Mont­blanc

Preis­ka­te­go­rie bis 10 000 Eu­ro

Uhren-Magazin - - In­halt - Text — Martina Rich­ter Fo­tos — Ok-pho­to­gra­phy

Die He­ri­ta­ge Chro­no­mé­trie Chro­no­graph Quan­tiè­me An­nu­el ist fast so kom­pli­ziert wie ihr Na­me. Der Jah­res­ka­len­der-chro­no­graph zeigt, was er kann.

——— Als Ver­mächt­nis der Schwei­zer Uhr­ma­che­rei be­trach­tet Mont­blanc die He­ri­ta­ge-chro­no­mé­trie-kol­lek­ti­on. Gro­ße Wor­te. Mit ei­ner spe­zi­el­len Uh­ren­li­nie das Er­be der ehe­ma­li­gen Ma­nu­fak­tur Mi­ner­va und ih­res Vor­zei­ge-mo­dells Pytha­go­re an­zu­tre­ten, ist da­bei vi­el­leicht kei­ne schlech­te Idee. Beim He­ri­ta­ge Chro­no­mé­trie Chro­no­graph Quan­tié­me An­nu­el scheint sie zu­nächst weit her­ge­holt.

Der Na­me Mi­ner­va tauch­te 1923 das ers­te Mal auf. Die Ge­schich­te reicht al­ler­dings bis ins Jahr 1858 zu­rück. In der Zwi­schen­zeit ent­stan­den be­reits Ta­schen­uhr­ka­li­ber, Ta­schen­chro­no­gra­phen und Ta­schen­stopp­uh­ren. Das ers­te Arm­band­uhr­werk wur­de 1909 ent­wi­ckelt. Auch wenn in den 1940er-jah­ren das Hand­auf­zug­ka­li­ber 48 in der Pytha­go­re Fu­ro­re mach­te, lag der Pro­duk­ti­ons­schwer­punkt im­mer bei Uh­ren mit Stopp­me­cha­nis­men. Nach ei­ni­gen Ge­ne­ra­ti­ons- und Be­sit­zer­wech­seln kam im Jahr 2006 die Fa­b­ri­que d’hor­lo­ge­rie Mi­ner­va SA zum Schwei­zer Lu­xus­gü­ter­kon­zern Ri­che­mont und kon­ver- tier­te zur Wer­ke­ma­nu­fak­tur von Mont­blanc. Ei­ne nicht ganz ab­we­gi­ge Syn­the­se, the­ma­ti­sier­te doch der Schreib­ge­rä­te­her­stel­ler über den An­satz des »Zeit­schrei­bens« eben­falls die Stopp­funk­ti­on. Uh­ren un­ter dem Mar­ken­na­men Mi­ner­va gibt es seit­dem nicht mehr. Al­ler­dings sind die Mi­ner­va-wer­ke vor­nehm­lich in Zeit­mes­sern der Mont­blanc-li­nie Vil­le­ret – be­zo­gen auf den Pro­duk­ti­ons­stand­ort von Mi­ner­va – ver­baut und dar­in als sol­che ge­kenn­zeich­net.

Ein Jah­res­ka­len­der kennt den kur­zen Fe­bru­ar nicht

Nicht so im He­ri­ta­ge Chro­no­mé­trie Chro­no­graph Quan­tié­me An­nu­el. Zu Deutsch – ein Chro­no­graph mit Jah­res­ka­len­der. Zwei­fel­los ei­ne sel­ten zu fin­den­de Kom­bi­na­ti­on zwei­er Kom­pli­ka­tio­nen, erst recht in der auf­ge­ru­fe­nen Preis­la­ge: Das Edel­stahl­mo­dell kos­tet 9 500 Eu­ro, für ei­ne Ver­si­on in Rot­gold muss man 18 900 Eu­ro be­zah­len. Im In­nern ver­rich­tet je­doch kein Mi­ner­va-ma­nu­fak­tur­ka­li­ber aus Vil­le­ret sei­nen Di­enst, son­dern ein Sel­li­ta-ba­sis­werk ver­bun­den mit ei­nem Mo­dul von Du­bo­is-dé­praz. Das SW 300 gilt als Pen­dant zum ETAKa­li­ber 2892, wes­halb das DD-MO­dul 2259 auch hier bes­tens passt.

Aus dem Auf­bau kom­men sämt­li­che Funk­tio­nen des Chro­no­gra­phen und des Jah­res­ka­len­ders. Jah­res­ka­len­der heißt, die Ka­dra­tur kennt al­le Mo­nats­län­gen bis auf die des Fe­bru­ars. Ein­mal im Jahr muss man al­so selbst Hand an­le­gen, an­sons­ten schal­tet der Ka­len­der al­le Mo­na­te kor­rekt, al­so zum Bei­spiel auch vom 30. Ju­ni auf den 1. Ju­li oder vom 30. Sep­tem­ber auf den 1. Ok­to­ber.

Das geht fol­gen­der­ma­ßen von­stat­ten: Die Ka­len­der­schal­tung be­ginnt ge­gen 21.30 Uhr ih­re Ak­ti­on. Man hört es an ei­nem leich­ten Kna­cken. Zu die­ser Zeit be­wegt sich be­reits der Zei­ger der Mond­pha­sen­an­zei­ge, um ei­ne St­un­de spä­ter in sei­ne neue Po­si­ti­on zu ge­lan­gen – wie­der ist ein Kna­cken zu ver­neh­men. Ge­gen 23.00 Uhr schal­tet das Da­tum vom 30. auf den 31. und dann ge­gen Mit­ter­nacht auf den 1. des Fol­ge­mo­nats. Der Mo­nats­zei­ger wech­selt mit et­was An­lauf fast zur glei­chen Zeit sei­nen Platz, wäh­rend der Wo­chen­tag­zei­ger – eben­falls leicht schlei­chend – schon ge­gen 23.50 Uhr end­gül­tig an sei­ne neue Stel­le ge­langt. Kurz nach 1.00 Uhr ist die Da­tums­schal­tung be­en­det, was der auf­merk­sa­me Be­obach-

Chro­no­graph und Jah­res­ka­len­der in ei­nem Ge­häu­se fin­det man recht sel­ten. Die Stopp­funk­ti­on die­ser Uhr zi­tiert die Ge­schich­te. Den Jah­res­ka­len­der muss man nur ein­mal pro Zy­klus kor­ri­gie­ren. Wir tes­ten das im Schalt­jahr. HE­RI­TA­GE CHRO­NO­MÉ­TRIE CHRO­NO­GRAPH QUAN­TIÈ­ME AN­NU­AL Der Chro­no­graph mit Jah­res­ka­len­der und Mond­pha­sen­an­zei­ge zeich­net sich durch ho­he Funk­tio­na­li­tät aus. Ob­wohl er die Ge­schich­te von Mi­ner­va zi­tiert, ist er nicht mit ei­nem Ka­li­ber die­ser Ma­nu­fak­tur aus­ge­stat­tet.

ter wie­der­um an ei­nem leich­ten Kli­cken aus dem Uhr­werk ver­nimmt. Al­le Darstel­lun­gen der Ka­len­der­funk­ti­on er­fol­gen über Zei­ger. Pas­send zur Zeit­an­zei­ge sind sie rot­v­er­gol­det. Ei­ne Aus­nah­me macht die Klei­ne Se­kun­de. Ihr Zei­ger ist blau wie die Zei­ger der Stopp­funk­ti­on. Man könn­te ihn sonst nur schlecht vom Da­tums­zei­ger un­ter­schei­den, der sich mit der Klei­nen Se­kun­de über das Hilfs­zif­fer­blatt bei zwölf Uhr be­wegt.

Über die meis­ten An­zei­gen be­hält man gut den Über­blick

Der Mo­nat wird bei neun Uhr an­ge­zeigt – da, wo der Chro­no­graph auch die Mi­nu­ten zählt – und der Wo­chen­tag bei sechs Uhr – wo eben­so die Chro­no­gra­phen­stun­den re­gis­triert wer­den. Ei­ne ex­po­nier­te Po­si­ti­on nimmt die Mond­pha­sen­an­zei­ge bei drei Uhr ein. Die­se »stört« kein Chro­no­gra­phen­zäh­ler. Mit­tels Zei­ger ist sie au­ßer­ge­wöhn­lich und raf­fi­niert zu­gleich. Denn sie macht die vier Haupt­zy­klen des Mond­mo­nats be­wusst, be­gin­nend mit dem Ne­u­mond in der un­te­ren Po­si­ti­on, dann zu­neh­men­der Halb­mond, Voll­mond – so, wie man ihn auch am Him­mel in höchs­ter Stel­lung wahr­nimmt – und ab­neh­men­der Halb­mond. Die Mond­pha­se stellt ei­nen schö­nen Blick­fang auf dem leicht gelb­li­chen Zif­fer­blatt mit sei­nen zahl­rei­chen An­zei­gen über Zif­fern, Stri­che und Ska­len dar.

Manch­mal muss man ge­nau­er hin­schau­en, zum Bei­spiel bei der Klei­ne Se­kun­de und beim Da­tum. De­ren Hilfs­zif­fer­blatt fällt lei­der auch klei­ner aus als die an­de­ren drei. Wo­chen­tag, Mo­nat und die Chro­no­gra­phen­mi­nu­ten er­kennt man da­ge­gen gut. Et­was über­la­den mit der Ei­sen­bahn­schie­ne scheint der Zwölf-st­un­den-zäh­ler. Den­noch ist er eben­falls gut er­kenn­bar. Über al­lem do­mi­nie­ren die fa­cet­tier­ten Schwert­zei­ger der Haupt­zeit mit dem ele­gan­ten Stopp­se­kun­den­zei­ger aus der Mit­te. Letz­te­rer ver­weist mit ro­ter Spit­ze sehr prä-

zi­se auf ei­ne eben­sol­che Ska­lie­rung am Zif­fer­blatt­rand, die mit ih­rer Ein­tei­lung dem Vier-hertz-rhyth­mus des zu­grun­de­lie­gen­den Sel­li­ta-ka­li­bers ent­spricht. Die­ses läuft mit über­zeu­gen­den Gang­wer­ten am Hand­ge­lenk. Auf der Zeit­waa­ge weicht es zwi­schen fünf und sechs Se­kun­den am Tag ab – auch im Chro­no­gra­phen­be­trieb. Bei den La­gen­dif­fe­ren­zen gibt es Wer­te über zehn Se­kun­den.

Die Stopp­funk­ti­on lässt sich über ecki­ge Drü­cker mit gro­ßen Auf­la­ge­flä­chen sehr gut be­die­nen. Auch die ge­rän­del­te Kro­ne kann man zum Hand­auf­zug und zur Zei­ger­stel­lung si­cher grei­fen. Die Ka­len­der­ein­stel­lun­gen er­fol­gen über in die Ge­häu­se­flan­ken in­te­grier­te Drü­cker mit­hil­fe ei­nes mit­ge­lie­fer­ten Kor­rek­tur­stif­tes.

Uhr zwi­schen gro­ßem Ver­mächt­nis und schlich­ter Mo­der­ne

Das Ge­häu­se stellt am al­ler­meis­ten die Ver­bin­dung zur Mi­ner­va-ver­gan­gen­heit her. In kom­plett glän­zen­der Aus­füh­rung zi­tiert es mit stei­ler Lü­net­te und ge­wölb­ten Hör­nern die le­gen­dä­re Pytha­go­re. Be­fes­tigt ist der Jah­res­ka­len­der-chro­no­graph an ei­nem wer­ti­gen Al­li­ga­tor­le­der­band, das in der Mont­blanc Pel­let­te­ria in Flo­renz ge­fer­tigt wird. An der grund­sätz­lich funk­tio­na­len Dop­pel­falt­schlie­ße lie­ßen sich noch klei­ne Ver­bes­se­run­gen vor­neh­men. Zum Bei­spiel ist der Dorn zu dünn und rutsch leicht aus den ge­stanz­ten Lö­chern her­aus. Ab­ge­se­hen von klei­nen Ma­keln, wie zum Bei­spiel auch der feh­len­den Nach­ta­bles­bar­keit, braucht der He­ri­ta­ge Chro­no­mé­trie Chro­no­graph Quan­tiè­me An­nu­el ei­gent­lich gar nicht den gro­ßen his­to­ri­schen Rah­men, um sich als mo­der­ne, all­tags­taug­li­che Uhr zu emp­feh­len. ———

Be­wer­tung in der Preis­ka­te­go­rie bis 10 000 Eu­ro Mont­blanc 81 Punk­te von 100

He­ri­ta­ge Chro­no­mé­trie Chro­no­graph Quan­tiè­me An­nu­el zahl­rei­che Funk­tio­nen.

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