei­nen glo­ba­len, geo­phy­si­schen Über­blick. Auf den ers­ten Blick un­schein­ba­rer wirkt das zwei­te Ex­pe­di­ti­ons­mit­glied, wel­ches der Her­stel­ler in die un­wirt­li­che Um­ge­bung der UH­REN-MA­GA­ZIN-RE­DAK­TI­ON ent­sen­det, die Geo­phy­sic True Se­cond.

Ob­wohl der Mo­dell­na­me be­reits viel ver­rät, sorgt dann der zwei­te Blick für Er­stau­nen. Der lan­ge Se­kun­den­zei­ger, der aus der Zif­fer­blatt­mit­te her­aus ent­springt, ver­hält sich, als wür­de der Schritt­mo­tor ei­nes Quarz­wer­kes ihm An­trieb ver­schaf­fen. Ge­nau dar­aus re­sul­tiert der char­man­te »Aha«-ef­fekt, der da­mit er­reicht wer­den soll. Die ele­gan­te Sch­licht­heit des Zeit­mes­sers kon­tras­tiert auf das Er­staun­lichs­te mit die­sem be­wusst ge­setz­ten Ef­fekt. Die Ge­nau­ig­keit ei­ner Quarz­uhr zu­min­dest in der An­mu­tung mit den Mit­teln ei­ner me­cha­ni­sche Arm­band­uhr zu imi­tie­ren, ent­lockt dem er­ken­nen­den Be­trach­ter ein Schmun­zeln.

Zeit exis­tiert nur durch ih­re Mess­bar­keit. Dar­an er­in­nert die Geo­phy­sic, ei­ne neue Uh­ren­fa­mi­lie von Ja­e­ger-le­coult­re. Sie ist Zeu­gin ver­gan­ge­ner Zei­ten, als der

Glau­be an Fort­schritt durch Wis­sen­schaft noch un­er­schüt­ter­lich er­schien. DIE ERS­TEN MIT­GLIE­DER EI­NER NEU­EN FA­MI­LIE IN DER KOL­LEK­TI­ON Ein­fa­ches scheint für Ja­e­ger- Le­coult­re ein­fach un­mög­lich zu sein. Selbst ei­ne schlich­te Drei­zei­ge­ruhr ge­rät den Uhr­ma­chern aus der Ma­nu­fak­tur im

Schwei­ze­ri­schen Val­lée de Joux zu ei­ner klei­nen Kom­pli­ka­ti­on.

Fas­zi­niert schaut er auf die ex­ak­ten Sprün­ge des Se­kun­den­zei­gers von In­dex zu In­dex. Und als ob der Wis­sen­schaft­ler in ihm er­wacht, greift er zur Uh­ma­cher­lu­pe und ver­folgt zu­neh­mend un­gläu­big, wie ex­akt hier ge­ar­bei­tet wur­de. Die Zei­ger­län­ge passt nicht nur an ei­ner Stel­le per­fekt. Auch wenn er den Se­kun­den­zei­ger ein­mal rund um das Zif­fer­blatt ver­folgt, ver­mag er kei­ne Ab­wei­chung zu er­ken­nen. Die In­di­zes sind per­fekt po­si­tio­niert und das Zif­fer­blatt ab­so­lut mit­tig. An kei­ner Stel­le herrscht auch nur lei­ses­ter Zwei­fel,

JA­E­GER- LE­COULT­RE CA­LI­BRE 770

Das neu ent­wi­ckel­te Au­to­ma­tik­werk be­sitzt ei­ne auf­fäl­li­ge Hem­mung na­mens Gy­rolab. Die zwei­ar­mi­ge Un­ruh oh­ne um­lau­fen­den Reif er­in­nert in

ih­rer Gestal­tung be­wusst an das Lo­go von Ja­e­ger- Le­coult­re.

wel­che Se­kun­de der Wahr­heit an­ge- bro­chen ist. Die­ser An­spruch stren­ger Wis­sen­schaft­lich­keit soll so­gar zum Durch­mes­ser des Ge­häu­ses von ex­akt 39,6 Mil­li­me­ter ge­führt ha­ben.

Selbst der Ge­häu­se­durch­mes­ser

ist wis­sen­schaft­lich er­mit­telt

Dank die­ses ge­wähl­ten Ge­häu­se­durch­mes­sers sol­len die er­reich­ten Tra­ge­ei­gen­schaf­ten op­ti­mal ab­ge­stimmt sein. Ob es tat­säch­lich die­ser Nach­kom­ma­stel­le ge­schul­det ist, oder ob der Käu­fer das für pseu­do­wis­sen­schaft­li­chen Ho­kus­po­kus hält, darf ihm letzt­end­lich egal sein. Fest steht, dass das braune Al­li­ga­tor­le­der­band mit sei­nen sechs Lö­chern und der ro­sé­gol­de­nen Dorn­schlie­ße für ei­nen sehr be­que­men und si­che­ren Sitz am Arm des Trä­gers sorgt. Zur pu­ris­ti­schen Gestal­tung der Geo­phy­sic passt die sach­li­che Aus­füh­rung des Arm­ban­des bes­tens. Das schwar­ze Al­li­ga­tor­le­der­band der nicht von uns ge­tes­te­ten Edel­stahl­ver­si­on ist mit ei­ner Falt­schlie­ße ver­se­hen.

Das neu ent­wi­ckel­te Au­to­ma­tik­werk JLC 770 bie­tet ei­ne Gang­dau­er von zeit­ge­mä­ßen 40 St­un­den. Ener­gi­e­nach­schub lie­fert ein ein­sei­tig auf­zie­hen­der, ske­let­tier­ter Rot­gold­ro­tor. Die­ser ist mit ei­nem auf­fal­lend sorg­fäl­tig aus­ge­führ­ten Son­nen­schliff ver­se­hen, der ihn na­he­zu in al­len Re­gen­bo­gen­far­ben schil­lern lässt. Das Fi­nis­hing des Wer­kes ist ihm eben­bür­tig aus­ge­führt, aber nicht über­trie­ben, um den funk­tio­na­len Cha­rak­ter der Uhr nicht zu stö­ren.

In die­sem Werk und dem 772 der Welt­zeit­uhr fällt dem Ken­ner die Gy­rolab-un­ruh ins Au­ge. Die­se Un­ruh oh­ne um­lau­fen­den Rei­fen ba­siert auf Ent­wick­lun­gen, die be­reits mit der Mas­ter Com­pres­sor Ex­tre­me Lab im Jahr 2007 vor­ge­stellt wur­den.

Die Un­ruh na­mens Gy­rolab ent­stand nach lan­ger For­schung

Schon die­se Un­ruh trug den ver­hei­ßungs­vol­len wie ver­rä­te­ri­schen Zu­satz »Tri­bu­te to Geo­phy­sic«. Es brauch­te je­doch noch acht Jah­re, um die The­men des Luft­wi­der­stan­des und der Fer­ti­gung zu be­ar­bei­ten, da­mit sie das La­bor ver­las­sen und mit der Geo­phy­sic-fa­mi­lie jetzt in Se­rie ge­hen kann. Ih­re Form er­in­nert nicht ganz zu­fäl­lig an das Fir­men­lo­go von Ja­e­ger-le­coult­re. Ein­ge­setzt wird sie in den Ka­li­bern 770 und 772 – wie auch die sprin­gen­de Se­kun­de in bei­den Wer­ken rea­li­siert ist. Die ein­fach er­schei­nen­de Auf­ga­be, den Se­kun­den­zei­ger zum ex­ak­ten Sprin­gen zu er­tüch­ti­gen, führt zu ei­ner ver­gleichs­wei­se kom­ple­xen klei­nen Kon­struk­ti­on. Denn das mit 28 800 Halb­schwin­gun­gen pro St­un­de ge­tak­te­te Ka­li­ber emit­tiert vier Im­pul­se je Se­kun­de. Drei da­von wer­den in ei­ner klei­nen Fe­der zwi­schen­ge­spei­chert, wel­che sie erst mit dem vier­ten Im­puls wei­ter gibt, und da­durch für das se­kun­den­wei­se Vor­rü­cken des Zei­gers sorgt.

Der lan­ge, schlan­ke Se­kun­den­zei­ger ist mit ei­nem kom­pak­ten Ge­gen­ge­wicht ver­se­hen, um das ruck­wei­se Vor­an­schrei­ten dau­er­haft zu be­wäl­ti­gen. Ihn bei die­sem Vor­an­schrei­ten zu be­ob­ach­ten ist in zwei­er­lei Hin­sicht ein Ver­gnü­gen: zum ei­nen durch die ex­ak­te Zeit­an­zei­ge,

wel­che an ein wis­sen­schaft­li­ches In- stru­ment er­in­nert, zum an­de­ren durch die Gang­wer­te, wel­che wir im Test er­mit­teln. Schon die Er­geb­nis­se auf der Zeit­waa­ge so­wohl kurz nach Voll­auf­zug wie nach 24 St­un­den fal­len viel­ver­spre­chend aus. Und auch im 14-tä­gi­ge Tra­ge­test ent­täuscht die True Se­cond die­se ho­hen Er­war­tun­gen an die Gang­ge­nau­ig­keit nicht.

Der de­zen­te Ein­satz von Su­per­lu­mi­no­va auf St­un­den- und Mi­nu­ten­zei­ger so­wie auf dem Zif­fer­blatt­re­hauts be­weist, dass man durch das nach­leuch­ten­de Ma­te­ri­al die Uhr auch nachts ab­les­bar ma­chen kann, oh­ne auch nur ei­nen Hauch an Ele­ganz ein­zu­bü­ßen. Von den schwert­för­mi­gen Zei­gern der li­mi­tier­te Edi­ti­on ist man wie­der ab­ge­kom­men. Das ist be­grü­ßens­wert, al­ler­dings ent­spra­chen sie dem Ur­sprungs­mo­dell, dem die Uhr ih­ren Na­men ver­dankt.

Das Jahr der Geo­phy­sik dau­er­te

ins­ge­samt an­dert­halb Jah­re

Das In­ter­na­tio­na­le Geo­phy­si­ka­li­sche Jah­re (IGJ) währ­te vom 1. Ju­li 1957 bis zum 31. De­zem­ber 1958. Die­sem Wett­be­werb der For­scher mit fried­li­chen Mit­teln stell­te Ja­e­ger-le­coult­re sein »Geo­phy­sic Chro­no­me­ter«, ver­se­hen mit dem ma­gnet­feld­ge­schütz­ten Ka­li­ber P478 zur Sei­te. Aus­ge­lie­fert wur­de die Uhr sin­ni­ger­wei­se in ei­ner dem Sput­nik nach­emp­fun­de­nen Ver­pa­ckung. Ei­ne die­ser Uh­ren ver­mach­te die Stadt Genf dem Kom­man­dan­ten des ame­ri­ka­ni­schen Atom-un­ter­see­boo­tes »Nau­ti­lus«. Mit die­sem hat­te er am 3. Au­gust 1958 den Nord­pol auf dem di­rek­ten Weg vom At­lan­tik zum Pa­zi­fik er­reicht. Und da­mit er­in­nert uns die heu­ti­ge Geo­phy­sic char­mant an ei­ne Zeit, die un­ge­bro­chen an den tech­ni­schen Fort­schritt glaub­te. ———

Un­ge­niert: Das auf­wän­dig de­ko­rier­te Au­to­ma­tik­werk 770 flir­tet un­ge­hin­dert durch den durch­bro­che­nen Ro­tor mit dem Be­trach­ter,

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