Pa­ne­rai

Preis­ka­te­go­rie bis 20 000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - Inhalt - Text — Martina Rich­ter Fotos — Ok-pho­to­gra­phy

Die Ra­dio­mir 1940 wirkt klas­sisch. Doch sie bie­tet ein neu­es Ma­nu­fak­tur­ka­li­ber P.4000 in ei­nem Tit­an­ge­häu­se. Un­ser Test zeigt, wie das Mi­kroro­tor­werk läuft.

Die Pa­ne­rai Ra­dio­mir 1940 ist ein gro­ßer Klas­si­ker und ver­eint doch so viel Neu­es. Erst­mals be­steht ihr Ge­häu­se aus Ti­tan. Es um­schließt das jüngs­te Ka­li­ber P.4000, das über ei­nen eher sel­ten zu fin­den­den Mi­kroro­tor-an­trieb ver­fügt. Nicht zu­letzt un­ter­streicht das in ei­ge­ner Ma­nu­fak­tur in Neu­châ­tel ent­wi­ckel­te Werk den Cha­rak­ter ei­nes Zeit­mes­sers, der sich in Form und Funk­ti­on auf das Nö­tigs­te kon­zen­triert.

——— Die Ra­dio­mir 1940 3 Days Au­to­ma­tic Ti­ta­nio, wie ih­re Be­zeich­nung in vol­ler Län­ge lau­tet, ist so neu, dass sie uns zum Test noch im Pro­to­ty­pen-sta­tus er­reicht. Um es gleich vor­weg zu neh­men – man sieht und merkt es ihr über­haupt nicht an. Die reich­li­che Aus­stat­tung der zeit­los klas­si­schen und schnör­kel­lo­sen Uhr ent­deckt man ei­gent­lich erst auf den zwei­ten Blick. Zum Bei­spiel be­steht das be­kann­te, kis­sen­för­mi­ge Ge­häu­se aus zwei Tit­an­le­gie­run­gen. Der Ring des Sa­phirglas­bo­dens und das aus ei­nem Block ge­ar­bei­te­te fein sa­ti­nier­te Mit­tel­teil be­ste­hen aus Ti­tan Grad 2. Die­ses ist kor­ro­si­ons­be­stän­dig und 40 Pro­zent leich­ter als Stahl. Oben bil­det ei­ne po­lier­te Lü­net­te aus Ti­tan Grad 5 ei­nen glän­zen­den Kon­trast. Aus dem glei­chen Ma­te­ri­al be­steht auch die Schraub­kro­ne. Wenn man sie löst, springt sie weit aus dem Ge­häu­se her­aus und lässt sich dank ih­rer Grö­ße und der seit­li­chen Rän­de­lung sehr gut be­nut­zen.

Klei­ne Nuan­cen ver­än­dern den Ge­samt­aus­druck der Uhr

Her­vor­ra­gend zum Ti­tan passt das brau­ne Zif­fer­blatt in sei­ner si­gni­fi­kan­ten Sand­wich-bau­wei­se. Die durch cha­rak­te­ris­ti­sche Zif­fern- und Ba­ton-aus­schnit­te hin­durch­schei­nen­de un­te­re Ebe­ne ist wie die Zei­ger mit spe­zi­el­ler, bei­ger Su­per­lu­mi­no­va be­schich­tet. Bei Dun­kel­heit be­ginnt sie in kräf­ti­gem Grün zu leuch­ten. Bei Ta­ges­licht hin­ge­gen un­ter­streicht ihr spe­zi­el­ler Farb­ton den be­ab­sich­tig­ten Vin­ta­ge-look die­ser Ra­dio­mir.

All das kom­plet­tiert ein schö­nes, wei­ches Büf­fel-rau­le­der­band mit kräf­ti­ger Kon­trast­naht. Es schmiegt sich samt Uhr char­mant ans Hand­ge­lenk und wird mit ei­ner Pa­ne­rai-ty­pi­schen, kan­ti­gen und am Ban­den­de ver­schraub­ten Dorn­schlie­ße ge­schlos­sen. Da­bei spürt man die zum Teil schar­fen Kon­tu­ren von Ge­häu­se­bo­den und Band­an­stö­ßen nicht.

Dass die Uhr mit reich­lich zwölf Mil­li­me­tern Bau­hö­he für ei­ne Pa­ne­rai aus­ge­spro­chen zu­rück­hal­tend da­her­kommt, und da­mit nicht nur in den rau­en All­tag, son­dern so­gar zu ei­nem Smo­king passt, ver­ant­wor­tet das neue Au­to­ma­tik­ka­li­ber P.4000 mit Mi­kroro­tor-an­trieb. Der klei­ne­re Durch­mes­ser des Ro­tors er­laubt, dass die Schwung­mas­se nicht über dem Uhr­werk, son­dern mit ihm auf »Au­gen­hö­he« sei­ne Ar­beit ver­rich­tet.

PA­NE­RAI- KA­LI­BER P. 4000 Der jüngs­te Spross der Ma­nu­fak­tur wird von ei­nem Mi­kroro­tor an­ge­trie­ben und baut in zwei Fe­der­häu­sern 72 St­un­den Gang­au­to­no­mie auf.

Nicht sel­ten be­rei­ten Mi­kroro­to­ren Pro­ble­me bei der Auf­zugs­leis­tung, die wir in un­se­rem kur­zen Test­zeit­raum al­ler­dings nicht dia­gnos­ti­zie­ren kön­nen. Der im Durch­mes­ser et­wa 17 Mil­li­me­ter mes­sen­de Ro­tor be­steht aus Wolfram, ei­nem Ma­te­ri­al mit be­son­ders ho­hem spe­zi­fi­schem Ge­wicht. Er ro­tiert in ei­nem Zir­ko­ni­um-ku­gel­la­ger und zieht zwei über­ein­an­der ge­sta­pel­te und in Rei­he ge­schal­te­te Fe­der­häu­ser in bei­de Rich­tun­gen auf. Die Kon­struk­ti­on si­chert im­mer­hin drei Ta­ge Gang­au­to­no­mie. Schaut man ein­mal ge­nau­er durch den Sa­phirglas­bo­den, so ent­deckt man zahl­rei­che, in die Au­to­ma­tik­brü­cke ein­ge­las­se­ne Ru­bi­ne. Die ei­nen die­nen zur La­ge­rung von Klein­bo­den- und Se­kun­den­rad und tra­gen auf ih­re Wei­se zur Flach­heit des Ka­li­bers P.4000 bei, die an­de­ren ver­rin­gern die Rei­bung am Ro­tor. Sie ste­hen nicht im per­ma­nen­ten Kon- takt mit der Schwung­mas­se, son­dern fe­dern die­se bei even­tu­el­len Schlä­gen und Er­schüt­te­run­gen ab und las­sen sie leicht wei­ter­glei­ten. Im nor­ma­len Be­trieb schwebt der Ro­tor mit mi­ni­ma­lem Ab­stand über die leicht ge­wölb­ten Ru­bi­ne hin­weg.

Uhr­werk mit klei­nem Ro­tor zeigt sich in sei­ner gan­ze Grö­ße

Ei­nen be­reits be­kann­ten An­blick aus frü­he­ren Pa­ne­rai-ka­li­bern lie­fert die sta­bi­le Brü­cken­bau­wei­se. Un­ter der ei­nen ver­schwin­det ein Groß­teil des Uhr­werks, un­ter der an­de­ren schwingt die Un­ruh mit va­ria­blem Träg­heits­mo­ment im Vier-hert­zRhyth­mus. Zwei Schrau­ben die­nen

RA­DIO­MIR 1940 3 DAYS AU­TO­MA­TIC TI­TA­NIO Der De­si­gn­klas­si­ker passt mit ver­gleichs­wei­se fla­chem Ge­häu­se un­ter je­de Hemd­man­schet­te. In Ti­tan ist er zeit­los- edel und sport­lich- mo­dern zu­gleich.

zum Ein­stel­len des senk­rech­ten Spiels der Un­ruh­wel­le. Re­gu­liert wird der Os­zil­la­tor über vier Schrau­ben am Un­ruh­reif. Bei un­se­rem Test­modell ist das sehr gut ge­lun­gen. Die Uhr weicht auf der Zeit­waa­ge und auch am Hand­ge­lenk kaum im Gang ab. Das ist sehr be­mer­kens­wert für ein neu­es und so spe­zi­ell kon­stru­ier­tes Uhr­werk. Mo­der­ne Uhr­werk­tech­nik, ein­ge­baut in ei­nem De­si­gn­klas­si­ker – da­rin zeigt sich wah­re Grö­ße und das Über­dau­ern der Zeit. ———

Be­wer­tung in der Preis­ka­te­go­rie bis 20 000 Eu­ro Pa­ne­rai von 100

91 Punk­te

Ori­gi­nal­grö­ße: Die Ra­dio­mir 1940 mit dem P.4000 fällt mit zwölf Mil­li­me­tern Bau­hö­he flach aus.

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